Die Erinnerung kehrt zurück – Ausstellung in Kriegshaber.

Freuen sich über die neue Ausstellung v.l. Dr. Souzana Hazard (Museumsdependance Kriegshaber), Kuratorin Feicitas Heimann - Jelinek und Dr. Benigna Schönhagen. Foto Blöchl
 
Dies Krone schmückte ein Thorarolle, im Laufe ihrer Existenz wurde sie öfter beschädigt. Foto Blöchl
Augsburg: Alte Synagoge Kriegshaber | Vielschichtig ist der Titel „ERINNERUNG IST EINE ERINNERUNG - IST EINE ERINNERUNG - IST EINE ERINNERUNG?!" einer Ausstellung, in der seit dem 30. Januar Judaica aus dem Umfeld der Alten Synagoge Kriegshaber ausgestellt werden. „Dabei ist Erinnerung sowohl als persönlicher Prozess als auch als öffentlicher Auftrag zu verstehen“ erläutert die Leiterin des Jüdisch – Schwäbischen Kulturmuseums Dr. Benigna Schönhagen bei einer Führung für die Presse. 23 Objekte sind aus der ganzen Welt wieder nach Kriegshaber zurückgekehrt, so aus Amerika, Israel, der Schweiz und Österreich, aber auch aus Museen in Deutschland. Die Exponate wollen und können keine Gesamtschau, auch keine chronologische Abfolge darstellen, sie sollen die Vielfalt und die Bedeutung jüdischen Lebens in und für Kriegshaber und die Region widerspiegeln. Der früher eigenständige Markt war für mehr als 400 Jahre neben Pfersee und Steppach ein Zentrum der Kultur der jüdischen Bevölkerung, die in Kriegshaber zeitweise fast die Hälfte der Bevölkerung ausmachte.

In der NS-Zeit in alle Welt verstreut, kehren kostbares Tora-Silber, wertvolle Textilien, seltene Manuskripte und andere Judaica für diese Ausstellung einige Wochen lang in ihre Heimat zurück und erinnern dort an die religiöse, kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung dieser einstigen Vorstadtgemeinde, die weit über die einer landjüdischen Gemeinde hinausging. Schon damals gab es Verbindungen in viele Regionen Deutschlands und der Welt, wie Dokumente belegen. Jetzt werden sie durch die Ausstellung wieder in Erinnerung gerufen. Auch wenn die Objekte wieder zurückkehren werden, die Erinnerung bleibt. Mit Siebdruck wurde jedes Stück dokumentiert und beschrieben, sie werden dann in der alten Synagoge ausgestellt bleiben und so die Erinnerung wachhalten.

Im Mittelpunkt der vom Wiener Architekten Martin Kohlbauer gestalteten Präsentation steht dabei ein Vorhang von 1723/24 des alten Thoraschreines aus der ehemaligen Synagoge der unter großen Mühen aus Jerusalem ausgeliehen wurde. In den zylindrisch aufgebauten Vitrinen sind dann die unterschiedlichen Ausstellungsstücke angeordnet. Das älteste Gebetbuch stammt von 1529, eine Krone, die eine Thorarolle schmückte und die auch Symbol der Ausstellung ist, zeigt symbolisch auch die Brüche in der Geschichte in ihren Beschädigungen. Insgesamt 31 Thorarollen hat die Synagoge früher beherbergt, künstlerisch gestaltete Schilder weisen auf die Eigentümer der heiligen Schriften hin. Die Namen der Familie Einstein aus Kriegshaber tauchen genauso auf wie die Familie Ulme aus Pfersee.

Die Kuratorin der Ausstellung Felicitas Heimann – Jelinek beschreibt die Objekte und ihre Bedeutung für das religiöse aber Alltagsleben der jeweiligen Zeit. Die Objekte stellen dabei keine chronologische Abfolge dar, sie versuchen vielmehr eine Vielfalt von Erinnerung zu bewahren und auch anzuregen. Die Erinnerungsstücke sind dabei sowohl Träger von Erinnerungen als auch Initiative für inviduelle Erinnerung. Als stumme Zeugen verschiedener Vergangenheiten können sie auf Brüche wie Kontinuitäten der Geschichte verweisen, wenn man ihre vielfältigen Dimensionen aufdeckt.. Sie verweisen auch auf die individuellen Erinnerungen ihrer früheren Besitzer oder ihrer einstigen Verwender und stellen Fragen nach einem heute adäquaten Umgang mit diesen Erinnerungen. Aus der Vielfalt der Objekte und ihren unterschiedlichen Zuordnungen erwächst die Stärke der Ausstellung. Der Betrachter erhält das Gefühl, selbst Teil dieses Lebens zu sein, wenn er seine Vorstellung vom Umfeld, aus dem die Stücke stammen entfaltet. Die Ausstellung - ein ausführlicher Katalog kann erworben werden - kann bis zum 17. Juni besichtigt werden. Die Museumsdependance in Kriegshaber, Ulmer Straße 228 ist Donnerstag bis Samstag. von 14 - 18 Uhr und am Sonntag von 13 - 17 Uhr geöffnet.
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