Geisterjäger gesucht: Theater-Projekt "Exit Ghost" macht die Realität zur Fernsehserie

Die Zwillinge sind besonders böse Geister: Sie haben Dramaturg Lutz Keßler umgebracht. Fotos: Laura Türk
 
Auf der Pressekonferenz zu "Exit Ghost" waren auch Pressevertreter und Intendant André Bücker (rechts) nicht vor Kameras sicher.

 In der düsteren Atmosphäre eines leerstehenden Supermarkts in Oberhausen haben sich die Vertreter der Augsburger Presse versammelt. Vor ihnen gibt Staatstheater-Intendant André Bücker ein Statement ab. Auf keinen Fall stimmten die Gerüchte, dass in der neuen Spielstätte am Gaswerk Geister unterwegs seien, betont Bücker. Auch Schüsse seien bei der dortigen Premiere auf keinen Fall gefallen. Und Dramaturg Lutz Keßler sei nicht getötet worden, nein, ihm ginge es gut.

Die Klappe fällt im ehemaligen Edeka in der Donauwörther Straße, Pressevertreter und Intendant entspannen sich wieder. Unerwartet waren sie an diesem Tag Teil der Filmarbeiten zur Webserie "Exit Ghost" des Performance-Fernseh-Kollektivs irreality.tv geworden. Die Gruppe hat sich in der Supermarkt-Halle eingerichtet, die Produktionsbüro, Veranstaltungsort und Geisterjäger-Treffpunkt ist - zumindest bis zum 6. April. Dort hoffen die vier Mitglieder des Kollektivs, die allesamt aus dem Theater- und Performance-Bereich stammen, auf viele weitere Augsburger, die sich an der Geisterjagd oder auch am Spuken versuchen wollen.

Bereits an Halloween vergangenen Jahres begann die Augsburger Geistergeschichte. Damals wurden Gespenster im alten Verwaltungsgebäude des Staatstheaters gesichtet, erzählt Jörg Thums von irreality.tv. Sie feierten mit einem Ball den Abschied von dem Haus. Circa 40 Teilnehmer waren am 31. Oktober bei den Dreharbeiten dabei, erinnert sich seine Kollegin Esther Pilkington. Sie wurden von den Mitarbeitern des Theaters geschminkt und bekamen Zugang zu den Kostümen, und dann feierten sie den Geisterball. Während dieses Balls "starb" Staatstheater-Dramaturg Lutz Keßler. Während der Pressekonferenz-Dreharbeiten muss er sich deshalb hinter einer Säule verstecken.

"Was sollte in deinem Leben passieren, wenn es eine Fernsehserie wäre?"

Inzwischen wurden Geister wohl auch im alten Stadtbad und im Keller eines Augsburger Wohnhauses gesehen, so Thums. Doch wie die Geschichte weiter geht, das bestimmen nun vorwiegend die freiwilligen Teilnehmer aus der Region. Es existiert kein fertiges Drehbuch, stattdessen orientiert sich der weitere Verlauf daran, "was die Teilnehmer gut können oder schon immer mal machen wollten", erklärt Pilkington. Den Mitwirkenden stellen sie die Frage: "Was sollte in deinem Leben passieren, wenn es eine Fernsehserie wäre?"

Nach diesen Wünschen richten sich dann die Dreharbeiten. Man könne einen Geist, einen Geisterjäger, einen Spuk-Heimgesuchten, oder auch eine ganz neue Rolle spielen, die Hauptrolle einer Folge übernehmen oder nur in einer kurzen Aufnahme erscheinen. "Soapifizierung" nennt die Gruppe diesen Vorgang, sein Leben ein bisschen in eine Fernsehserie zu verwandeln.

Lehrstehender Supermarkt wird zur Geisterjäger-Zentrale

Für diese letzte Augsburger Drehphase, bevor das Projekt für "Staffel Zwei" nach Wien zieht, hat irreality.tv den ehemaligen Edeka-Markt in Oberhausen, Donauwörther Straße 110, als Anlaufstelle für alle Interessierten eingerichtet. "Es ist wichtig, dass wir einen Ort in der Stadt haben, wo die Leute herkommen können", meint Pilkington. Das Produktionsbüro ist bis zum 6. April, außer am 30. März, täglich zwischen 17 und 19 Uhr geöffnet. Auch, wenn man sich noch nicht sicher ist, ob man mitspielen wolle, lohne sich ein Besuch. Wer momentan wenig Zeit hat, kann auch für den Juni einen Termin ausmachen.

Am Samstag, 30. März, 20 Uhr, findet in der großen Halle ein Live-Dreh statt, an dem alle Teilnehmer zusammen eine Szene drehen können. Im Rahmen einer öffentlichen Seance werden Geister beschworen. Auch Besucher, die nur zusehen wollen, sind willkommen. Und am Sonntag, 31. März, findet von 11 bis 16 Uhr am selben Ort ein Workshop für angehende Geisterjäger statt, wo die Teilnehmer von Geisterjägerin Signora C in die Geheimnisse und Tricks der Geisterjagd eingeführt werden.

Fertiggestellt wird die Serie voraussichtlich frühestens im September 2019 sein. Dann wird das Ergebnis aller Drehphasen bei einer Galapremiere im Gaswerk präsentiert. 
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