Kein Kinderspielplatz

Die Gruppenleiter der Augsburger Spiele-Spieler von links: Viktor Klundt (Tabletop), Kirsten Buchanzow (Brettspiele/Facebook/Website), Michael Beutlrock (Pen & Paper Rollenspiel) und Rainer Gräßle (Brettspiele/2. Vorstand).
 
Das Science-Fiction Tabletop-Spiel Infinity wird im Verein aktuell viel gespielt. (Foto: Augsburger SpieleSpieler)
 
Aktuell sehr beliebt ist das Brettspiel „Roll for the Galaxy“.
 
Marco Polo und ...
 
... Neom sind weitere Brettspiele die am Tag der Recherche gespielt wurden.

Bei den Treffen des Vereins Augsburger SpieleSpieler werden Drachen erschlagen, Prinzessinnen gerettet, Weltraumschlachten geschlagen und Welten aufgebaut. Hier hat das gesamte Multiversum an kreativen Spielideen Platz. Gespielt werden Fantasy Rollenspiele, Tabletop-Runden und Brettspiele aller Art.

Die Augsburger SpieleSpieler gibt es bereits seit 1994. Aktuell hat der Verein rund 90 Mitglieder im Alter zwischen 18 und 51 Jahren. Die Idee hinter dem Verein ist, immer eine Spielgruppe zu haben, da es doch schwierig ist für das Hobby rein privat immer Spielgruppen von fünf oder mehr Leuten zusammen zu bekommen. Ein Einzelner kann es sich außerdem nicht leisten immer die aktuellen Spiele von den Messen oder spannende Kickstarter-Sets zu kaufen. „Als SpieleSpieler Verein haben wir die Möglichkeit, regelmäßig neue Spiele gemeinsam auszuprobieren. Das können unterschiedlichste Sachen sein – wie neue Schlachtfelder für verschiedene Tabletop-Spiele, Regelwerke neuer Pen & Paper-Rollenspiele oder eben Brettspiele, “ so Kirsten Buchanzow.

Abseits der wöchentlichen Spielerunden veranstaltet der Verein regelmäßig weitere Events wie Escape Room, Bowling, Lasertag sowie Grillabende und Ausflüge zu den Spielemessen. Dazu kommen noch besondere Events, wie die drei Mal im Jahr stattfindenden Übernachtungsconventions. Einigen ist das noch nicht genug, sie Treffen sich darüber hinaus auch noch zu privaten Spielerunden.

Mensch ärgere Dich nicht... 

… ist als Brettspiel für die SpieleSpieler ein alter Hut, hat aber als Motto für Spieler eine zeitlose Bedeutung. Der Verein verfügt über eine große Auswahl voller Spiele. „Gespielt werden“, laut Vorstand Rainer Gräßle, „vor allem anspruchsvolle und komplexe Spiele, die entweder kooperativ oder im gegeneinander funktionieren. Daher sind die Spiele-Runden auch nicht für Kinder und Jugendliche geeignet.“ Aktuell angesagt ist vor allem „Roll for the Galaxy“. Das Spiel spielt in einer fernen (oder auch nicht so fernen) Zukunft, in der das Leben auf dem Planeten unmöglich wird. Die Spieler müssen nun ihr Würfel-Glück im Weltall suchen und sich eine neue Heimat (Imperium) aufbauen. Besondere Highlights sind die alljährlich stattfindenden Pegasus-Spieltage und die Brettspielturniere.

