Ein Machtwort änderte alles - Augsburgs langer Weg zur Uniklinik

Gigantische Zukunftsvision: So könnte der Campus der Medizinischen Fakultät einmal aussehen. Einzig das Klinikum und das Bezirkskrankenhaus (beides mittig im Hintergrund) bestehen bereits. Alles andere soll im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten hinzukommen. (Foto: Nickl & Partner Architekten AG)
 
Das Zentralklinikum mit seiner Silhouette ist eines der markantesten Wahrzeichen Augsburgs und eines im Wandel. (Foto: Bernhard Radinger)
 
Mit dem Aufbau der Medizinischen Fakultät und dem Ausbau des Klinikums Augsburg zum Universitätsklinikum werde sich nicht nur die medizinische Versorgung verbessern, sondern es würden sich auch vielfältige positive sozioökonomische Impulse für den Wirtschaftsraum Augsburg einstellen. Das prognostiziert eine Studie, die am Mittwoch vorgestellt wurde. (Foto: Nickl & Partner Architekten AG)
 
Die Sanierung des Klinikums schreitet voran. Dem Freistaat Bayern geht die bisherige Sanierungstiefe jedoch nicht weit genug. (Foto: Monika Saller)
 
Das Klinikum bei Nachts mit Langzeitbelichtung aufgenommen. (Foto: Bernhard Radinger)
 
Dieses Grafiti soll wohl den zu jeder Uhrzeit startenden Rettungshelikopter Christoph zeigen. (Foto: Monika Saller)
 
Endlich bekommt die Universitätsstadt und Metropole Augsburg auch eine Universitätsklinik. (Foto: Monika Saller)

In einer Demokratie hat das Machtwort eines Politikers normalerweise nichts zu suchen. Aber das Machtwort des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer zum Uniklinikum war für Augsburg ein Glücksfall und eine Erlösung zugleich. Der Weg zur Uniklinik in Augsburg war ein langer und steiniger – Grund für uns einen Rückblick in die Geschichte des Klinikums zu wagen, den politischen Weg nachzuzeichnen und über den aktuellen Stand zu informieren.

Die Wurzeln des Klinikums reichen bis in das Jahr 1852 zurück. Der Rotgerber Georg Henle vermachte seiner Vaterstadt Augsburg 100000 Gulden unter der Bedingung, dass sie für die Pflege der katholischen Kranken durch die Barmherzigen Schwestern verwendet würden. Von diesen Geldern wurde das Hauptkrankenhaus in der Jakober Vorstadt gebaut und 1859 in Betrieb genommen. Dieses stieß jedoch besonders am Ende des 2. Weltkrieges an seine Kapazitätsgrenzen. Dazu wurden im Westkrankenhaus (in Teilen der Flakkaserne) und im Ostkrankenhaus (in der ehemaligen Schillerschule in Lechhausen) zusätzliche Betten aufgestellt.

660 Millionen Mark für das Zentralklinikum

1958 fasst der Augsburger Stadtrat den Beschluss zum Bau einer zentralen Krankenhausanlage auf dem Kobelfeld. Das war dann auch die erste große Aufgabe des 1969 von Stadt und Landkreis Augsburg gegründeten Krankenhauszweckverbandes: der Bau des Zentralklinikums mit Platz für 1600 Betten, 24 Kliniken und Instituten, den Ambulanzen, einer Notaufnahme, dem Versorgungs- und Technikbereich sowie der Verwaltung. Am 1. September 1974 wurde mit dem Aushub für das Klinikum begonnen. Bereits am 4. November wurden die ersten Fundamente eingebracht. Bis zum 1. April waren etwa 380000 Kubikmeter Aushub abgetragen worden. Am 1976 gab es einen ersten Tag der offenen Türe und der Bau war im vollen Gange – die Verwaltungsgebäude, die Tiefgarage und die Energiezentrale waren am Entstehen. Der Hebauf fand am 28. April 1977 statt und rund 10000 Besucher nutzten am 30. April und 1. Mai die Gelegenheit zur Besichtigung beim Tag der offenen Türe. Die Jahre 1978 und 1979 waren geprägt durch den Innenausbau. Damit traten die Baumaßnahmen in ihre finale Phase – am 26. November 1979 nahm erst die Wäscherei ihren Betrieb auf, am 2. Januar 1980 die Küche und kurze Zeit später folgte die Apotheke. Am 17. April 1982 bezog die erste Klinik, es war die Dermatologische Klinik, in das neue Zentralklinikum. Offizieller Eröffnungstermin war 19. Mai. Der Umzug aller Abteilungen in das Klinikum wurde im Oktober 1983 abgeschlossen. Die Kinderklinik wurde bereits 1965 feierlich eröffnet. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 660 Millionen Mark.

