Illegale Geschäfte auf dem Nordfriedhof: Bewährungsstrafen für vier Angeklagte

Neben den Freiheitsstrafen müssen vier der Männer Geldauflagen zwischen 2000 und 4000 Euro zahlen. Das Verfahren gegen den ehemaligen Leiter des Nordfriedhofs, der mittlerweile im Ruhestand ist, sowie einen weiteren Friedhofsarbeiter wurde abgetrennt, nachdem die anderen Angeklagten übereinstimmend erklärt hatten, weder der eine noch der andere hätten etwas von den Geschäften gewusst. (Foto: Monika Grunert Glas)

Mehrfacher Betrug und ein Fall von Unterschlagungen auf dem Augsburger Nordfriedhof. Verfahren gegen ehemaligen Friedhofsleiter abgetrennt.

Für die Besitzer aufzulassender Gräber war es ein Service: Für je nach Größe 150 beziehungsweise 250 Euro - ein Steinmetzbetrieb hätte mehr verlangt - wurden ihnen die Sorgen abgenommen und Mitarbeiter des Nordfriedhofs kümmerten sich um alles, vom Planieren der nicht mehr benötigten Grabstelle bis zur „Entsorgung“ der alten Grabsteine.

Was die Grabbesitzer wohl oft nicht wussten: Die Mitarbeiter arbeiteten in die eigene Tasche. Davon zumindest ist Richterin Ulrike Ebel-Scheufele überzeugt. Die Vorsitzende am Schöffengericht des Amtsgerichts Augsburg verurteilte jetzt vier Männer zu Bewährungsstrafen zwischen neun und 21 Monaten.

Ihnen wurden mehrfacher Betrug und in einem Fall Unterschlagungen vorgeworfen. Auch der Geschäftsführer eines Steinmetzbetriebs gehört zu den Verurteilten. Er hatte der Stadt Arbeiten in Rechnung gestellt, die in Wirklichkeit von den Friedhofsarbeitern ausgeführt worden waren. Er behauptete, das sei dem kollegialen Verhältnis geschuldet, das der Betrieb zu den städtischen Angestellten gepflegt habe.

Das Verfahren gegen den ehemaligen Leiter des Nordfriedhofs, der mittlerweile im Ruhestand ist, sowie einen weiteren Friedhofsarbeiter wurde abgetrennt, nachdem die anderen Angeklagten übereinstimmend erklärt hatten, weder der eine noch der andere hätten etwas von den Geschäften gewusst.

Die Verteidiger hatten nach kurzer Verhandlung - es wurde nur ein Zeuge, ein Polizeibeamter, gehört - unisono Freisprüche gefordert, da die Geschäfte zwar „ein Gschmäckle“ gehabt hätten und sich nicht wiederholen sollten, strafrechtlich relevant sei das Verhalten der Angeklagten jedoch nicht gewesen.

Neben den Freiheitsstrafen müssen die vier Männer Geldauflagen zwischen 2000 und 4000 Euro zahlen. Zudem fordert die Staatsanwaltschaft den so genannten Wertersatz gemäß entstandenem Schaden: das sind nochmals Summen zwischen 150 und 7590 Euro.
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