100 Jahre Josefinum Augsburg: Wo 150.000 Kinder zur Welt kamen

Das Josefinum wächst: Seit 2010 wird die Fachklinik erweitert. Einige neue Gebäude sind bereits in Betrieb. Bis 2020 entstehen ein komplett neuer Krankenhausflügel sowie ein Ärztehaus und ein ambulanter OP. Danach werden neue psychiatrische Stationen, eine Kinderintensivstation und eine neue Notaufnahme gebaut. Das Projekt kostet voraussichtlich 160 Millionen Euro. Foto: F. Kemp da Silva

Die Wurzeln liegen in der Zeit des ersten Weltkriegs; und doch sind die Themen noch immer die gleichen: Vor 100 Jahren wurde das Josefinum als Säuglingsheim in Augsburg gegründet, weil Mütter in dieser Zeit in den Fabriken arbeiten mussten und die Väter im Krieg kämpften oder gar schon gefallen waren. 2017 kamen mehr als 3000 Kinder in der Fachklinik zur Welt, die vorige Woche ihr Jubiläum feierte.

Dabei stach ein Appell heraus: "Sie müssen weitermachen. Wir brauchen Sie auch die nächsten 100 Jahre", betonte Gesundheitsministerin Melanie Huml in ihrer Rede auf dem Festakt. Sie hob auch die Verbindung zwischen moderner Hochleistungsmedizin und menschlicher Zuwendung hervor, für die das Josefinum stehe - und es gelinge dort, beides zu vereinen, führte die Ministerin aus. "Wer Hilfe für Körper oder Seele braucht, findet sie hier - von der Geburt bis ins Erwachsenenalter. Nicht umsonst reichen Reputation und Einzugsbereich des Krankenhauses weit über die Stadtgrenzen hinaus."

Oberbürgermeister Kurt Gribl sprach von einem "segensreichen Wirken für die Gesellschaft, für die Menschen" durch den Krankenhausträger, die Katholische Jugendfürsorge, kurz KJF. Deren Vorstandsvorsitzender Markus Mayer sagte: "Damals und bis heute waren und sind wir vom gleichen Auftrag und der gleichen Grundhaltung getragen. Im Sinne Jesu Christi sind wir der Nächstenliebe verpflichtet."

Das Josefinum wurde 1918 gegründet. Im vierten Jahr des ersten Weltkriegs. Oberlehrer Josef Mayer und Stadtpfarrer Johann Blödt hatten bereits 1916 einen Krippenverein gegründet. Zwei Jahre später wurde eine Kinderkrippe eröffnet, die sich noch im selben Jahr zum Säuglingsheim an der Kapellenstraße wandelte. Das Kloster Maria Stern entsandte am 1. April 1918 die ersten zwei Ordensschwestern, um die Betreuung der Kinder zu übernehmen. Ordensschwestern gestalteten fast 100 Jahre lang die Geschicke des Hauses mit. 1923 übernahm die KJF die Trägerschaft. 1952 erhielt das Säuglingsheim anlässlich des 80. Geburtstags von Josef Mayer den Namen Josefinum.

Fünf Jahre später wurde eine Entbindungsklinik im Josefinum eröffnet, in der bis heute mehr als 150 000 Kinder zur Welt gekommen sind. Damit zählt das Josefinum zu den größten Entbindungskliniken Deutschlands. Das Haus wuchs seither um Abteilungen für Frühgeburten, Kinderchirurgie sowie Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen, um eine Frauenklinik und eine internistische Station für Kinder. Seit 1978 versorgt das Josefinum im Auftrag des Bezirks stationär kinder- und jugendpsychiatrische Patienten. "Ein heute nicht mehr wegzudenkendes Feld", sagte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert in seiner Rede zum Jubiläum. Der daraus entstandenen Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie folgten schließlich sogar Außenstellen in Kempten und Nördlingen.
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