Pferseer Geschichten: Ein Besuch der Jugendfarm in Pfersee - Auf der youfarm die Natur entdecken

Das Hüttendorf auf der youfarm Pfersee bietet Platz für Spiel und Fantasie. Foto: Florian Stöckle
 
Im Niederseilgarten der youfarm Pfersee können Kinder richtig die Seele baumeln lassen. Foto: Florian Stöckle
 
Die Kinder und Jugendliche dürfen auf der youfarm eigenständig anpflanzen und ernten. Foto: Florian Stöckle
 
Auch Tiere können in der youfarm besucht und gepflegt werden, zum Beispiel die Meerschweinchen. Foto: Florian Stöckle

Die Jugendfarm im Augsburger Westen bietet seit Jahren ein pädagogisch betreutes Freizeitangebot, bei dem sich Kinder und Jugendliche kreativ entfalten können. Drei Beteiligte berichten, wie die youfarm entstanden ist und warum es für Stadtkinder so wichtig ist, Natur hautnah zu erleben.

Von Florian Stöckle

Ein grünes Gelände wartet in Pfersee auf neugierige Kinder und Jugendliche, die ihre Freizeit gerne im Freien verbringen. Bereits aus der Ferne kann man das große holzverkleidete Farmhaus erkennen. Jenseits eines Wasserturms und einer weiten Wiese laden das Hüttendorf, ein Tipi-Zelt und der Niederseilgarten zum Verweilen und Spaß haben ein. Von einer Lagerfeuerstelle bis hin zu eigenen Bereichen für Pflanzen und Tiere – das Angebot der Jugendfarm in ist groß – und noch recht neu, wie die Mitarbeiter Frank Helbig und Katharina Dannenbauer berichten. Neben dem Abenteuerspielplatz Hammerschmiede und dem Kinder- und Jugendhaus Lehmbau in Hochzoll ist die youfarm mittlerweile eine von insgesamt drei Jugendfarmen in Augsburg. Rüdiger von Petersdorff, Pädagoge beim Frère-Roger-Kinderzentrum, das die Trägerschaft der youfarm innehat, erklärt, es sei ein langer Weg gewesen, bis die Jugendfarm in der heutigen Form verwirklicht werden konnte. Die Zielsetzung der youfarm war dagegen von Anfang an klar, verdeutlicht Helbig: Es sollte ein Freizeitangebot mit pädagogischer Betreuung geschaffen werden, das für die Bewohner im Westen Augsburgs zu Fuß erreichbar ist und bei dem sich die Kinder frei und kreativ entfalten können.

Die Anfänge der Jugendfarm

Der einstige Startschuss für die youfarm fiel vor knapp 15 Jahren, als im Jugendhilfeausschuss die Idee aufkam, einen Abenteuerspielplatz ähnlich der Hammerschmiede zu errichten, schildert von Petersdorff. Im Jahr 2007 gründete sich deshalb der Förderverein der Jugendfarm im Augsburger Westen e.V., der bis heute neben dem Frère-Roger-Kinderzentrum die treibende Kraft hinter der youfarm darstellt.
Von Petersdorff erzählt, man habe bei der Frage, was denn in so eine Jugendfarm gehöre, früh an Tiere gedacht. Angefangen hat die youfarm aber zunächst mit Gartenarbeit. 2013, erinnert sich Helbig, habe es eine große Aktion gegeben, bei der rund 90 Bäume auf dem Gebiet gepflanzt wurden. Vorher sei alles recht karg gewesen. Die ersten Tiere kamen dann 2015 auf die youfarm, nämlich Meerschweinchen und Kaninchen. Seit nicht ganz so langer Zeit fühlt sich auch die Hauskatze Roberta auf der Jugendfarm Das Farmhaus, in dem neben dem vielseitigen Aktionsraum, eine große Wohnküche, Büroräume für das Youfarmteam und den Förderverein sowie die Räume für eine HPT-Gruppe untergebracht sind, ist im September 2017 bezogen worden. Im Aktionsraum wurde wegen des großen Interesses einzelner Jugendlicher die Möglichkeit geschaffen, Fahrräder zu reparieren. Auch für die Zukunft haben die Verantwortlichen Pläne: So soll in absehbarer Zeit ein neues Stallgebäude errichtet werden. Man denke dabei auch an die Anschaffung neuer Tiere, wie Schafe oder Hühner verrät Helbig.