Mit dem Umzug in das Zentralklinikum wurde das 1859 in Betrieb genommene Hauptkrankenhaus aufgegeben. Am 1. Januar 2000 ging das ZK, wie es jahrelang in der Bevölkerung genannt wurde, in die Rechtsform eines selbstständigen Kommunalunternehmens über. Der Name wurde geändert in Klinikum Augsburg. Der zweite Standort des Klinikums in Haunstetten, das ehemalige Haunstetter Krankenhaus, heißt seitdem Klinikum Haunstetten-Süd.

Von Anfang an als Uniklinik konzipiert

Als drittgrößte Stadt in Bayern und Hauptstadt von Bayerisch-Schwaben war das Klinikum von Anfang an als Universitätsklinikum geplant und gebaut worden. Diese Zielsetzung wurde bereits 1951 vom Augsburger Stadtrat in Auftrag gegeben. Bis der Traum Realität werden sollte, vergingen nach der Fertigstellung 46 Jahre. „Die Uni-Klinik kommt!!!“, so lautete der erlösende Eintrag des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, den er der Stadt Augsburg 2009 ins Goldene Buch schrieb. Ein Meilenstein war die Unterzeichnung des Eckpunktepapiers im Juni 2016 durch den Freistaat Bayern sowie Stadt und Landkreis Augsburg, das die Bedingungen für die Übernahme des Klinikums festlegte. Die einstimmige Empfehlung des Wissenschaftsrates für den Aufbau der Universitätsmedizin in Augsburg im Juli 2016 war ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Universitätsklinikum. Und ein dritter: schließlich der Beschluss des Bayerischen Landtags zur Weiterentwicklung des Klinikums in ein Universitätsklinikum im Herbst 2016.
1. Januar 2019

Zum 1. Januar 2019 wird der Freistaat Bayern das Klinikum Augsburg als sechstes Universitätsklinikum in Bayern übernehmen. Die Medizinische Fakultät der Universität Augsburg wurde am 1. Dezember 2016 gegründet. Forschungsschwerpunkte werden Umweltmedizin und Medizininformatik sein. Die ersten Studierenden des Bachelorstudiengangs Medizinische Informatik werden ihr Studium im Wintersemester 2018 aufnehmen. Die Studenten der Humanmedizin sollen ein Jahr später folgen.
(Quelle Klinikum Augsburg)

Der lange Weg zur Uniklinik

Was 1961 als Uniklinikum geplant und gebaut wurde, wird 2018 endlich wahr. Damit nimmt für die Stadt Augsburg und die politischen, wie auch medizinischen Verantwortlichen ein Jahrzehntelanger Kampf ein positives Ende und Augsburg erhält endlich das, was andere bayerische Regionen und Städte schon längst haben.

Wenn zum Start des Wintersemesters 2018, am 15. Oktober, die ersten Studenten am neuen und dann noch provisorischen Campus am Uniklinikum ihr Studium aufnehmen und Markus Söder vermutlich Ministerpräsident ist, dann hat es nur acht bayerische Ministerpräsidenten gedauert, von der Konzeption bis zur Umsetzung. Unter Hans Erhard, Alfons Goppel, Franz Josef Strauß, Max Streibl, Edmund Stoiber und Günther Beckstein – also sechs verschiedenen CSU-Ministerpräsidenten – hatte Augsburg keine Chance. Erst 47 Jahre nach dem Landtagsbeschluss nahm unter Horst Seehofer der alte Augsburger Traum der Aufwertung von Schwabens einzigem Krankenhaus mit Maximalversorgung zur Universitätsklinik wieder an Fahrt auf.

