Flexibles Tempolimit für A 8 soll noch in diesem Jahr kommen

Auf der A 8, im Bild ein Streckenabschnitt bei Burgau, wird immer wieder teils weit über 200 Stundenkilometer schnell gefahren. Ein „dynamisches System“ soll künftig die Geschwindigkeiten regeln. Foto: meinzahn, 123rf.com

Rund 60.000 Fahrzeuge sind jeden Tag auf der seit 2015 sechsstreifig ausgebauten Autobahn unterwegs. Es scheppert und stockt beinahe täglich zwischen Bergkirchen und Günzburg. Die häufigste Unfallursache: überhöhte Geschwindigkeit. Bislang gibt es kein durchgehendes Tempolimit auf der A 8, die Feuerwehren sind starken Belastungen ausgesetzt und zahlreiche Autobahnanwohner müssen mit dem Lärm der Fahrzeuge leben. Das soll sich ändern. Die Autobahn wird noch in diesem Jahr mit sogenannten Streckenbeeinflussungsanlagen ausgestattet und erhalten damit ein dynamisches Tempolimit.

In Berlin wird nach wie vor auf endgültige Ergebnisse hinsichtlich einer neuen großen Koalition gewartet. Ulrich Lange (CSU) weiß: "Auch eine Groko sieht Gelder für die Installation von Streckenbeeinflussungsanlagen auf unseren Autobahnen vor." Rund 60 Millionen Euro sind dafür im Bundeshaushalt 2018 vorgesehen. Ulrich Lange ist verkehrspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Parlament. Zahlreiche Bürgermeister, deren Gemeinden an der stark befahrenen A 8 liegen, traten im vergangenen Sommer an ihn und weitere Politiker heran.

A8: "Unsere Feuerwehren sind nahezu täglich im Einsatz"

Sie wollen einen Rückgang der Unfälle auf der Autobahn erwirken. "Unsere Feuerwehren sind nahezu täglich im Einsatz", sagt Gersthofens Bürgermeister Michael Wörle. Ähnliches höre er von allen anderen Bürgermeistern, aus Odelzhausen genauso wie aus Dasing oder Günzburg.

Gersthofen ist ein Drehkreuz, B 17, B 2 und die Autobahn A 8 kreuzen sich nördlich von Augsburg. Wörle hatte daher auch, zusammen mit Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig, alle A8-Bürgermeister nach Gersthofen eingeladen. Die Forderung nach sogenannter Telematik, Streckenbeeinflussungsanlagen wurde laut. Wörle schrieb einen Brief an den damals amtierenden Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und seinen bayerischen Kollegen Joachim Herrmann.

Auch die Polizei hält die Installation derartiger Anlagen für notwendig, wie Gerhard Stern, Verkehrsexperte im Polizeipräsidium Schwaben Nord erklärt. Sie könnten den Verkehr "harmonisieren und regulieren", heißt es weiterhin.

Kürzlich gab der Bund grünes Licht für die Installation der Anlagen. "Das Verkehrsministerium in Berlin hat dem Freistaat die Planungshoheit übertragen", erklärt Ulrich Lange. Die Gelder sind da. Noch im ersten Quartal, also bis Ende März, soll der Freistaat ein gutes Nutzen-Kosten-Verhältnis (NKV) nachweisen. "Wenn das positiv ausfällt", so Lange, könne unmittelbar mit der Realisierung begonnen werden. Der Abgeordnete zeigt sich optimistisch. "Das ist kein Vorhaben, das in unendlichen Prüfschleifen gefangen ist", meint er. Auch das positive Nutzen-Kosten-Verhältnis stellt er nicht in Frage. Er ist sich sicher, dass noch in diesem Jahr mit der Realisierung begonnen werden kann.

Wo allerdings begonnen wird, ist noch unklar. Immerhin betrifft das Vorhaben die ganze Autobahn zwischen München-Obermenzing und dem Kreuz Ulm-Elchingen, also einen noch längeren Streckenabschnitt als eingangs gefordert. Die merklich gestiegenen Unfallzahlen seit dem sechsstreifigen Ausbau hoffen die Politiker mit der Installation der Anlagen in den Griff zu bekommen.

Auf der A 8 wird teils weit über 200 Stundenkilometer gefahren. Diese Tatsache ist Meldungen des Polizeipräsidiums Schwaben-Nord regelmäßig zu entnehmen, auch Feuerwehrleute, zu denen unter anderem der Dasinger Bürgermeister Erich Nagl gehört, berichten immer wieder von rasanten Überholmanövern mit hohen Geschwindigkeiten, selbst an Unfallstellen. Dennoch sei ein dauerhaftes Tempolimit (noch) nicht vorgesehen, wie Michael Wörle erklärt. "Wir wollen bewusst das dynamische System, um flexibel auf hohes Verkehrsaufkommen zu reagieren."

Die Anzeigetafeln, wie sie zum Beispiel an der A 8 in Richtung Salzburg oder entlang der A 9 zwischen München und Ingolstadt angebracht sind, können verschiedene Tempolimits angeben. (Bastian Brummer)
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