Flüchtlinge zurück im Kobelweg: Zweigstelle des Ankerzentrums eröffnet in Kriegshaber

In das Gebäude im Kobelweg ziehen ab Montag wieder Flüchtlinge ein. (Foto: Laura Türk)

Augsburg - Als einziges Bundesland in Deutschland eröffnet Bayern seit August dieses Jahres die ersten Ankerzentren - so auch in Donauwörth. Bis zu 1000 Asylbewerber können dort untergebracht werden, aktuell leben in dem Gebäude mehr als 800 Menschen. Um die Einrichtung in Donauwörth zu entlasten, eröffnet am Montag in Augsburg eine Zweigstelle des dortigen Ankerzentrums, eine sogenannte "Dependance". Das teilte die Regierung von Schwaben mit. Es sei geplant, das Gebäude im Stadtteil Kriegshaber, Kobelweg 82a, mit rund 140 Flüchtlingen zu belegen. Nach Inningen, wo etwa 30 bis 50 Flüchtlinge untergebracht werden, eröffnet damit in Augsburg die zweite Zweigstelle des Donauwörther Ankerzentrums.

In der ersten Jahreshälfte 2016 diente das Gebäude in Kriegshaber schon einmal als Flüchtlingsunterkunft. Die Regierung hatte das Haus angemietet, nachdem im Jahr 2015 eine große Zahl von Flüchtlingen in Deutschland angekommen war. Als die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge zurück ging, wurde der Standort Ende August 2016 wieder geschlossen. Nach seiner Reaktivierung soll das Gebäude nun zur Unterbringung von Asylbewerbern genutzt werden, die im Ankerzentrum Donauwörth das Asylverfahren im Wesentlichen durchlaufen haben und nur noch auf die Entscheidung über den Asylantrag oder ihre Rückführung warten.

Die Einführung der Ankerzentren ist deutschlandweit nicht unumstritten. Nachdem Bundesinnenminister Horst Seehofer diese im Juli in seinem Masterplan Migration vorgestellt hatte, ist Bayern weiterhin das einzige Bundesland, das Flüchtlinge in den neuen "Zentren für Ankunft, kommunale Verteilung, Entscheidung, und Rückführung" (ANKER) unterbringt. Ziel der Ankerzentren ist es, Asylbewerber, die kein Bleiberecht haben, schneller abzuschieben. Doch auch Bewohner mit Bleibeperspektive werden dort untergebracht. Viele Organisationen kritisieren die Bedingungen in den Unterkünften sowie die fehlenden Bemühungen, die Asylbewerber in Deutschland zu integrieren.

Kritik an den Ankerzentren

Der Augsburger Flüchtlingsrat etwa bezeichnete die Einrichtungen als "Massenlager". Die Situationen in den Zentren seien inhuman: Durch die hohe Präsenz von Sicherheitskräften, die Eingangskontrollen beim Verlassen und Betreten der Einrichtungen, sowie regelmäßige Zimmerdurchsuchungen sei keine Privatsphäre möglich. Außerdem dürfen Kinder aus Familien, bei denen eine schnelle Abwicklung des Verfahrens vorgesehen ist, keine Regelschulen besuchen. Sie erhalten stattdessen reduzierten Unterricht in den Flüchtlingsunterkünften.

Mehr als 20 Familien- und Flüchtlingsverbände wandten sich im Mai mit einem offenen Brief gegen die Pläne für die Ankerzentren. "Ankerzentren sind kein Ort für Kinder und Familien", kritisierte etwa die Hilfsorganisation Save the Children. "Kinder haben besondere Bedürfnisse, die auch im Asylverfahren ernst genommen werden müssen. Die Weichen, die direkt bei der Ankunft gestellt werden, sind essenziell für ein gelungenes Ankommen."

Sicherheitskonzept mit Polizei abgestimmt

Die Regierung beabsichtigt, in der Zweigstelle in Kriegshaber Schutzsuchende aus der Türkei, Gambia und Nigeria unterzubringen - darunter auch Familien mit kleinen Kindern, die nicht der KITA-Pflicht unterliegen. Dabei solle, um das Konfliktpotential so gering wie möglich zu halten, auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Asylbewerbern mit guter und schlechter Bleibeperspektive geachtet werden. Die Betreuung der Bewohner übernehmen Mitarbeiter der Regierung und die Asylsozialberatung des Roten Kreuzes.

Ein besonderes Augenmerk legt die Regierung auf die Nachbarschaft der Unterkunft. Das Sicherheitskonzept sei mit der Polizei, der Stadt Augsburg und den unmittelbar angrenzenden Nachbarn abgesprochen worden. Das Gebäude im Kobelweg wird zukünftig rund um die Uhr von einem Sicherheitsdienst betreut werden, im angrenzenden Gewerbegebiet sollen Streifen eingesetzt werden.

Im August war noch im Gespräch, die Unterkunft in Inningen womöglich nach der Eröffnung der Zweigstelle im Kobelweg wieder zu schließen. Vorerst soll diese aber aufgrund der Zugangsentwicklung in Donauwörth weiter genutzt werden.
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