Ein langer und steiniger Weg

Am 10. Juli 1962 beschloss der Bayerische Landtag in Augsburg eine Medizinische Fakultät zu errichten und erteilte der Staatsregierung den Auftrag: Die Errichtung der Medizinischen Akademie in Augsburg sei umgehend in die Wege zu leiten“. Leider kann umgehend in der Politik schon mal 56 Jahre dauern. Der Beschluss vom 10. Juli 1962 wurde durch die am 12. Juli 1966 beschlossene Errichtung einer Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in Augsburg und einer 2. Medizinischen Fakultät in München kassiert. Dennoch unterzeichneten Augsburgs Oberbürgermeister Wolfgang Pepper und Landrat Dr. Fritz Wiesenthal am 22. Dezember 1969 die Satzung zur Gründung des Krankenhauszweckverbandes Augsburg. Der Freistaat Bayern übernahm 85 Prozent der Kosten für den Bau und die Stadt Augsburg sowie der Landkreis übernahmen die kommunale Trägerschaft. Die kommunale Trägerschaft war neben der am 1. Oktober 1981 beschlossenen Verordnung zur Gliederung der Universität Augsburg, die keine weitere Medizinische Fakultät vorsah, einer der Geburtsfehler des Klinikums Augsburg.

Strukturelle Benachteiligung Augsburgsund Schwabens

Warum erwiesen sich die kommunale Trägerschaft und das Fehlen der Medizinischen Fakultät als so problematisch? Aufgrund der kommunalen Trägerschaft mussten die Stadt Augsburg und der Landkreis für die anfallenden Defizite selbst aufkommen, das waren in den Jahren 1982 bis 2012 immerhin 298 Millionen Euro. Verschärfend kam hinzu, dass aufgrund des fehlenden Status das Klinikum zwar die Aufgaben eines Krankenhauses zur Maximalversorgung leistete, aber in Bezug auf staatliche Fördermittel behandelt wurde wie ein „Großes Kreiskrankenhaus“. Dies wirkte sich ebenfalls negativ auf die Versorgung mit moderner Medizintechnik und infrastrukturelle Maßnahmen aus.

Gerade wenn es um moderne Medizintechnik ging wurde Augsburg benachteiligt und verspottet „Ihr seid nur ein Großes Kreiskrankenhaus und keine Universitätsklinik“, waren oft wiederholte Schmähungen so Max Strehle MdL a.D. Er erinnert sich noch daran, dass beispielsweise 1983 der 1. außeruniversitäre Nierensteinzertrümmerer am Klinikum Augsburg eingerichtet werden sollte. Der damalige Ministerpräsident Franz Josef Strauß setzte sich jedoch über den Beschluss des Landtages hinweg und das Gerät kam nach Harlaching. Erst im April 1987 erfolgte dann eine erneute Genehmigung für Augsburg. Eine weitere fast unendliche Geschichte war die Beschaffung des PET (Positronen-Emissions-Tomographiegerätes). So wurde Augsburg mit dem Verweis auf die fehlende universitäre Forschung jahrelang vertröstet. In München waren zu dieser Zeit bereits sieben PET in Betrieb.

„Die Uni-Klinik kommt!!!“

Am 16. Februar 2009 wurde schlagartig alles anders, als der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer beim Neujahrsempfang der IHK der Stadt Augsburg ins Goldene Buch den erlösenden Satz schrieb: „Die Uniklinik kommt!!!“. Mit gleich drei Ausrufezeichen sprach der Ministerpräsident ein deutliches Machtwort und doch musste er all seine Macht und Autorität in die Waagschale werfen, denn zu groß waren die Widerstände. Als größte Widersacher erwiesen sich die anderen Universitätsstädte, die um ihre Pfründe fürchteten, der damalige Bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) und das hohe strukturelle Defizit des Klinikums. Gestritten wurde dabei um alles – soll Augsburg eine volle Aufwertung zur Universitätsklinik bekommen oder Junior-Partner der Münchner Universitäten bleiben, welche Lehrstühle sollen angesiedelt werden und wie viel Geld wird für die Sanierung und den Aufbau benötigt wird.