Während „Roll for the Galaxy“- oder „Ruhm für Rom“-Partien meist relativ schnell wieder vorbei sind, gibt es Spiele, die hochkomplex sind und auch über einen längeren Zeitraum gespielt werden. So wurde beispielsweise das kooperative Brettspiel „Pandemie“ von Matt Leacock als eine Kampagne über mehr als ein Jahr gespielt. Bei Pandemie müssen die Spieler vier auf der Welt ausgebrochene tödliche Seuchen bekämpfen. Dabei übernehmen sie die Rolle eines von fünf Spezialisten: Dispatcher (in der Neuauflage Logistiker), Arzt (in der Neuauflage Sanitäter), Wissenschaftler, Forscherin oder Betriebsexperte. Jeder Experte hat spezielle Fertigkeiten, die der Spieler nutzen muss, um mit den anderen Spielern zusammen das Spielziel zu erreichen. Für die Spieler gibt es nur eine einzige Siegbedingung: Sie gewinnen sofort, wenn es ihnen rechtzeitig gelingt, für alle vier Seuchen ein Heilmittel zu finden. Die Spieler verlieren, wenn es im Spielverlauf zu acht Ausbrüchen von Epidemien kommt oder eine einzelne Seuche sich so stark ausbreitet, dass keine Marker dieser Seuche mehr im Vorrat sind, oder sie keine Spielerkarten mehr ziehen können.

Auch Freunde von Horror oder Fantasy kommen auf ihre Kosten, wenn beispielsweise „Arkham Horror“, „Villen des Wahnsinns“ oder „World of Warcraft“ (als Brettspiel) auf dem Programm stehen. Mehr Fantasy und mehr Gestaltungsspielraum als die Brettspiele, bieten die Pen & Paper-Rollenspielrunden.

Eine Rolle spielen

Wer sich unter dem Begriff Pen & Paper-Rollenspiel nichts vorstellen kann, denkt vielleicht zuerst an Shades of Grey oder an verkleidete und kostümierte Menschen, Orcs oder Elfen. Bei Pen & Paper-Rollenspiel geht es nicht um sexuelle Rollenspiele und es ist auch kein Cosplay oder Larp (Live action roleplay). Die Spieler brauchen auch keine Schwerter, Lasergewehre oder Zauberstäbe mitbringen. Genutzt werden ein Stift (Pen), ein Bogen Papier (Paper) auf dem die Charakterwerte stehen, ein Würfelset und eine gute Vorstellungskraft. Beim Pen & Paper-Rollenspiel (Abkürzung P&P RP) erzählt der Meister (Spielleiter, oftmals auch Gott genannt) eine Geschichte und die Spieler schlüpfen in verschiedene Figuren dieser Geschichte. Eine der bekanntesten Fantasy-Geschichten ist „Herr der Ringe“. Diese Geschichte voller Drachen, Orcs, Elfen, Hobbits, Zwergen, Riesen, Zauberern und Dämonen war der Urvater des bekanntesten P&P RP „Dungeons and Dragons“ (Verliese und Drachen – Abkürzung D&D) von Gary Gygax und Dave Arneson aus dem Jahre 1974. Von diesem Spiel existieren verschiedene Editions, die zum Teil auch heute noch gespielt werden. Die aktuellste Version von D&D ist die 5. Edition. Neben D&D werden im Verein in wechselnden Runden oder parallel nebeneinander auch DSA (Das schwarze Auge), Shadowrun, Steampunk, Dungeonworld, Vampire oder Starfighter gespielt. Die Systeme wechseln, weil immer wieder andere Spieler als Meister die Runden leiten. Zum einen weil eine Geschichte (Kampagne) durchgespielt ist, ein Meister aktuell nicht so viel Zeit zum Vorbereiten hat, oder einfach um mehr Abwechslung reinzubringen.

