Keine Entlastung am Klinikum? - Verdi erklärt Bemühungen der betrieblichen Kommission für gescheitert

Bereits im vergangenen September traten Beschäftigte des Klinikums mehrfach in Streik. Sie forderten von der Klinikumsleitung mehr Pflegekräfte. (Foto: Archiv)

Augsburg - Die Bemühungen am Klinikum Augsburg, mit einer betrieblichen Kommission Entlastung für die Beschäftigten zu erreichen, seien gescheitert. Das teilt die Gewerkschaft Verdi nun mit. Die betriebliche Kommission, die das Ergebnis der Warnstreiks im letzten Herbst war, habe nun ein abschließendes Papier vorgelegt. Neben einigen zu begrüßenden Absichtserklärungen, wie die Ankündigung, Mindestbesetzungsstandards für alle bettenführenden Stationen einführen zu wollen oder auch die Zusage, die Ausbildungsqualität zu verbessern, enthalte das Papier keine verbindlichen Zusagen.

Während einer Beratung der Verdi-Mitglieder im Augsburger Gewerkschaftshaus bewertet Gewerkschaftssekretär Stefan Jagel die Ergebnisse der betrieblichen Kommission als bittere Enttäuschung. "Die Ergebnisse kommen zu recht zur Erkenntnis, dass die Pflegepersonalsituation kritisch zu sehen ist", so Jagel. "Wir begrüßen, dass der Arbeitgeber des Klinikum Augsburg zumindest diese Feststellung nicht mehr in Frage stellt." Wie kritisch die Lage sei, habe die Grippewelle Anfang des Jahres gezeigt, die zu einer äußert bedenklichen Krisensituation am Klinikum geführt habe. "Aber wo sind die Schlussfolgerungen?", fragt Jagel. "Eine qualitativ hochwertige, patienten- und bedarfsgerechte Versorgung kann mit diesem Papier nicht erreicht werden."

Die Beschäftigten und die Gewerkschaft wollen keine Ruhe geben, bis Entlastung am Klinikum Augsburg erreicht und durchgesetzt sei. Der Arbeitgeber müsse den Gesundheitsschutz für die Beschäftigten einhalten, fordert die Gewerkschaft. Die Klinikleitung habe es im Rahmen des betrieblichen Kommissionsprozesses versäumt, Maßnahmen zur Entlastung des Personals einzuleiten. "Bekommen wir keine Entlastung, keine Festlegungen, wie viel Personal vorzuhalten ist, keine Festlegungen für Konsequenzen in Krisensituationen, dann werden wir uns unser Recht tariflich erkämpfen müssen", kündigt Verdi an.

"Zu viele Kollegen kehren unserem Beruf den Rücken. Auch deshalb müssen wir unsere Forderungen nach Entlastung durchsetzen", sagt der Krankenpfleger Benjamin Gampel, der auf einer chirurgischen Station im Klinikum Augsburg arbeitet. Er sei enttäuscht, dass der Arbeitgeber das vergangene halbe Jahr habe verstreichen lassen, ohne auf die Beschäftigten zuzugehen. "Aber ehrlich gesagt hat nach den Erfahrungen der vergangenen Monate damit sowieso niemand mehr ernsthaft gerechnet." Zu lange schon spiele die Klinikleitung auf Zeit und halte Versprechungen nicht ein.

Nach Berechnungen der Gewerkschaft fehlen am Klinikum Augsburg 400 Pflegekräfte, um eine gute und sichere Patientenversorgung sicherstellen zu können - bei rund 2000 Pflegekräften insgesamt. "Von Entlastung ist nichts zu spüren", bilanziert Gampel. "Immer noch geht man jeden Tag nach Hause mit dem Gefühl, die Patienten nicht so versorgt zu haben, wie es richtig wäre." Auch für die Anleitung der Auszubildenden bleibe oft keine Zeit, so Maike Fackler, Auszubildende zur Gesundheits- und Krankenpflegerin am Klinikum Augsburg. "Manchmal kommt die Praxisanleiterin deshalb in ihrer Freizeit, um mit uns Gespräche zu führen und uns etwas zu erklären."

Verdi will dem Klinikum nun mehrere Verhandlungstermine anbieten. Sollten diese zu keinem Ergebnis führen, wolle die Gewerkschaft "weitere Planungen und Maßnahmen anstellen". (pm)
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