Viel Aufwand für das erste Stadtteilgespräch in Kriegshaber

 
Gut besetzt war die Aula in der Grundschule in Kriegshaber. Foto Blöchl
Sehr gut organisiert, sehr professionell – die Stadtverwaltung hatte das erste Stadtteilgespräch in der Grundschule in Kriegshaber gut vorbereitet. Der OB mit seiner gesamten Referentenriege und eine große Zahl städtischer Beschäftigte waren gekommen, um sich den Fragen der zahlreichen Besucherinnen und Besucher zu stellen. Die Aula der modernisierten Schule war gut gefüllt, ca. 400 Menschen bevölkerten den Raum. Auch zahlreiche Stadträte und Vereinsvertreter auch aus anderen Stadtteilen waren ebenfalls gekommen. Manche waren nur neugierig, wie denn das 1. Stadtteilgespräch in diesem Jahr ablaufen würde, sich sozusagen ein wenig warmlaufen für das Gespräch im eigenen Stadtteil.

Neue Formen kommen gut an.

Im Gegensatz zu früheren ähnlichen Veranstaltungen begann dieses Gespräch nicht mit einem längeren Referat des Oberbürgermeisters. Stattdessen standen die Referenten zwanglos an Stehtischen den Interessierten für Fragen zur Verfügung. Natürlich konnte nur ein kleiner Teil zu „ihrem“ Referenten vordringen. Auch wenn man es gewollt hätte, diese Gespräche zu verfolgen war nicht möglich. Allein aus dem Verhalten, der Dynamik oder auch den Reaktionen konnte man erahnen, wie intensiv das jeweilige Gespräch ablief. Am meisten gefragt war nach dem Oberbürgermeister eindeutig der Baureferent Gerd Merkle, eine Konstellation, die sich auch später im Plenumsteil fortsetzen sollte. Viele fanden es sehr ansprechend, hier einmal die Gelegenheit zu haben „im direkten Gespräch Fragen zu klären oder zumindest loszuwerden!“ wie eine Besucherin anmerkte. Eifrig notierte die Stadtspitze die Fragen und Ideen, versprochen wurde, dass alle Fragen möglichst zeitnah abgearbeitet und beantwortet werden würden. Nach knapp einer Stunde ging es ins Plenum

Kriegshaber wächst und wächst und wächst…

In seinem Einführungsstatement skizzierte OB Gribl die Dynamik der Entwicklung des Stadtteils. Bebauung der Koversionsflächen, die neue Uniklinik und andere Entwicklungen ließen und lassen Kriegshaber dynamisch wachsen. Von 14 500 Einwohnern vor 10 Jahren wird die Bevölkerungszahl bis 2021 auf über 20 000 anwachsen. Der Aufbau der neuen Uniklinik wird zusätzliche Anforderungen bringen. Diese Entwicklung ist verbunden mit einer regen Bautätigkeit; bringt aber auch neue Herausforderung an Wohnungs- Verkehrs- und Umweltpolitik, an deren Lebensbereichen mit sich. So ist Kriegshaber auch der Stadtteil mit der jüngsten Bevölkerung, die Auswirkungen spüren Schulen und Kindereinrichtungen. Hier wird die Stadt reagieren, OB Gribl brachte dazu ein neues Programm für die Schulen der Stadt in Höhe von 400 Mill. Euro ins Gespräch, das als Nachfolge für das derzeit abzuarbeitende 300 Mill. Programm entwickelt werden müsste.

Das Augsburger Phänomen – Verkehr und Bauen dominieren.

In der Diskussion mit dem Publikum fokussierte sich viele Fragen sehr schnell auf die Probleme mit Bauen und Verkehr. Das zeigte schon allein, dass Baureferent Gerd Merkle fast den ganzen Abend auf dem Podium verbrachte, andere Referenten gar nicht oder nur ganz wenig gefragt waren. Und es gab sogar Lob – selten bei derartigen Veranstaltungen. Der Um- und Neubau der Grundschule – eine Investition von über 7 Millionen Euro - wurde explizit gelobt, der Wermutstropfen der noch fehlenden Turnhalle ausgenommen. Themen wie parkende Lkw’s in Wohngebieten, verkehrsrechtliche Regelungen, Linie 5, der Straßenzustand vieler Straßen oder auch das ungenügende Fahrradnetz wurden moniert. Dafür ad hoc Lösungen anzubieten wurde vermieden, den Fragestellern aber die Untersuchung ihrer Probleme zugesagt.Recht anschaulich wurden die Probleme von Kommunalpolitik, Entscheidungen zu treffen die allen gefallen beim Thema Hunde. Eine Abstimmung über ein Hundeverbot in manchen Parks oder Teilen davon endete – natürlich unentschieden!

Konkreter wurde auch die bisher nur als Idee bestehende Bebauung der sogenannten Weltwiese hinterfragt. Hier wurde darauf verwiesen, dass es zuerst eine Ideenwerkstatt mit Interessierten aus dem Stadtteil geben würde, um Vorschläge für eine zum Stadtteil passenden Nutzung zu erarbeiten. Mehrmals gefordert wurde auch ein zentraler Stadtteilplatz für Feste, Veranstaltungen und  Begegnungen, um die Integration im Stadtteil zu fördern. Hier konnte der Chef der städtischen Wohnbaugruppe (WBG) Dominik Hoppe, Hoffnung machen, dass im Rahmen der Bebauung des Reese Parks ein derartiger Platz vorgesehen sei. Die Schaffung er Grünverbindung über die Achermannstraße wurde genauso angemahnt wie die mangelnde Sauberkeit von Parks und Grünanlagen. Insbesondere der Osterfeldpark wurde als Soziales und auch Sicherheitsproblem genannt, Abhilfe wurde zugesagt.

Im Gegensatz zu manchen anderen Bürgergesprächen blieb die Form weitgehend sachlich und konstruktiv. Es war zu spüren, dass den anwesenden Menschen – mehrheitlich wohl Alt – Kriegshaberer – eher die kleineren  Probleme des Alltags und vor der eigenen Haustüre interessierten als die großen Entwicklungslinien. Ob das den Aufwand, den die Stadt hier betreibt, um mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen, rechtfertigt? Ein Besucher, der leider namentlich nicht genannt werden möchte meinte dazu: „Um unsere Probleme würden uns manche beneiden, wenn sie davon wüssten!“
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