Naturraum hautnah erfahren

An vier Nachmittagen unter der Woche können Besucher spontan auf die youfarm kommen, genauso wie an manchen Samstagen. Vormittags ist die youfarm für Gruppen reserviert. Darüber hinaus würden auch immer wieder besondere Aktionen angeboten, erklärt Helbig, die sich auch für Schulklassen oder Kindergartengruppen eignen, zum Beispiel, indem Jugendliche sich am Lehmbackofen und der Feuerstelle neben dem Tipi-Zelt ihr eigenes Mittagessen, wie Eintöpfe oder Fladen zubereiten. Auch das Bauen von Insektenhotels gehörte zu den Projekten, die in der Vergangenheit stattfanden.
Helbig, der als Heilerziehungspfleger und Erlebnispädagoge schon seit rund 30 Jahren für das Kinderzentrum arbeitet und seit 2014 die erste Vollzeitstelle der Jugendfarm inne hat, macht deutlich, dass das Angebot der youfarm nicht nur auf Spaß und Erholung abziele, sondern die Förderung und Bildung von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt stehe. „Es geht um sinnvolle Freizeitgestaltung“, betont Helbig und zählt mehrere Beispiele auf, wie Kinder und Jugendliche bei den verschiedenen Aktivitäten neue Fähigkeiten erlernen und soziale Kompetenzen schärfen können. Bei handwerklichem Arbeiten etwa, dem Reparieren eines Mountainbikes, dem eigenen Anpflanzen und Ernten von Obst und Gemüse oder dem Umgang mit Tieren. Bei den Meerschweinchen oder Kaninchen hätten die Kinder auch die Möglichkeit, Tierpaten zu werden, was die Kinder stark in Anspruch nähmen, erklärt der Erlebnispädagoge. Ähnlich werden für den Bereich Pflanzen eigens Kinderbeete zur Verfügung gestellt, die die Kinder pachten dürfen. Dadurch bekämen sie die Chance, Verantwortung zu übernehmen.

Besonders wichtig findet es Helbig jedoch, Kindern ein Erfahrungsfeld für Natur anzubieten und das auch über die Jahreszeiten hinweg. Dazu gehöre eine große Fläche zum Spielen genauso, wie dass die Kinder Löwenzahn entdecken oder sich einfach ins Gras fallen lassen können, um die Wolken zu beobachten. „Es ist wichtig, für Kinder einen Freiraum zu schaffen“, findet der 59-Jährige. Sie sollten selbstständig die Natur erfahren dürfen, auch ohne die Eltern, aber mit einer pädagogischen Betreuung in der Nähe. Denn die wirkliche Natur, in der es noch wilde Ecken gibt und nicht alles platt und schön aufgeräumt ist, kenne ein Großteil der Stadtkinder heutzutage gar nicht mehr, ist er überzeugt.

Für junge Menschen jeden Alters

Helbig schildert, dass die Kinder und Jugendlichen auch bei dem Aufbau der einzelnen Stationen auf dem Gelände mitgeholfen haben. Zum Beispiel wurde das Hüttendorf von Jugendlichen erbaut.

