Streit um Bürgerhausumbau geht weiter.

Kontrahenten - links am Mikrofon Dietmar Egger rechts am Rednerpult Dr. Stefan Kiefer. Foto Blöchl
 
Um diese Fläche hinter dem Bürgerhaus geht der Streit. Foto Blöchl
Augsburg: Bürgerhaus Pfersee | Es konnte wohl nicht anders kommen. Zu verhärtet scheinen die Fronten, zu gering ist wohl auch die Bereitschaft, sich zuzuhören und zumindest die Argumente der jeweils anderen Seite zumindest zu akzeptieren. Auch der Appell des Hausherrn im Herz-Jesu -Gemeindesaal, Pfarrer Götz, zur fairen Diskussion um die beste Lösung fruchteten nur bedingt. Der Informationsabend über den geplanten Umbau des Bürgerhauses zu dem Bürgermeister und Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer geladen hatte, zeitigte keine Kompromissbereitschaft.

Auf der einen Seite steht die Stadt, die mit Hilfe einer Förderung durch den Bund in Höhe von 1.7 Mill. Euro insgesamt Ca: 2,1 Mill. in ein Projekt zum Um- und Erweiterungsbau des in die Jahre gekommenen Bürgerhauses in Pfersee stecken will. Dazu soll das Gebäude, betrieben von der Arbeiterwohlfahrt, barrierefrei umgebaut aber auch erweitert werden. Zusätzlich zum breit gefächerten Programm des Bürgerhauses und dem Angebot vieler Gruppen, die sich im Haus treffen, sollen ein Familienstützpunkt, eine Großtagespflege (für max. 10 Kinder) und die im Stadtzentrum bestehende Erziehungsberatungsstelle in einem Anbau am Standort angesiedelt werden. Notwendig ist dafür die Bebauung einer Grünfläche hinter dem Bürgerhaus, das bisher auch als Freifläche für Veranstaltungen genutzt wurde. Ca. 250 qm des Schlössleparks mit ca. 10 000 qm Fläche würden dafür überbaut. Kiefer und Susanne Puhle vom Jugendamt erläuterten die Planungen und verwiesen auf die Chance, diesen Umbau mit Hilfe der Förderung schnell umsetzen zu können. Der wachsende Stadtteil habe einen Bedarf an zusätzlichen Familienangeboten, durch den Umbau werde aber auch das Raumangebot für das Bürgerhaus und sein Nutzer verbessert. Durch die zentrale Lage und die gute Anbindung an den ÖPNV sei das Bürgerhaus ein idealer Standort für die zusätzlichen Familienangebote. Kiefer verwies auch darauf, dass das Förderprogramm des Bundes 2020 enden würde und dann wegfallen würden. Außer in dem Punkt, dass für das Bürgerhaus ein barrierefreier Zugang unumgänglich ist, gab es aber praktisch keine Einigkeit.


Bürgeraktion und CSU gegen – viele Bürgerinnen und Bürger für den Umbau.

Unverrückbar erscheinen die Positionen in der Diskussion, spürbar gereizt die Stimmung zwischen den Protagonisten. Insbesondere die Bebauung der Grünfläche wird als „Eingriff in den Schlösslepark“ abgelehnt. Aber auch die Notwendigkeit der Ansiedlung neuer Beratungsangebote wurde angezweifelt und neue Standorte wie der Sheridanpark oder die Halle 116 ins Spiel gebracht. Widersprüchlich dabei die Argumentation aus der CSU, die einen Verlust von Stadtgrün beklagte, gleichzeitig aber einen Neubau im Sheridanpark mit einem ungleich größeren Flächenbedarf ins Spiel brachte. Dietmar Egger, der Vorsitzende der Bürgeraktion sprach gar von einer „Mogelpackung“, mit der hier die Stadt versuche ein Projvekt durchzusetzen. Er bezweifelte die Notwendigkeit der Ansiedlung der neuen Familienangebote am Standort des Bürgerhauses und forderte die Prüfung on Alternativen. Auch die Erweiterung des Raumprogramms für das Bürgerhaus sah er skeptisch. Von anderen Vertretern der Bürgeraktion wurde auch das Verfahren kritisiert, sie sahen eine ernsthafte Bürgerbeteiligung nicht gegeben. Die Frage, ob nicht durch Anbauten an das bestehende Gebäude zumindest für das Bürgerhaus ein verbessertes Angebot geschaffen werden könnte beantwortete der ausführende Architekt zurückhaltend negativ.

Klare Befürworter der vorliegenden Planungen waren Nutzer des Hauses und eine Vertreterin des Behindertenbeirates der Stadt. Aber auch aus den Reihen der Bürgeraktion selbst gab es Widerspruch zur geäußerten Position von Dietmar Egger. SPD - Stadträtin Anna Rasehorn, selbst Mitglied der Gruppierung, hielt ein flammendes Plädoyer für die Umsetzung der bestehenden Planungen. Ohne die Nutzung der Förderung sieht sie den Umbau insgesamt zeitlich erheblich verzögert oder nicht zu realisieren. Andere Redner kritisierten den Anspruch der Bürgeraktion für Pfersee zu sprechen. Werner Weishaupt, Geschäftsführer des Trägers Arbeiterwohlfahrt, verwies auf die Bedeutung des Bürgerhauses, dass sein Verband auch finanziell unterstütze. Die Veränderung von Strukturen und Bedarfen erfordern auch neue Planungen. Den Vorwurf, die AWO wolle nur neue Büroflächen wies er vehement zurück.

Anhand des Beifalls war zu spüren, dass die Lager zumindest bei der Versammlung ziemlich gleich verteilt waren. Auffallend zurückhaltend die Stadträte der anderen Parteien. keiner der anwesenden Stadträtinnen und Stadträten der CSU noch der Grünen meldeten sich zu Wort. So endete die Veranstaltung mit der wie immer zu beurteilenden Aussage von Stefan Kiefer: „Entweder jetzt bauen wie geplant oder es bleibt wie es ist!“

Im Nachgang zur Veranstaltung haben sowohl Bürgeraktion als auch die Grünen – Stadtratsfraktion noch einmal Position bezogen. So fordert Egger in der Presseerklärung: „Wir schlagen daher eine moderierte Bürgerwerkstatt vor. So können alle Interessen erörtert und abgewogen werden, um zu einem abgestimmten Gesamtkonzept zu gelangen. Wir verweisen dabei darauf, dass dieses Format in unserem Stadtteil regelmäßig zu überzeugenden Lösungen führte“. Ähnlich argumentieren die Grünen: „Im Grundsatz unterstützt die Fraktion zudem die vorgestellte Idee, das Bürgerhaus mehr in die familienfördernden Maßnahmen des Sozialreferats einzubinden, in Richtung Familienstützpunkt, Familientreff etc. . Allerdings hat die Stadtratsfraktion Bedenken bei der Gebäudegröße und dem damit verbundenen Eingriff in das Grün. Eine Einbeziehung der umliegenden Vereine und Initiativen muss weitergehen“.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.