Aber wie funktioniert dieses P&P RP? Um in der Analogie von Herr der Ringe zu bleiben – ein Bösewicht, in diesem Fall Sauron, bedroht die Welt (Mittelerde) und eine Gruppe von Abenteurern (Die Gefährten) versucht diese zu retten. Wäre Herr der Ringe ein P&P RP würden die Spieler in die Rollen der Gefährten schlüpfen. Ein Spieler wäre beispielsweise der Hobbit Frodo, ein anderer der Zwerg Gimli, wieder ein anderer der Elf Legolas, der nächste würde den Zauberer Gandalf mimen und der letzte wäre dann der Waldläufer Aragorn. Während das Ende des Buches Herr der Ringe schon bekannt ist oder Fantasy PC-Spiele einem bestimmten Geschichtsverlauf folgen, würde bei einem Rollenspiel Herr der Ringe die Geschichte einen ganz anderen Verlauf und somit möglicherweise ein anderes Ende nehmen. Denn die Spieler schlüpfen nicht nur einfach in die Rollen der Figuren und folgen der vorgegebenen Geschichte, sie agieren selbst und schreiben die Geschichte durch ihre Entscheidungen immer wieder neu. Wie wäre Herr der Ringe wohl ausgegangen, wenn Frodo Gollum nicht mitgenommen oder gar getötet hätte oder wenn Gandalf sich in den Minen von Moria nicht selbst geopfert hätte? Neben den Entscheidungen der Spieler, bestimmen die Werte und Fähigkeiten der Charaktere und Würfelglück eine entscheidende Rolle. Ein Würfelpatzer im falschen Moment und ein leerer Metalleimer fliegt in der Mine von Moria lautstark scheppernd durch einen tiefen Brunnenschacht…

Der 24-jährige Michael Beutlrock ist seit etwa sieben Jahren im Verein und leitet aktuell eine der Rollenspielrunden. Ursprünglich kam er aber zum Verein wegen dem Kartenspiel Magic. Später nahm er als Spieler an einer Runde DSA teil und verliebte sich sofort in Pen & Paper-Rollenspiele. Heute leitet er selbst eine Runde D&D 5. Edition und lässt seine Spieler die Welt retten. „Das faszinierende an RP ist, eine aktive Rolle in einer Geschichte zu übernehmen und immer wieder von den Wendungen überrascht zu werden – das gilt für Spielleiter wie Spieler gleichermaßen.“ 

Zum erzählerischen Aspekt des Pen and Paper Rollenspiels kommt noch die taktische Herausforderung in den Kämpfen dazu. Oftmals müssen die Spieler mit ihren Charakteren in Unterzahl gegen größere und stärkere Feinde als Gruppe zusammenarbeiten und ihre Fähigkeiten koordiniert nutzen, um die Kämpfe erfolgreich zu bestreiten und das Böse zu besiegen.

Fantasy-Schach in 3D

In der Literatur kommen immer wieder hochkomplexe Spiele vor die Schach ähneln, aber als viel komplexer dargestellt werden, weil sie auf mehreren Ebenen stattfinden, voller Fallen und tieferer mystischer Bedeutung sind. In Bernhard Hennens „Die Elfen“ kommt ein für Menschen zu komplexes Strategie-Spiel namens „Falrach“ vor. Die Vulkanier im Star Trek Universum schärfen ihren Geist mit Kal-toh. Das bekannteste und von Menschen meistgespielte Tabletop-Spiel ist Warhammer. Warhammer Fantasy Battle (auch Warhammer Fantasy oder kurz WHFB oder WHF) ist ein Tabletop-Spiel der Firma Games Workshop, welches in einer Fantasywelt spielt, die in weiten Teilen an das Europa des Spätmittelalters erinnert, in der Fabelwesen wie Drachen, Zauberer, Elfen, Zwerge leben. Ein wichtiger Bestandteil in Warhammer ist neben den Kampfwerten der Truppen der Einsatz von Magie. Nach der Aufstellung lassen die Spieler ihre Armeen vorrücken und kämpfen um vorteilhafte Geländepositionen oder versuchen den Gegner in die Falle zu locken, um ihn auszulöschen. Klingt einfach, ist jedoch hochkomplex. Da jede Einheit und davon gibt es hunderte, Stärken, Schwächen und Spezialfähigkeiten haben. Und dann gibt es noch den Einsatz von Magie.

