Unliebsamer Gast: Augsburger wollen Betrunkene aus Wohnung bekommen und landen vor Gericht

Einen unliebsamen Gast wollen zwei Augsburger im Dezember 2017 loswerden. Das führte sie nun vor Gericht. (Foto: Symbolbild: phartisan-123rf.com)

Sie sollen eine Frau im Dezember 2017 mit Klebeband an Händen und Füßen gefesselt und dann ein Treppenhaus über mehrere Stockwerke nach unten geschoben haben. Die heute 44-Jährige erlitt Prellungen am Hinterkopf, Rücken, Armen und Beinen. Einer von zwei Männern musste sich deshalb nun vor dem Amtsgericht Augsburg verantworten, das Verfahren gegen den zweiten Beteiligten wurde abgetrennt.

Die Rekonstruktion der Ereignisse erwies sich am Dienstag als schwierig: Die Verletzte war an jenem Abend mit 2,4 Promille betrunken, konnte sich bei der Zeugenaussage kaum mehr erinnern, woher die Verletzungen kamen. Irgendwann auf der Treppe müssten sie wohl passiert sein, erzählt sie Richterin Melanie Koch auf Nachfrage. Aber zum Teil vielleicht auch schon bei einer körperlichen Auseinandersetzung mit dem zweiten Beteiligten in der Wohnung. Auf jeden Fall sei sie zu irgendeinem Zeitpunkt mit Klebeband gefesselt worden. Wann das Klebeband wieder entfernt wurde, wusste sie nicht. Im Treppenhaus sahen Zeugen zumindest keinen Hinweis mehr darauf.

Laut Anklage lief der Abend folgendermaßen ab: Die 44-Jährige befand sich, ebenso wie der angeklagte 43-Jährige, in der Wohnung eines Bekannten. Als der Besitzer der Wohnung die Betrunkene bat, die Wohnung zu verlassen, weigerte sie sich. Daraufhin habe der Angeklagte sie festgehalten, während sein Freund sie mit Klebeband fesselte. Dann hätten sie die Frau durch das Treppenhaus aus dem Haus gezogen und dabei nicht unerheblich verletzt.

Betrunken und aggressiv

Zum Zeitpunkt, als er in der Wohnung seines Freundes ankam, sei die 44-Jährige bereits betrunken und aggressiv gewesen, sagte der Angeklagte aus. "Wir haben ihr gesagt, in Frieden, sie soll nach Hause gehen", übersetzt sein Dolmetscher aus dem Russischen. Zurückbekommen hätten sie nur Beleidigungen. Der Wohnungsbesitzer hätte dann versucht, sie aus der Tür zu schieben, sie habe sich gewehrt.

Zu diesem Zeitpunkt kamen wohl auch weitere Bewohner des Oberhauser Mehrfamilienhauses ins Spiel. Ein 57-Jähriger erzählt, er erinnert sich vor allem, dass es "mordslaut in meinem Hausgang war". Er habe geschaut, was los ist. Zu diesem Zeitpunkt habe sich die 44-Jährige am Fuß des Angeklagten festgeklammert und gleichzeitig um Hilfe gerufen. "Aber die hat ja ihn am Fuß gehabt." Der Angeklagte habe ihr gesagt, sie solle loslassen. Der Zeuge habe dann gesagt "gebt's a Ruh" und sei wieder gegangen.

Verletzungen auf Lichtbildern dokumentiert

Zwei weitere Zeuginnen hatten ebenfalls den Lärm gehört, eine von ihnen deshalb die Polizei gerufen. Die 44-Jährige sei ihr schon bekannt gewesen. "Es war nicht das erste Mal, dass sie sich betrunken so bei uns im Haus aufgeführt hat." Die beiden Männer hätten schließlich entschieden, die Frau aus dem Haus zu tragen, um die Nachbarn nicht zu stören. "Geschleift haben sie sie nicht, nein, runter getragen", bestätigt eine Zeugin. Irgendwie kam die 44-Jährige allerdings zu ihren Verletzungen. Die Prellungen am Rücken zeigten eindeutig, dass sie mehrfach auf den Stufen aufgekommen war, so die Staatsanwaltschaft. Sie habe sich auch auf der Treppe noch gewehrt, erzählte der Angeklagte. Sie hätten die Betrunkene nicht ruhig tragen können.

Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten stellte Richterin Koch das Verfahren vorläufig ein. Als Auflage muss der Angeklagte, der als Dreher arbeitet, bis Ende April 400 Euro an den Bunten Kreis zahlen. "Dass die Verletzungen entstanden sind, steht außer Frage", so die Staatsanwaltschaft. Die Polizei hatte von diesen Lichtbilder erstellt. Doch habe daran wohl auch die 44-Jährige selbst eine Mitschuld getragen.
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