Die Feuerwehr kommt in Augsburgs Westen oft zu spät: Wie sich das jetzt ändern soll

Die Berufsfeuerwehr und sieben Freiwillige Wehren arbeiten in Augsburg in einem dualen System zusammen. Foto: Peter Maier


- Zehn Minuten darf es laut Gesetz dauern, bis nach einem Notruf erste Retter am Einsatzort eintreffen. In Augsburg wird diese Frist in vielen Fällen eingehalten. Im Westen der Stadt, insbesondere in Kriegshaber, sind es jedoch immerhin 25 bis 30 Fälle jährlich, in denen das nicht gelingt. Damit hebt sich Kriegshaber weit von allen anderen Stadtteilen ab. Auf Platz Zwei folgt Oberhausen-Nord mit zehn bis 15 Einsätzen pro Jahr, die anderen Stadtteile liegen mit fünf oder weniger Einsätzen deutlich darunter. Warum es für die Feuerwehr oft schwierig ist, den Westen Augsburgs rechtzeitig zu erreichen und wie das in Zukunft geändert werden soll, war nun Thema im Allgemeinen Ausschuss der Stadt.

Die Hauptfeuerwache der Augsburger Berufsfeuerwehr befindet sich an der Berliner Allee, also im Osten der Stadt. "Wenn sich die Verkehrsströme so weiter entwickeln, wird es für die Feuerwehr immer schwieriger, schnell in den Westen zu kommen", erklärte Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) vor dem Ausschuss. Zugleich gebe es dort aber mit dem Sheridan-Park, dem Reese-Areal und den Neubauten rund um den Campus der Uniklinik immer mehr Wohnbebauung. Auf Dauer wird im Westen also ein fester Standort für die Feuerwehr gebraucht. Die Stadt plant nun, für eine Million Euro im Umkreis der Uniklinik eine Wache in Modulbauweise einzurichten. Diese wolle man am besten an das Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Kriegshaber andocken, erläuterte Wurm, damit Räume und Ausrüstung zumindest teilweise gemeinsam genutzt werden könnten.

An den neuen Standort in Kriegshaber soll zum Teil Personal von der Berliner Allee versetzt werden. Um die personelle Lücke im Augsburger Osten dann wieder zu schließen, ist eine neue Freiwillige Feuerwehr Lechhausen geplant. 34 Interessierte für die ehrenamtliche Tätigkeit gebe es bereits, berichtete Andreas Graber, Leitender Branddirektor. Diese sollen nun ausgebildet werden, Anfang 2022 könnte die zweijährige Ausbildung abgeschlossen sein. Wurm könnte sich generell vorstellen, in Lechhausen ein Ausbildungszentrum für Einsatzkräfte einzurichten. "Das ist aber Zukunftsmusik", stellte er klar. "Wir sprechen hier vom Jahr 2025 oder später."

Vorher allerdings kommt noch eine andere, kostspielige Aufgabe auf die Stadt zu: Die Hauptfeuerwache an der Berliner Allee soll modernisiert werden. Das Gebäude werde bald 50 und sei mittlerweile in die Jahre gekommen, sagte Wurm. "Das geht aber mit einem großen planerischen und logistischen Aufwand einher." Er habe sich angeschaut, wie etwa Regensburg dieses Problem löse. "Dort wird angebaut, die Leute ziehen in den Neubau um und dann wird der Altbau renoviert. Da sprechen wir aber von Kosten in einer Größenordnung zwischen 50 und 60 Millionen Euro", berichtete Wurm. Das sei viel Geld, allerdings sei es in Augsburg nun mal der Fall, dass viele Gebäude, wie auch Schulen, jetzt mehr als 50 Jahre alt seien und ihre theoretische Lebensdauer erreicht hätten.

Der sogenannte "Feuerwehrbedarfsplan 202x" wurde im Ausschuss überwiegend wohlwollend aufgenommen. Regina Stuber-Schneider (Freie Wähler) wies darauf hin, nicht für die Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehr zu sparen, um das Geld in die Großprojekte für die Berufsfeuerwehr zu stecken. "Die Freiwilligen Feuerwehren sind nicht einfach zusätzlich da, sie sind unser zweites Standbein." Das Klima verändere sich so rasant, dass es "auch bei uns mal zu Waldbränden kommen kann. Da werden wir noch froh sein, dass wir die Freiwilligen Feuerwehren in Bergheim und Inningen haben." (
Von Kristin Deibl)
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