Viktor Klundt ist bereits seit 13 Jahren aktiv in der Tabletop-Szene. Wie die meisten anderen Spieler kam er über Warhammer zu dem Genre. Das Hobby Tabletop ist für ihn die Summe aus Figuren sammeln oder basteln und von Hand bemalen, sich mit Gleichgesinnten treffen und die Armeen gegeneinander antreten zu lassen. „Jeder Spieler ist der Feldherr seiner Truppe“, so Klundt. Um an einer solchen Schlacht teilnehmen zu können, brauchen die Spieler das Regelbuch sowie eine ausreichend große Sammlung an Figuren für ihre Armee. Die eigene Armee ist immer eine Kombination aus verschiedenen Einheiten, deren Fähigkeiten sich ergänzen und an das aktuelle Setting angepasst werden. Jedes Volk und jede Einheit hat eine eigene Geschichte und Fähigkeiten – so haben beispielsweise Waldelfen in Waldgebieten Vorteile auf Verteidigung und Angriff. An so einer Schlacht können je nach Setting und System zwischen zwei und 20 Spielern teilnehmen. Dazu werden am Anfang die Siegbedingungen (Szenario) festgelegt. Ein Skyrmisch beispielsweise wird eher auf kleinen Karten gespielt und ist schneller beendet als eine große Schlacht, die schon mal einen ganzen Tag dauern kann.

Bei den SpieleSpielern wird aktuell das relativ neue Cyberpunk Tabletop Infinity, das aus einer Roleplay Fanfiction entstanden ist, genutzt. Die Szenarien spielen oft in Städten und bieten zahlreiche taktische Möglichkeiten wie Höhenvorteil, Deckung oder Sichtschutz. Bei Infinity, das auf einer weit entfernten Welt in der Milchstraße spielt, gibt es zehn spielbare Fraktionen, die große Megakonzerne repräsentieren. Die Einheiten, die stark von Animes angehaucht sind, verwenden Science Ficition-Waffen wie Lasergewehre. Das Spielsystem ist stark auf das Erreichen von Missionszielen – für die es Siegpunkte gibt – ausgelegt.

Mit uns rollen, brettern und simulieren!

Jeden Dienstag findet ab 19.30 Uhr Tabletop, jeden Mittwoch ab 19 Uhr Brettspiele und RPG und jeden zweiten und vierten Sonntag ab 13 Uhr RPG & Brettspiele im Pfarrheim in der Ulmer Straße 195a, 86156 Augsburg, statt! Wer Lust hat selbst einmal Pen & Paper Rollenspiele, Tabletop oder Brettspiele mit einer Gruppe von Gleichgesinnten auszuprobieren, kann einfach mal bei einem der Termine vorbeikommen oder über Facebook (Augsburger SpieleSpieler e.V.) und die Website (www.spielespieler.de) Kontakt aufnehmen. „Jeder über 18 ist herzlich eingeladen einfach mal reinzuschnuppern“, so Kirsten Buchanzow. „Alle Informationen, die Einsteiger brauchen, um bei den verschiedenen Spielen mitmachen zu können, gibt es beim Treffen vor Ort.“
Die „Stadt-Land-Spielt“-Session am 8. September, ab 13 Uhr, ist das Hauptevent des aktuellen Monats. 

Kulturgut Spiel fördern

„Stadt-Land-Spielt!“ ist ein Projekt zur Förderung des Kulturguts Spiel in der Gesellschaft.
Bei „Stadt-Land-Spielt!“ wird jährlich ein ganzes Wochenende in Deutschland und Österreich und in der Schweiz dem Spielen gewidmet. Ob Brettspiel, Kartenspiel oder Würfelspiel – Besucher aller Altersklassen kommen an einer Vielzahl von Standorten in Deutschland und Österreich und in der Schweiz zusammen, um gemeinsam einen spielerischen Tag zu verbringen.

In freundlicher Atmosphäre probieren die Besucher nach Herzenslust und ganz ohne Zeitdruck unterschiedliche Spiele aus – kompetente Spieleerklärer stehen dabei jederzeit unterstützend zur Seite. Von Veranstaltungen mit 40 bis hin zu rund 800 Besuchern kann das analoge Spielvergnügen im deutschsprachigen Raum auf ganz unterschiedliche Weise erlebt werden. Mehr Informationen unter www.stadt-land-spielt.de.
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