Schwierige Suche nach dem Richtigen.

Auch das Klinikum sucht Pflegekräfte. Foto Blöchl
 
Emre freut sich über das Praktiken bei Siegfried Neumair. Foto Blöchl
Augsburg: Schillerschule |


Berufsinformationstage an der Schiller-Mittelschule.

Schon der Empfang in der Schule ist professionell. Ein Team rund um die verantwortliche Fachkraft für Berufsorientierung Friederike Schneider empfängt die Gäste und geleitet sie entsprechend zu den gewünschten Klassenzimmern, in denen sich die Firmen darstellen. Die Information selbst erinnert ein wenig an „Speeddating“ – die Suche nach dem oder der Richtigen. Auf der einen Seite suchen junge Schülerinnen und Schüler der 8. Und 9. Klassen der Lechhauser Schillerschule den richtigen Ausbildungsplatz, auf der anderen Seite suchen Firmen die richtigen Auszubildenden. In den verschiedenen Klassenräumen präsentieren sich an zwei Nachmittagen fast im Dreiviertelstundentakt die Firmen, die jungen Nachwuchskräfte informieren sich in den Berufen, die sie sich für sich selbst vorstellen können.

Die richtige Partnerwahl – auch hier keine Erfolgsgarantie nach der Wahl.

Wir im sonstigen Leben, die Auswahl der richtigen Firma und des richtigen Azubis ist nicht einfach. Es gibt auch keine Erfolgsgarantie. Wie bei Ehen und Beziehungen scheitern manche schon vor der Ehe (Ausbildungsvertrag), andere erleben auch die Scheidung (Auflösung des Ausbildungsverhältnisses Dabei haben die Jugendlichen momentan die größere Auswahl an Partnern. Im Gegensatz zu früheren Jahren, als das Ausbildungsangebot vor allem für Haupt- und dann die Mittelschüle sehr begrenzt war, suchen die Unternehmen zurzeit dringend den Nachwuchs für die Zukunft. Der Mangel an Fachkräften, der allerorten beklagt wird, führt dazu, dass sich an der Schule auch Firmen vorstellen, die früher oft nur Abiturienten oder Realschüler als Auszubildende genommen haben. 40 Firmen- oder Personalchefs, Ausbilder und Azubis aus 23 Unternehmen oder Schulen versuchen jetzt auch, die jungen Menschen anzusprechen, die an den Mittelschulen ihren Abschluss machen. Die Bandbreite der Firmen ist groß. So präsentieren sich große Unternehmen auch große Handelsunternehmen suchen Nachwuchs. Größere Lechhauser Firmen sind genauso präsent wie Handwerksbetriebe und gastronomische Einrichtungen. Auch Kindertagesstätten und Fachschulen für Sozialberufe informieren und werben um Nachwuchs. Auch das Klinikum ist vertreten. Ob es gelingen wird den nötigen Nachwuchs zu finden?

Junge Menschen auf der Suche in einem schwierigen Umfeld.

Eine bekannte Augsburger Bäckerei will Auszubildende als Bäcker oder Bäckereifachverkäuferinnen rekrutieren. Die Firma sucht 15 Auszubildende als Bäcker oder Verkäuferinnen. Professionell und gut gemacht die Präsentation der Ausbildung und auch des Arbeitsfeldes. Selbst für den Zuhörer ist es interessant zu hören, wie vielschichtig Ausbildung und spätere Anforderungen aber auch Möglichkeiten sind. Die beiden Ausbilder versuchen Fragen zu beantworten, bei den Schülern merkt man insbesondere was den Bäckerberuf angeht, eine gewisse Skepsis, bei den Anwesenden Mädchen ist das Interesse an einer Ausbildung als Verkäuferin spürbar größer. Bei der Aussage, dass bei normalen Leistungen eine Übernahme in den Beruf praktisch sicher sei, wird die Aufmerksamkeit besonders groß. Auf die Frage ob er sich vorstellen könne, als Bäcker zu arbeiten antwortet ein Jugendlicher: „Ja schon, aber das frühe Aufstehen ist nichts für mich!“ Mit diesem Handicap wird die Branche wohl leben müssen.

Eingeschränkte Ausbildungsfähigkeit bei manchen Jugendlichen.

Insgesamt 10 verschiedene Ausbildungsberufe bietet eine große Augsburger Firma aus dem Maschinenbau an, vom Mechatroniker bis zum Schlosser reicht die Palette, nur ein Mädchen verirrt sich in die Präsentation. Anders wiederum beim Klinikum, wo sich nur 1 Junge für die Ausbildung in der Pflege interessiert. Ausbilder Robert Kopp beschreibt im Gespräch die Schwierigkeiten, geeignete Bewerber und Azubis zu finden. Manche wiesen nicht nur Wissensdefizite auf, auch soziale Fähigkeiten und Kompetenzen seien oft zu wenig entwickelt. Verantwortung, Leistungsbereitschaft oder Teamfähigkeit seine gerade in seinem Unternehmen besonders wichtig. Diese Aussage bestätigt ein anderer Unternehmer, der nach seinen Angaben immer 4 statt der benötigten 2 Azubis einstellt, „weil erfahrungsgemäß 2 nach einigen Wochen oder Monaten das Handtuch werfen!“ Ein schwieriges Unterfangen hier beim „Dating“ die richtige Wahl zu treffen, der Erfolg wird sich erst zeigen wenn die Verträge unterschrieben sind und später dann die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen ist. Für Emre aus der 8. Klasse hat sich zumindest ein Traum schon erfüllt, bei der Lechhauser Sanitärfirma Neumair wird er demnächst ein Praktikum machen, stolz zeigt er sich mit seinem zukünftigen Chef. Viel Glück!
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