Erst sieben Jahre nach dem Eintrag ins Goldene Buch hat die Staatsregierung dem Sanierungskonzept des Krankenhauszweckverbandes Augsburg zugestimmt, und damit den Beschluss „unumkehrbar“ gemacht, so Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU). Bereits im Sommer 2015 waren der Grundsatzbeschluss für eine sechste bayerische Universitätsklinik und die Zustimmung des Wissenschaftsrates vorangegangen. Für 1 Euro wechselt zum 1. Januar 2019 das Klinikum Augsburg den Besitzer und geht in die Trägerschaft des Freistaats Bayern über.

Väter des Erfolgs

Viele haben mitgeholfen: Da sind die schwäbischen Politiker, die wie Max Strehle MdL a.D., seit Jahrzehnten für das Uniklinikum kämpfen und zuhause ganze Ordner voller Anträge, Studien und Korrespondenzen gesammelt haben. Für Strehle, der von 1982 bis 2013 im Bayerischen Landtag saß, war es die Erfüllung der politischen Arbeit. Da sind die aktiven Politiker wie der Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl und Landrat Martin Sailer, die die Gunst der Stunde zu nutzen wussten. Da ist der Münchner Medizinprofessor Klaus Peter, der im Wissenschaftsrat die entscheidenden Weichen auf grün stellte. Ohne das Machtwort und den persönlichen Einsatz des scheidenden Ministerpräsidenten Horst Seehofer, wären all die Träume vom Augsburger Uniklinikum unerfüllt geblieben.

„Die Uniklinik ist schon fast da!!!“

Mit diesen Worten trug sich Finanzminister Markus Söder im August 2016 in Anlehnung an den historischen Eintrag von Horst Seehofer im Goldenen Buch der Stadt ein. Und tatsächlich befindet sich die Universitätsklinik nun auf einer sehr langen Zielgeraden.

Das Klinikum Augsburg soll zum Universitätsklinikum mit Medizinischer Fakultät werden. Das wird „den Wirtschaftsstandort Region Augsburg positiv verändern“, so das Ergebnis einer Studie, die Ende Januar vorgestellt wurde. Es werden Arbeitsplätze im Gesundheitsbereich, im Dienstleistungssektor, der Baubranche und anderen Wirtschaftszweigen entstehen.

„Es ist damit zu rechnen, dass die Wertschöpfung um knapp 400 Millionen jährlich zunehmen wird“, heißt es in der Studie „Wirtschaftsraum Augsburg A³ – Auswirkungen der Entwicklung der Universitätsklinik Augsburg und des Aufbaus der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg“. In Auftrag gegeben hat die Untersuchung der regionale Wirtschaftsbeirat, bestehend aus Vertretern der Stadt Augsburg, der Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg, der Handwerkskammer für Schwaben und der Industrie- und Handelskammer Schwaben.

Heinz Liebert, Stellvertreter des Landrats, Landkreis Augsburg, resümierte: „Bereits jetzt ist das Gesundheitswesen mit rund 20000 Beschäftigten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Wirtschaftsraum Augsburg. Der Wandel des Klinikums Augsburg zu einem Universitätsklinikum bietet der gesamten Region Augsburg erstmals die Möglichkeit, sich sowohl national als auch international als Standort der Gesundheitswirtschaft zu positionieren.“ Dieses Standing würde die Gewinnung von Fachkräften erleichtern und auch die Entscheidung für Neuansiedlungen von Unternehmen aus dem medizinischen Sektor positiv beeinflussen.

Diese Chancen sieht auch Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben: „Die Region profitiert durch einen Zuwachs an hochqualifizierten Arbeitsplätzen.“ Dabei gehe es nicht nur um zusätzliche Beschäftigte im Universitätsklinikum, sondern mindestens genauso um Ansiedlungen im IT- und High Tech-Sektor. Während der Bauphase könne das schwäbische Handwerk mit zusätzlichen Aufträgen rechnen.

