Auf den Spuren der Amerikaner in Pfersee - Ein Rundgang auf dem Sheridangelände

Der amerikanische Einmarsch 1945 war für viele eine Ede mit Schrecken. manche waren eher skeptisch. (Foto: unbekannt)
 
So sieht das ehemalige Kasernengelände heute noch teilweise aus, an anderen Stellen entstehen moderne Wohn- und Funktionsgebäude. Foto Böchl
Kriegsende 1945 – die amerikanische Armee befreit Augsburg; von vielen, aber nicht von allen freudig begrüßt. Als Quartiere dienen zu Beginn die Kasernen der deutschen Wehrmacht. An insgesamt mehr als zehn Standorten gibt es anfangs amerikanische Truppen. In Pfersee werden drei Kasernen zu einer vereinigt, die den Namen „Sheridan-Kaserne“ erhält. Sie wird nach dem Gefreiten Carl V. Sheridan benannt, der für seinen Einsatz bei der Eroberung der Burg Frenz posthum mit der Medal of Honor, der höchsten Tapferkeitsauszeichnung der US-Streitkräfte, geehrt wurde.
Mit neuen Namen versehen beherbergen die Kasernen bis zum Jahr 1998 Zigtausende von amerikanischen Soldaten, ihre Familien und auch sehr viele deutsche und Zivilangestellte anderer Nationen.

Hoffnung , aber auch Skepsis gegenüber den Siegern

Die deutsche Bevölkerung war durchaus gespalten, was den Umgang mit den von manchen auch „Besatzern“ genannten anging. Die Stimmung schwankt zwischen Angst und Hoffnung auf einen Neuanfang.

Mit der Zeit kommt man sich näher. Nach den schweren Notzeiten der direkten Nachkriegszeit, die auch durch die Hilfe aus den USA gemeistert werden können, kehrt eine gewisse Normalität ein. Ehen werden geschlossen, die deutsch-amerikanischen Volksfeste sind ein magnetischer Anziehungspunkt, die Messe „Americana“ ist auch heute noch ein großer Publikumsmagnet.

In den Jahren danach werden Versorgungseinrichtungen und Tausende von Wohnungen gebaut, die Armee wird auch ein zunehmend wichtiger Wirtschaftsfaktor in Augsburg. Die einheimischen Firmen lieferten an die Kasernen, Aufträge an Baufirmen kurbeln auch die Wirtschaft in Augsburg an. Zivilangestellte finden Lohn und Brot.

Das Kaufhaus auf dem Gelände an der Ackermann-Straße ist für Deutsche eigentlich Tabu – aber mit Hilfe von amerikanischen Bekannten können manche Hürden überwunden werden.

Sheridan: Vom Truppengelände zum neuen Stadtviertel

Jugendliche sind damals begeistert, weil die „Amis“ die neue Musik, Rock’n’Roll und andere Richtungen mitbringen. Mitunter kommt man mit amerikanischen Freunden auch in deren Clubs. Im Gegensatz dazu gibt es eine Zeitlang deutsche Gaststätten, die keine amerikanischen Gäste wollten. Das Schild „Off Limits“ ist damals durchaus verbreitet. Heute, im Zeichen der Antidiskriminierungspolitik, unvorstellbar.

Was ist geblieben von der langen Zeit, was kann man sehen, was kann man finden? Woran erinnern sich Menschen, die diese Zeit erlebt haben? Bernd Kammerer von der Bürgeraktion Pfersee führt im Zuge eines Programms der Volkshochschule über das Sheridan-Gelände.

Man braucht auf dem Rundgang teilweise viel Phantasie, um sich vorstellen zu können, wie es hier unter den Amerikanern gewesen sein mag. Erhalten sind noch einige Gebäude, unter anderem das alte Offizierskasino, noch aus der Wehrmachtszeit. Hinter den beiden Eingängen „Pfersee-Gate“ und „Stadtbergen-Gate“ lebten und arbeiteten Tausende von Soldaten, sie mussten verpflegt und betreut werden, Fahrzeuge jeder Art, Panzer und Lkws waren zu unterhalten.

Natürlich gab es auch Einrichtungen für Freizeit und Sport. Bernd Kammerer versucht, mit Fotos zu zeigen, wie es damals war.

Die sogenannten Konversionsflächen, die für zivile Nutzung frei werdenden Gebiete der amerikanischen Armee, boten für die Stadt auch die einmalige Chance, die Stadtentwicklung voranzutreiben. Auch wenn diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist – wer heute durch das Sheridan-Gelände wie durch andere Bereiche, etwa den Reesepark, geht, wird erleben, dass die alte Forderung der Friedensbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ im übertragenen Sinne Wirklichkeit geworden ist. Wo früher Panzer rollten, steht heute die Westparkschule, wo vielleicht Truppen vor der Flagge salutierten, steht moderne Wohnbebauung.

Auf den Flächen, sei es Sheridan- oder Reesegelände, wird der Besucher insgesamt nur wenige Hinweise finden, die auf die Nutzung der amerikanischen Truppen hinweisen. Stärker in den Vordergrund rückte in den vergangenen Jahren die Halle 116 auf dem Gelände. In der früheren Fahrzeughalle hatten die Nazis Häftlinge aus dem Konzentrationslager unter unmenschlichen Bedingungen untergebracht. Sie leisteten Zwangsarbeit in den Rüstungsbetrieben, viele gingen elend zugrunde.

Auch der Verein „Amerika in Augsburg“ bemüht sich, Erinnerungen wachzuhalten. Georg Feuerer vom Stadtarchiv ist aktiv dabei und hofft, künftig Sammler- und Fundstücke einschließlich eines alten Armee-Lkws in einem entsprechenden Ambiente auf einem der ehemaligen Militärgelände ausstellen zu können.

Kontakt: Amerika in Augsburg e.V., Postfach 0124, 86026 Augsburg, E-mail: Amerikaverein @aol.com
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