Eine ungewöhnliche Neugründung: Lechhauser Verein als Freiwillige Feuerwehr anerkannt

Immer problematischer wird es für die Einsatzkräfte der Augsburger Hauptfeuerwache, den Westen der Stadt rechtzeitig zu erreichen. Darum entsteht nun eine neue Freiwillige Feuerwehr. Foto: Kristin Deibl

Einige Mitglieder hatten auf den Besucherplätzen im Sitzungszimmer des Rathauses Platz genommen, als der Allgemeine Ausschuss Mitte Juli ein letztes Mal über die Beschlussvorlage beriet, die die Zukunft ihres Vereins in den kommenden Jahren bestimmen wird. Sie mussten sich einige längere Diskussionen hindurch gedulden, bis ihr Tagesordnungspunkt endlich an der Reihe war. Die Entscheidung ließ dann allerdings nicht mehr lange auf sich warten: Als der Ausschuss einstimmig beschloss, die Beschlussvorlage ungeändert dem Stadtrat zur Entscheidung vorzulegen, fielen sich die Besucher in die Arme, es flossen Freudentränen.

Die Vertreter aller Fraktionen hatten damit dafür gestimmt, den Lechhauser Feuerwehrverein künftig als städtische Freiwillige Feuerwehr anzuerkennen und die Vereinsmitglieder dementsprechend auszubilden - eine gute Ausgangssituation für die endgültige Entscheidung im Stadtrat, die dann ebenso übereinstimmend ausfiel.

Noch vor wenigen Jahren war die Anerkennung als städtische Wehr für die Mitglieder des ehrenamtlichen Vereins alles andere als selbstverständlich. Erst 2014 warb eine Interessensgemeinschaft mit Flyern und Informationsständen für eine Neugründung der Freiwilligen Feuerwehr des Stadtteils, die 1945 aufgelöst worden war. So fand die Interessensgemeinschaft schließlich 45 Gründungsmitglieder für den "Freiwillige Feuerwehr Lechhausen, Stadt Augsburg e.V.". Im Anschluss führte der Vorstand zahlreiche Gespräche mit Politikern und Verantwortlichen von Berufsfeuerwehr und städtischer Verwaltung. Dabei habe sich herauskristallisiert, dass es mindestens zehn Jahre dauern würde, bis der Verein zu einer einsatzbereiten Feuerwehr übergeführt werden kann. Entmutigt trat der damalige Vorstand ein Jahr später zurück. Die Mitglieder lehnten jedoch eine Vereinsauflösung ab und wählten im Juli 2016 einen neuen Vorstand.

Seitdem unterstützte der Verein zum Beispiel die Polizei bei der Sicherung des Martinsumzugs, half beim Auf- und Abbau der Lechhauser Weihnachtsbeleuchtung und des Christkindlesmarktes und führte für die Mitglieder praktische und theoretische Feuerwehrübungen durch - in Vorbereitung auf die Zeit, wenn die Lechhauser Feuerwehr offiziell anerkannt und ausgerüstet werden würde.

Etablierte Freiwillige Feuerwehren helfen bei der Ausbildung

Schließlich kam dem Verein der "Feuerwehrbedarfsplan 202x" der Stadt zu Gute. Aufgrund der Verkehrssituation wird es für die Berufsfeuerwehr Augsburg, die ebenso wie die Lechhauser Wehr im Osten der Stadt angesiedelt ist, immer schwieriger, den Westen Augsburgs innerhalb der vorgegebenen zehn Minuten nach dem Notruf zu erreichen. 25 bis 30 Mal jährlich kommt die Berufsfeuerwehr etwa im Stadtteil Kriegshaber inzwischen zu spät. Deshalb sollen Teile der Berufsfeuerwehr zukünftig in einer neuen "Feuerwache West" untergebracht werden. Um die gesetzlichen Vorgaben des Brandschutzes auch in den östlichen Stadtteilen weiterhin zu erfüllen, braucht es dann eine Freiwillige Feuerwehr für den Bereich Lechhausen. Auch der Feuerwehrbedarfsplan war am vergangenen Donnerstag Thema im Stadtrat. Weil die CSU-Fraktion weiteren Beratungsbedarf anmeldete, wurde die Beschlussvorlage vorerst noch nicht verabschiedet. Allerdings geht es der Fraktion nur darum, noch Details zu klären.

Die Vorbereitungen für eine einsatzfähige Feuerwehr in Lechhausen werden aber bereits 2020 beginnen. Die derzeitigen Vereinsmitglieder sollen in den kommenden zwei Jahren vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz und den anderen freiwilligen Feuerwehren ausgebildet werden. Das wird die Stadt vorerst rund 220 000 Euro kosten. Davon entfallen laut Ordnungsreferent Dirk Wurm nur 34 000 Euro auf die Erstausstattung. Während der Ausbildungszeit werden bereits vorhandene Einsatzgeräte und Fahrzeuge der Feuerwehr Augsburg verwendet. Die Schutzausrüstung der Lechhauser Aktiven wird auf der Hauptfeuerwache der Berufsfeuerwehr untergebracht.

Neugründung "bayernweit, wenn nicht weiter, eine Einmaligkeit"

Wenn die Mitglieder die Ausbildung abgeschlossen haben und in die städtische Alarm- und Ausrückeordnung eingebunden werden können, soll die Feuerwehr aber so gut wie möglich eine Basisausstattung erhalten, die mit den etablierten Freiwilligen Feuerwehren vergleichbar ist. Diese Kosten, insbesondere für Fahrzeuge und Gerätehaus, können laut Beschlussvorlage aktuell noch nicht beziffert werden. Die nötigen Mittel müssen in künftigen Haushalten beantragt werden.

Die Neugründung einer Freiwilligen Feuerwehr sei "bayernweit, wenn nicht weiter, eine Einmaligkeit", sagte Stadtrat Peter Schwab (CSU) vor der Entscheidung im Allgemeinen Ausschuss. Die neue Wehr werde sowohl die Freiwilligen Feuerwehren als auch die Berufsfeuerwehr entlasten. Auch Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) sah die Neugründung als "etwas Historisches". Für die Ehrenamtlichen werde das in den nächsten Jahren viel Arbeit bedeuten. "Danke an Sie alle, dass Sie das machen", sagte sie zu den anwesenden Aktiven. Dieter Benkard (SPD) wünschte ihnen "recht viel Glück."

Die Freiwillige Feuerwehr Lechhausen schrieb auf ihrer Facebook-Seite im Anschluss von "riesengroßer Freude". Das wichtigste sei, dass man in dem Kampf um die Anerkennung als Verein immer zusammengehalten habe. "Wir sind mächtig stolz auf uns." Am 26. Oktober findet die Fahnenweihe statt.
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