Neuer Treffpunkt für Kriegshaber.

Viele Aktive gibt es schon zu Beginn des Projekts. Linke Gruppe rechts Peter Bommas, rechte Gruppe vorne links Ilona Hörmann. Foto Blöchl
 
Laura Schmalbrock und Lukas Bergmann von der Fachakademie für Erzieher wollen sich auch einbringen. Foto Blöchl
Augsburg: bfz gGmbH |

Café Exil im bfz eröffnet.

Kriegshaber ist derzeit der am schnellsten wachsende Stadtteil in Augsburg. Zuzügler in den Neubaugebieten auf den alten Kasernenflächen lassen die Bevölkerung rasant wachen, vor allem auch viele junge Familien mit Kindern kommen dazu. Deshalb ist Kriegshaber auch der „jüngste“ Stadtteil der Stadt. Dazu kommen Flüchtlinge und Arbeitsmigranten, die hier sesshaft werden oder wie im bfz in Ausbildung sind. Diese unterschiedlichen Gruppen zusammenzuführen ist das Hauptanliegen des neuen Angebots im bfz (Berufliches Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft) im Gewerbehof an der Ulmer Straße.
Schon der Name drückt ein wenig den Anspruch aus, der sich mit dem neuen Projekt verbindet. Unter den Nazis befand sich auf dem Gelände eine Rüstungsfabrik mit vielen Zwangsarbeitern im „Zwangsexil“, er soll aber auch daran erinnern dass viele Deutschein dieser Zeit ins Exil gehen mussten. Heute sind es andere, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen und ihr Glück und ihren Frieden in der Fremde suchen.

Ort der Begegnung für alle entsteht durch Eigeninitiative..

Das neue Projekt von bfz mit Ilona Hörmann als dort Verantwortliche und dem Kulturpark West e.V. mit Peter Bommas ist nicht die erste gemeinsame Unternehmung. So wurde miteinander auch der interkulturelle Garten am Reesetheater geschaffen, wo heute 70 Familien und viele Einzelpersonen aus allen Regionen der welt zusammenarbeiten. Auch das neue Projekt soll Alteingesessene, Neubürger, Asylsuchende und Kriegsflüchtlinge zusammenführen, eine Plattform der Begegnung und zum Kennenlernen bieten. Ab dem 1. Februar soll das Café immer Donnerstag von 14 – 18 Uhr geöffnet sein. Dafür wird die wieder belebte Kantine benutzt, in deren Rahmen wird das Café integriert. Wie Bommas bei der Begrüßung betonte, steht jetzt neben der Ausbildung und Hilfe für Migranten die Integration in den Alltag im Vordergrund. Dabei wird der Fokus stark auf der Eigeninitiative der Menschen liegen.

Den potentiellen Besuchern wird dabei nichts Fertiges geboten, sie sollen slbst Gestaltung und Leitung übernehmen. Auch die Möbel inklusive einer kleinen Bühne, mit denen ein Bereich der Kantine eingerichtet werden soll, werden in den hauseigenen Werkstätten unter Anleitung selbst gebaut. „Learning by doing“ ist der Ansatz mit dem ein „dauerhafter, partizipativer Begegnungsort an der Schnittstelle von Flucht, Migration, Asyl und Alltag“ geschaffen werden soll.

Auch wenn es Essen und Trinken geben wird – die Gastronomie steht nicht im Vordergrund des Cafés. Vielmehr sollen Kreativität und gesellschaftliche Diskussionen gefördert werden. dabei soll auch auf die Multiplikatoren im Stadtteil zugegangen werden, die demnächst eingeladen werden um sie für die Mitarbeit zu motivieren. Die erste öffentliche Präsentation des Cafés wird dann bei der Stadtteilrallye sein, die am 17.3.in Kriegshaber stattfinden wird.

Viele Ideen warten auf ihre Realisierung.

Schon bei der offiziellen Eröffnung präsentierten sich einige Personen, die selbst im Rahmen des Projekts aktiv werden wollen. Hans Müller, selbst im bfz in den Werkstätten tätig, wird sich um die Ausgestaltung mit Möbeln kümmern. Der Schulsprecher der im Haus ansässigen Fachakademie für Erzieher Lukas Bergmann und seine Kollegin Laura Schmalbrock wollen mit ihren Mitschülern spezielle Angebote machen. Verschiedene Workshops mit Malerei, Collagen sind genauso geplant wie eine antirassistische Diskussions- und Vortragsreihe. Gespannt darf man auch auf die philosophischen Gespräche für Kinder unf Erwachsene sein, die in Planung sind. Eine Theaterworkshop will das Junge Theater Augsburg anbieten, thematisch sollen dabei vor allem Themen wie Frauen- und Männerbilder, Sexualität und Liebe aufgegriffen werden. Eine kleine Kostprobe dazu von Kathrin Jung und Volker Stöhr war beeindruckend – wie vielfältig wie hier der Satz „ich liebe Dich….“ Interpretiert wurde hätte man sich selbst wohl nicht vorstellen können. Beratungsangebote, Kurse und Kulturprogramme auf der Bühne sollen entstehen. Der Elan und der Mut, die bei der Eröffnung zu spüren waren, lassen optimistisch in die Zukunft blicken. Das erste Jahr wird als Erprobungsphase gesehen, danach sollte der Rahmen gefestigt sein, in dem sich das Projekt bewegt.


Projekt soll sich in Zukunft selbst tragen.

Etwas schwierig zu finden ist der Zugang. Das Café befindet sich in der Kantine „zum Blumentopf“ im ersten Stock des Aufgangs B in der Ulmer Straße 160. Die Initiatoren hoffen, dass trotzdem viele Besucher den Weg finden und so den neuen Stadtteiltreff beleben und bereichern. Geöffnet ist es jeden Donnerstag von 14 – 18 Uhr. Das Café wird zu Beginn vom Bundesinnenministerium gefördert, die Förderdauer beträgt 3 Jahre. Ziel ist es, dass die Initiative sich dann selbst trägt und in Eigenverantwortung und Eigenregie weitergeführt werden kann. Der Anfang ist gemacht, jetzt liegt es an den Menschen selbst, den Rahmen auszufüllen der ihnen zur Verfügung steht. Getreu dem alten Motto:“ Es gibt nichts Gutes außer man tut es!“
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