Veränderungen machen vor Friedhöfen nicht Halt!

Wertvoller Baumbestand und schöne Grünflächen sollen auch für die Bürger des Stadtteils zugänglich gemacht werden. Foto Blöchl
 
Eine Friedhofskatze begleitet uns beim Rundgang v.l. Reiner Erben, Gerold Braun und Helmut Riedl. Foto Blöchl

Nordfriedhof wird modernisiert und umgestaltet – auch Naherholungsgebiet soll ausgewiesen werden. 

Vor der sprichwörtlichen Friedhofsruhe ist nichts zu spüren beim Besuch Auf dem Oberhauser Nordfriedhof. Es wird gearbeitet, Gräber werden gepflegt, in den Bäumen zwitschern bei herrlichem Vorfrühlingswetter die Vögel. Eine Friedhofskatze , laut Verwalter Gerold Braun gibt es 3 davon, räkelt sich in der Sonne. Anlass des Besuches ist der Beschluss des Umweltausschusses des Stadtrates, für den Nordfriedhof ein neues Nutzungskonzept zu entwickeln. Hintergründe dafür sind Veränderungen im Umfeld des Friedhofes – für die anderen städtischen Friedhöfe trifft dies ähnlich zu -, die Beseitigung von Altlasten und die Nutzung nicht mehr benötigter Erweiterungsflächen der Anlage.
Gewohnheiten ändern sich – der Friedhof auch.

Wie Umweltreferent Reiner Erben der Leiter des Friedhofsbereiches bei der Stadt Augsburg; Helmut Riedl, berichten, gibt es in den Anforderungen der Hinterbliebenen nach einem Trauerfall an die Begräbnisse massive Veränderungen. Der frühere Regelfall, die Erdbestattung in einem Sarg wird immer weniger durchgeführt. Urnenbestattungen in verschiedensten Formen haben erheblich zugenommen. Dabei gibt es unterschiedliche Formen, es geht von der Bestattung in Mauernischen auf einem entsprechenden Feld, über die Bestattung in sog. Urnenstelen bis hin zu der Bestattung in bestehenden Erdgräbern. Sogar ein, mit einer künstlerisch gestalteten Stele ausgestattetes anonymes Urnenfeld dient als letzte Ruhestätte für verschiedenen Personengruppen, deren Namen nicht bekannt sind oder die nicht genannt werden wollen. Zusätzlich nimmt auch durch die zunehmende Mobilität und andere Faktoren der Gesellschaft auch die Zahl der Familiengräber ab, auch die Grabnutzung nach der Mindestdauer der Grabpacht von 15 Jahren wird immer kürzer. Es fällt der Friedhofsverwaltung auch immer schwerer, aufgelassene Gräber wieder zu verpachten.
Neue Formen der Bestattung werden angeboten.
Es gibt auch neue, zusätzliche Anforderung an die Friedhofsverwaltung. Durch Migration und Flucht kamen und kommen große Bevölkerungsgruppen in die Stadt, deren Trauer- und Begräbniskultur anders ist als unsere. Integration heißt hier auch, diesen Manschen zu ermöglichen, ihre Angehörigen in würdiger Form zu bestatten. Konkret soll auf dem Nordfriedhof ein Bereich für die Jesiden, eine christliche Volksgruppe vor allem aus dem Irak, eingerichtet werden. Man kann sich auch vorstellen, für Muslime einen eigenen Begräbnisbereich zu errichten.

Neben der rückläufigen Form der Erdbestattung sind heute auch viele neue Formen der letzten Ruhe gewünscht. Dem wollen auch die städtischen Friedhöfe Rechnung tragen. Gemeinsame Urnengrabanlagen sollen eingerichtet werden, es ist daran gedacht auch Bestattungen unter Bäumen zu ermöglichen. Der wertvolle Baumbestand bietet sich dafür an. Auch Gemeinschaftsgrabanlagen, die gemeinsam gestaltet und gepflegt werden sind in den Überlegungen vorhanden.

Aufgrund der Veränderungen die bereits erfolgt oder absehbar sind, ist man im Stadtrat und auch in der Verwaltung zur Einschätzung gelangt, dass die bisher für die Erweiterung des Friedhofs vorgesehenen Flächen im vorhandenen Umfang nicht mehr gebraucht und einer anderen Nutzung zugeführt werden können.

Naherholungsgebiet für Oberhausen soll entstehen.


Die zeitweise angedachte Variante, auf dem Gelände Kleingärten einzurichten wird mit dem Beschluss endgültig nicht weiter verfolgt. Aufgrund von Gutachten wird das gelände aufgrund der ungünstigen Lichtsituation („Verschattung“) als nicht geeignet erachtet. Trotzdem soll das Ziel, im Augsburger Norden neue Kleingärten zu erreichten weiter erfolgt werden und dafür andere Flächen gefunden werden. 

Im Norden schließt an den Friedhof eine ausgleichsfläche des Güterverteilzentrums (GVZ) an, das als Biotopfläche ausgewiesen und genutzt wird. Durch die Umwidmung soll dazu eine Verbindung zu diesem Erholungsgebiet geschaffen werden und dann auch in entsprechender Form zugänglich gemacht werden. „Wir werden aber darauf achten, dass die Würde des Freidhos gewahrt wird!“ betont Erben beim Gespräch. So soll der Zugang weiterhin über den Friedhof erfolgen, eine komplette Öffnung ist nicht vorgesehen. Für Oberhausen wäre dies ein wichtiger Schritt zu einer Verbesserung der Lebensqualität. In Beschluss heißt es dazu:“Für den Stadtteil Oberhausen, der insgesamt nur einen geringen Anteil an hochwertigen Grünflächen aufweist, werden dringend notwendige Grünstrukturen erhalten bzw. beu geschaffen“.

Renovierung und Altlastenbeseitigung stehen auf der Tagesordnung.

Auch derzeit nicht besonders ansprechend gestaltete Bereiche des Friedhofs sollen neu geplant und modernisiert werden. Dazu gehören die Urnenwand und das anonyme Grabfeld, die derzeit nicht unbedingt den Ansprüchen einer würdevollen Umgebung entsprechen.

Eine besondere Altlast gibt es im nördlichen Friedhofsbereich. In früheren jahren wurde dort Abfall in einer Form gelagert, die heutigen Anforderungen nicht mehr entspricht. Auf einer großen Fläche waren und sind dort die Friedhofsabfälle verteilt. Sie werden nach und nach den heutigen Bedingungen entsprechend aufgearbeitet und den Vorschriften entsprechend recycelt oder in Graberde kompostiert. Damit hat man bereits begonnen, nach Auflösung soll eine sauberere und ansprechendere Containerlösung eingerichtet werden.
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Erika Buschdorf aus Neusäß | 21.01.2018 | 11:02  
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