Das Plus an Arbeitskräften führe unweigerlich auch zu einer zusätzlichen Wohnungsnachfrage. Eva Weber, Zweite Bürgermeisterin der Stadt Augsburg, verwies auf die „Offensive Wohnraum Augsburg“. Sie sieht die Stadt gut gerüstet.

Beschäftigung könnte um 6.530 Personen zunehmen

Mit dem Ausbau des Klinikums Augsburg und dem Aufbau der Medizinischen Fakultät werde es zu einer steigenden Zahl von Unternehmensgründungen, insbesondere im Hightech-Bereich kommen. Voraussetzung ist aber die Bereitstellung von adäquaten Gewerbeflächen. „Für die Kommunen im Wirtschaftsraum wird es darum gehen, bereits vorhandene Flächen in räumlicher Nähe zur Uniklinik zu entwickeln, sodass sie verkehrlich sehr gut erreichbar sind, eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur aufweisen und attraktiv gestaltet sind“, sagte Landrat Klaus Metzger, Landkreis Aichach-Friedberg.
Insgesamt „könnte die Beschäftigung im Wirtschaftsraum Augsburg um 6.530 Personen und die Wertschöpfung um 399 Millionen Euro zunehmen“, heißt es in der Studie.

Gigantische Zukunftsvision

Bevor die Studenten jedoch ihr Studium antreten können, die 6500 Beschäftigten ihre Arbeit aufnehmen können und die Stadt die Millionen verplanen kann, muss erstmal kräftig investiert werden. Auf 13,5 Hektar entsteht beinahe ein neuer Stadtteil. Kein Wunder, sollen hier doch einmal bis zu 1500 Hochschüler Medizin studieren. Noch ist aber eine politische Hürde zu nehmen. Wer schon einmal vor dem Klinikum gestanden hat, der weiß, welch enorm Ausmaße der Bau im Westen der Stadt aufweist. Das Gebäude schraubt sich grau-gewaltig 16 Stockwerke hoch gen Himmel. Ein kolossaler Klotz zwischen Wiese und Reihenhäusern. Bald wird das Krankenhaus jedoch nicht mehr ganz so einsam über der Landschaft thronen. Die Pläne von Nickl & Partner Architekten AG veranschaulichen, wie die Medizinische Fakultät einmal aussehen könnte. Das eigentliche Klinikum musste man hinter den skizzierten Neubauten erst einmal einen Moment lang suchen.

1500 Studenten auf einer Fläche von 19 Fußballfeldern

Dennoch bleibt es das dominierende Gebäude. Auch wenn in „einem Zeitraum von mehreren Jahren oder Jahrzehnten“, so heißt es in der Beschlussvorlage des Gremiums, einmal der Medizincampus der Universität fertiggestellt ist. Dieser erstreckt sich dafür umso mehr in die Breite, auf 13,5 Hektar Fläche am Klinikum; das entspricht etwa der von 19 Fußballfeldern.

Die Gebäude selbst werden gar noch mehr Platz bieten. 1500 Hochschüler sowie mehrere Hundert Mitarbeiter, darunter rund 100 Professoren, sollen hier in der Endausbaustufe studieren, forschen und arbeiten. Dafür – und um Raum für Technik und Infrastruktur zu schaffen – sind 150.000 Quadratmeter nötig. Das ergab eine Bedarfsbemessung des Instituts für Hochschulentwicklung.

Kantine, KiTa & Sportstätte

Mittelpunkt des gigantischen Vorhabens ist der sogenannte Hauptcampus. Sieben Lehr- und Forschungsgebäude, jeweils bis zu acht Stockwerke hoch, werden um einen zentralen Platz herum errichtet. In Nachbarschaft zu Stadtbergen und Neusäß sollen die Bauten flacher werden. Hier sind drei zwei- bis fünfgeschossige Uni-Einrichtungen vorgesehen. Zwischen ihnen und den Hauptcampus-Gebäuden soll ebenfalls ein offener Platz entstehen. Auch westlich der Tramlinie ist Platz für maximal fünfstöckige Häuser eingeplant.

