Notaufnahmen in Augsburg und der Region: "Arbeiten am Anschlag"

"Wer den Notarzt ruft, braucht sofort Hilfe",mahnt Freie-Wähler-Kreisrat Fabian Mehring. Die Notaufnahmen in der Region arbeiten derzeit allerdings am Limit. Foto: David Libossek

Nachdem mehrere Krankenhäuser in der Region vergangene Woche ihre Notaufnahmen dicht machten, war das Klinikum in Augsburg erste Anlaufstelle. Das bedeutete zusätzliche Belastung für die Mitarbeiter, die momentan am Limit arbeiten. Trotz Bereitschaftspraxis und zusätzlicher Behandlungsräume.

Ines Lehmann, Sprecherin des Augsburger Klinikums, muss nicht lange drum herum reden. "Unsere Belegschaft in der Notaufnahme arbeitet derzeit am Anschlag", sagt sie. Die Hochphase der Grippe- und Erkältungszeit hat auch das größte Krankenhaus der Region voll getroffen. Zwischen 250 und 300 Patienten suchen derzeit am Tag die Notaufnahme auf - rund 80 Menschen mehr als im Jahresdurchschnitt. Doch nicht nur die Patienten trifft die Grippe. "Auch Ärzte und Pflegekräfte fallen krank aus", berichtet Lehmann.

Zusätzlich traf das Klinikum vergangene Woche, dass Krankenhäuser in der Region ihre Notaufnahmen nicht mehr anfahren ließen. Die Einrichtungen waren an die Grenzen ihrer Kapazität gestoßen. Betroffen waren die Kliniken in Donauwörth, Nördlingen, Dillingen, Aichach Wertingen und Öttingen. Der Freie-Wähler-Kreisrat Fabian Mehring hat daraufhin einen Brandbrief verfasst und an den Augsburger Landrat Martin Sailer sowie an Oberbürgermeister Kurt Gribl geschickt, beide Mitglieder im Verwaltungsrat des Klinikums. Wer einen Notarzt rufe, schreibt Mehring, "braucht sofort Hilfe und hat keine Zeit, um Reise nach Jerusalem zwischen sämtlichen Notaufnahmen zu spielen."

Trotz Arbeit am Limit könne ein derartiges Szenario in Augsburg ausgeschlossen werden, versichert Lehmann. "Als Maximalversorger dürfen wir unsere Notaufnahme nicht abmelden", lässt sie wissen. Einzig wenn es auf der Intensivstation zu Engpässen kommt, müsse man das der Leitstelle melden.

Immerhin kann Lehmann auch von Faktoren berichten, die die Notaufnahme entlasten. So nimmt die vorgelagerte Praxis der Kassenärztlichen Vereinigung im Jahr 15.000 Patienten ab. Die Allgemeinpraxis wurde 2015 eingerichtet, nachdem Überlastungsanzeigen von 15 Mitarbeitern des Klinikums publik geworden waren. Allerdings ließen sich laut Lehmann noch immer viele Menschen mit gewöhnlichen Erkrankungen lieber umgehend in der Notaufnahme versorgen.

80 000 Patienten werden pro Jahr dort behandelt, das Klinikum hat damit die zweitmeist frequentierte Notaufnahme Deutschlands, nur die Charité in Berlin nimmt mehr Menschen auf. Um den Massen gerecht zu werden, wurden zuletzt zehn zusätzliche Behandlungsräume in einem Übergangsgebäude eingerichtet. Genutzt werden sie nicht. Es fehlt - wie auch auf anderen Stationen - am Pflegepersonal.

Sogar eine "Kopfprämie" hat das Klinikum ausgerufen, um 30 zusätzlich geschaffene Stellen zu besetzen. 2500 Euro winken einem Mitarbeiter, der einen examinierten Pfleger anwirbt, 1000 Euro demjenigen, der den Posten besetzt. Auch Azubis, die nach ihrer Ausbildung am Krankenhaus weitermachen, erhalten eine solche Prämie. Man sei bislang zufrieden mit dem Ergebnis.

Dennoch bleibt derzeit eine "wahnsinnige Herausforderung" für die Belegschaft. Das drückten Mitarbeiter nicht zuletzt damit aus, dass sie sich an den bundesweiten Streiks für mehr Personal und bessere Bedingungen in Pflegeberufen beteiligten.
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