Erst Meterstab, dann Messer: 18-Jähriger steht wegen einer Messerstecherei am Oberhauser Bahnhof vor Gericht

Der Angeklagte musste sich am Mittwoch wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung verantworten. (Foto: Foto: Sebnem Ragiboglu-123rf.de)

Augsburg – „Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich jemanden verletzt habe, und dann stand plötzlich die Polizei vor der Tür“, sagte der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung. Im Fall einer Messerstecherei, die sich am 23. Juni 2017 am Oberhauser Bahnhof ereignet hat, musste das Augsburger Amtsgericht ein Urteil gegen einen 18-Jährigen nun wegen eines fehlenden Zeugen um zwei Wochen vertagen.

Ein halbes Jahr nachdem er einem Mann im Park des Oberhauser Bahnhofes mit einem Messer eine mindestens acht Zentimeter tiefe und 15 Zentimeter lange Wunde zugefügt haben soll, musste sich ein 18-Jähriger Angeklagter nun am Donnerstag vor Gericht verantworten. Angeklagt ist er wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung mit Absicht der Verletzung.

Der Angeklagte syrischer Abstammung wurde mit Hilfe eines Übersetzers vernommen. Er gab seine Aussage sehr ruhig und strukturiert ab, doch die Anspannung war ihm anzumerken. Er habe am Oberhauser Bahnhof mit einem Meterstab herumgespielt, als von diesem ein Stück abgebrochen sei und einen ihm gegenüber stehenden Mann an der Brust getroffen habe. Dieser sei aggressiv geworden, und habe versucht, ihm den Meterstab aus der Hand zu reißen. Daraufhin habe sich eine größere Menge von Menschen vor dem Angeklagten gesammelt, wodurch er sich in die Ecke gedrängt gefühlt habe. Eine Person dieser Gruppe hätte außerdem eine leere Bierflasche in der Hand gehalten, die der Angeklagte als Waffe wahrgenommen habe. Er habe dann das Messer gezogen, um die Gruppe abzuschrecken, und sei davongerannt, wobei er von Mitgliedern der Gruppe verfolgt worden sei. Dass er einen der Männer mit dem Messer verletzt habe, habe er nicht gemerkt. Er habe zuvor eine „Kräutermischung“ konsumiert, und habe darum nicht alles klar wahrgenommen: „Alles war wie Magie, wie ein Film“, übersetzte der Dolmetscher.

Der Geschädigte, der sich zur Zeit wegen einer anderen Sache in Strafhaft befindet, hielt sich öfter am Oberhauser Bahnhof auf. Nach Aussage des 33-Jährigen hielt der Angeklagte einem Mädchen den Meterstab an den Hals, weshalb er ihr zur Hilfe gekommen sei. Außer ihm sei niemand näher an den Angeklagten herangetreten. Der Angeklagte habe aggressiv reagiert, und es sei zu einer Schlägerei gekommen. Das Messer habe er nicht gesehen, und er habe vorerst eher „einen Schlag gespürt“, bis er merkte, dass er stark blutete. Zudem konnte er auch den Angeklagten nicht eindeutig identifizieren. „Alles war so schnell“. Der Verletzte musste im Krankenhaus operiert und genäht werden. Er hatte zwei Liter Blut verloren. Obwohl glücklicherweise keine wichtigen Nerven und Gefäße verletzt wurden, sei die Verletzung erst vor knapp einem Monat verheilt.

Eine Bekannte des Verletzten, die diesen öfter am Bahnhof traf, sagte dagegen aus, der Angeklagte hätte sich mit seinem Freund gestritten, und sie habe ihren Bekannten zu ihnen geschickt, um den Streit zu schlichten. Wie es zu der Verletzung kam, habe sie aber nicht mitgekriegt.

Ein unbeteiligter Zeuge, der an diesem Tag am Bahnhof auf einen Zug gewartet und das Ganze beobachtet hatte, sagte schließlich aus, dass er die Situation als bedrohlich für den Angeklagten eingeschätzt habe. Er habe beobachtet, wie dieser mit dem Meterstab herumgespielt und dabei einen anderen Mann getroffen habe, woraufhin sich eine Gruppe von Menschen um ihn gesammelt habe. Er habe dann beobachtet, wie der Angeklagte sich nach unten beugte, ein Messer aufklappte, und es daraufhin in einer kreisenden Bewegung nach oben schwang. Er sei dann weggerannt und über den hinter ihm gelegenen Zaun gesprungen. Ein oder zwei Männer seien ihm gefolgt.

Ein Freund des 18-Jährigen, der die Tat miterlebt hatte, sagte ebenfalls vor Gericht aus. Seine Schilderung deckte sich weitestgehend mit der des Angeklagten. Ein weiterer Zeuge war ein paar Tage vor der Verhandlung festgenommen worden. Da er derzeit in einer Isolationszelle sitzt, konnte er nicht zum Verhandlungssaal gebracht werden.

Die Staatsanwaltschaft hat nun einen weiteren Termin beantragt, um auch noch diesen Zeugen zu vernehmen. Ein Urteil wird voraussichtlich am 22. Januar fallen.
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