Freilich werden auf dem Gelände auch Wohnungen entstehen, Kantine und Caféteria eingerichtet, eventuell eine Kindertagesstätte und gar Sportstätten. Dinge, so steht es in der Beschlussvorlage, „die einer Belebung des Campus dienen können“. Zudem ist eine eigene Straßenbahnhaltestelle angedacht. Der Campus selbst soll autofrei bleiben, die Parkplätze rundherum entstehen.

Viel Grün, auch des Artenschutzes wegen

Ausläufer des Patientengartens sollen zudem bestehen bleiben. Auch dadurch wolle man die auf dem Areal „teilweise vorhandenen, natur- und artenschutzrechtlich besonders wertvollen Gehölz- und Grünstrukturen“ in die Pläne einbinden.

Kein Wettbewerb für Leitidee

„Weil die Stadtväter keine Zeit mehr verlieren wollten wurde auf einen architektonischen Ideenwettbewerb verzichtet“, erklärte Baureferent Gerd Merkle nach der entscheidenden Bauausschuss-Sitzung im Herbst 2016 auf Nachfrage des Freie-Wähler-Stadtrats Volker Schafitel. Zumal der Freistaat für Gebäude und Plätze selbst Ideenwettbewerbe ausruft. Auch SPD-Stadtrat Willi Leichtle schlug in dieselbe Kerbe und appellierte an die Stadtratskollegen: „40 Jahre sei er Mitglied im Zweckverband, seither hätten er und seine Mitstreiter für die Uniklinik gekämpft. Ich warne dringend davor, weitere Verzögerungen zu verursachen.“ Zumal der Beschluss des Landtags sowie die Findung eines Dekans damals noch ausstanden. Dies ist mittlerweile geschehen.

Der Freistaat übernimmt, droht nun die Kostenexplosion?

Bei der Generalsanierung des Augsburger Klinikums unter Federführung der Stadt Augsburg und dem Landkreis wurden die prognostizierten Budgetplanungen weitgehend eingehalten. Rund 211 Millionen Euro wurden nach Auskunft des Landratsamtes Augsburg für die ersten vier Bauabschnitte ausgegeben. Die Planungen für die künftigen Bauabschnitte 5 bis 14 sehen laut Stadt und Landkreis Augsburg einen Kostenrahmen von rund 280 Millionen Euro vor. Doch die staatliche Bauverwaltung, die für die zweite Phase der Sanierung zuständig ist, hält diese Kalkulation für viel zu niedrig. Das bestätigten das Wissenschaftsministerium als künftiger Bauherr und das Innenministerium, das auch für die Oberste Baubehörde zuständig ist.

Es droht also eine gewaltige Kostenexplosion, wenn der Freistaat Bayern ab dem 1. Januar 2019 – also nach der Erhebung zur Uniklinik – das bisher kommunale Krankenhaus in staatliche Trägerschaft übernimmt. Statt rund 280 Millionen Euro soll die abschließende Generalsanierung der Bettentürme und des Sockelgebäudes nach Schätzungen der staatlichen Bauverwaltung etwa das Doppelte kosten. Laut Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) geht die staatliche Bauverwaltung „von einer ganz anderen Sanierungstiefe“ aus. Diese Diskrepanz zu den Plänen der Stadt und des Landkreises entstanden, da der Freistaat Bayern in die Planungen bisher nicht einbezogen war.

Stadt Augsburg schließt höhere Beteiligung aus

Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl und der Augsburger Landrat Martin Sailer (beide CSU) betonten, „dass die Region nicht noch einmal viele Millionen drauflegen kann, um das Projekt zu realisieren“. Ministerpräsident Horst Seehofer und sein designierter Nachfolger, Finanzminister Markus Söder, stellten klar, dass an der Uniklinik nicht mehr gerüttelt werde. Innen- und Bauminister Joachim Herrmann (CSU) bestätigt, dass es keine Zweifel am Klinikum gäbe und dass das Projekt konsequent durchgezogen werde.
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