Gefahr aus dem Abwasser? Untersuchung im Umfeld des Augsburger Klärwerks

Der vermehrte Einsatz von Antibiotika bei Menschen und Tieren fördert die Existenz von Bakterien, die resistent gegen Antibiotikawirkstoffe sind. (Foto: jezper/123rf.com)

Der Anstieg von antibiotikaresistenten Keimen ist ein weltweites Problem. Wie es um die Ausbreitung in der Region bestimmt ist, soll nun im Zuge einer Studie geklärt werden, die im Augsburger Norden und in Gersthofen durchgeführt wird.

In einem Gutachten beschrieb im vergangenen Jahr das Umweltbundesamt die Problematik: Antibiotikawirkstoffe und Resistenzgene gelangen vermehrt in die Umwelt, unter anderem da die Kläranlagen in Deutschland derzeit nicht ausgerüstet sind, die Arzneimittel und Keime komplett herauszufiltern.

Dr. Laura Wengenroth vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität München und ihre Kollegen wollen nun Augsburger und Gersthofer testen, die im Umkreis von 300 Metern um das Augsburger Klärwerk leben. Als Vergleichsgruppe sollen auch Augsburger getestet werden, die mindestens einen Kilometer entfernt wohnen. Im Rahmen der "AWARE-Studie" werden dafür derzeit über 2000 Augsburger und Gersthofer angeschrieben. Insgesamt werden Mitarbeiter und Nachbarn von mehreren kommunalen Kläranlagen in Deutschland, den Niederlanden und Rumänien befragt.

Die antibiotikaresistenten Keime seien bereits in Zu- und Abläufen von Kläranlagen nachgewiesen worden, erklärt Wengenroth. "Bisher unbekannt ist, ob und falls ja, in welchem Ausmaß sich diese auf Kläranlagenmitarbeiter und Anwohner übertragen", sagt die Epidemiologin. Die Forscher möchten nun neben Wasserproben auch Stuhlproben auf antibiotikaresistente Bakterien untersuchen. In dem Schreiben bitten sie die Anwohner, Proben abzugeben.

Zuviel Antibiotika in der Massentierhaltung im Einsatz

"Das Tückische ist, dass Betroffene gar nicht wissen, dass sie betroffen sind, weil antibiotikaresistente Keime nicht unmittelbar zu einer Erkrankung führen müssen, sondern die Betroffenen lange Zeit symptomfrei sein können", erläutert Wengenroth. Kommt es jedoch zu einer Erkrankung, könne ein Behandlungserfolg aufgrund der Resistenz der Erreger erschwert werden. "Die Erkrankung kann länger dauern und schwerer verlaufen. Denn da die krankmachenden Bakterien gegen bestimmte Antibiotika unempfindlich sind, bleiben Medikamente wirkungslos."

Eine Sammelstelle für Antibiotika, antibiotikaresistenten Bakterien und Antibiotikaresistenzgene seien Kläranlagen vor allem, so Wengenroth, weil dort auch Abwässer aus der Landwirtschaft und Krankenhäusern gesammelt werden. Schuld sei die verstärkte Anwendung von Antibiotika bei Menschen und in der Massentierhaltung.

Doch wie hoch ist nun das Übertragungsrisiko für Kläranlagen-Beschäftigte und Anwohner? Das könne man derzeit noch nicht abschätzen, sagt Wengenroth. Die Studie soll genau das jetzt herausfinden. Die Münchner Wissenschaftlerin hofft daher, dass sich möglichst viele Augsburger und Gersthofer beteiligen. (jaf)
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