Insgesamt können sich Kinder und Jugendliche aller Altersklassen auf der youfarm wohlfühlen. Während der Bereich Garten und Pflanzen eher den Schwerpunkt für Familien bildet, zieht es die Jüngeren vor allem zu den Meerschweinchen und Kaninchen. „Die Tiere und die Fahrradwerkstatt sind bei den Kindern am beliebtesten“, weiß Dannenbauer, die seit Ende 2015 als zweite Vollzeitangestellte auf der youfarm arbeitet. Die Erzieherin und Fachkraft für tiergestützte Pädagogik ist hauptsächlich für den Tierbereich zuständig.
Insgesamt kommen eher mehr Kinder als Jugendliche auf die youfarm, fasst Helbig zusammen, vom Alter her sei es aber recht durchgemischt. Kindergarten- und Schulklassen melden sich vorher an und belegen dann zum Beispiel den Wasserspielplatz für eine halbe Stunde. Die meisten Kinder kommen direkt aus Pfersee oder den benachbarten Stadtteilen. Oft würden Menschen auch ganz spontan die youfarm besuchen und sich über das Angebot informieren. „Wir haben noch Kapazitäten frei“, deutet Helbig an. „Wir müssen noch ein Stück bekannter werden.“

Neben dem Freizeitprogramm für Kinder und Jugendliche möchte die Jugendfarm auch jungen Erwachsenen bei ihrer Berufsfindung helfen. Neben der Möglichkeit von kurzen Schülerpraktika besteht ein festes Praktikumsprogramm mit der Fachoberschule Neusäß. Auch Studierende der Uni Augsburg können auf der Jugendfarm ein längeres Praktikum im erlebnispädagogischen Bereich absolvieren.

Viele Unterstützer


Die youfarm im Augsburger Westen würde es heute nicht geben, wenn nicht zahlreiche Unterstützer für den reibungslosen Ablauf sorgen würden. Neben dem Frère-Roger-Kinderzentrum als Träger sei es vor allem die Stadt Augsburg, die der youfarm sehr stark unter die Arme greife, macht Helbig deutlich. Das Kinderzentrum ist als größte Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Augsburg unter dem Dach der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg organisiert. Helbig weist aber darauf hin, das heiße nicht, dass die Jugendfarm nicht für alle Kinder offen stehe. „Für mich sind auf der youfarm alle Kinder gleich“, betont er. Neben dem Kinderzentrum und der Stadt ist der Förderverein die dritte tragende Kraft hinter der youfarm, die die Jugendfarm durch das ehrenamtliche Engagement seiner Mitglieder stützt.
Neben den drei großen Verantwortlichen erhält die youfarm auch Unterstützung von weiteren Partnern aus der Region. Mit den anderen beiden Jugendfarmen in Augsburg gebe es öfters Kooperationsveranstaltungen, erläutert Dannenbauer, zusammengehören würden sie aber nicht. Die youfarm wird also auch in Zukunft auf eigenen Beinen stehen müssen.

Lebensqualität für Stadtkinder

Auf die Frage, was die youfarm ihren jungen Besuchern bringe, antwortet Dannenbauer ähnlich wie Helbig ganz klar: „Lebensqualität. Lebensqualität für Städtekinder.“ Davon, wie wichtig es für Stadtkinder ist, Natur erleben zu dürfen, berichtet auch die Mutter Amelie Glaser, die mit ihren Kindern an diesem Tag zum ersten Mal spontan die youfarm besucht. Von dem Angebot habe sie ganz zufällig erfahren, nachdem sie mit dem Fahrrad an der Farm vorbei gefahren sei und dort die Internetadresse auf einem Schild entdeckt habe. Glaser, die selbst auf dem Land aufgewachsen und letztes Jahr nach Stadtbergen gezogen ist, findet es wichtig, dass gerade, wenn Kinder im Wachstum sind, sie auch draußen in der Natur sein können.

Dadurch, dass das benachbarte Kriegshaber der derzeit am größten wachsende Stadtteil Augsburgs ist, wie Helbig erwähnt, wird die youfarm auch in Zukunft ein wichtiger Freizeitanbieter vor Ort sein. Und so werden vielleicht bald noch mehr Kinder und Jugendliche das bunte Angebot der Pferseer Jugendfarm wahrnehmen, die in naher Zukunft auch ein neues Stallgebäude ihr Eigen nennen darf. In der Hoffnung, dass die jungen Besucher, wenn sie in wildem Gras unter den vielen neu gepflanzten Bäumen liegen und in die Wolken starren, wissen, wie sich Natur anfühlt.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.