Vorwurf gegen Klinikum: Schlaganfall nicht erkannt?

Eine junge Frau erhebt Vorwürfe gegen ihre Behandlung im Augsburger Klinikum. (Foto: Archiv)

 Eine 27-jährige Mutter kam vor rund zwei Monaten mit Schwindel und Erbrechen in die Notaufnahme des Augsburger Zentralklinikums. Dort diagnostizierte man eine Migräne. Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte die Frau jedoch einen Schlaganfall erlitten. Die 27-Jährige wirft dem Krankenhaus nun vor, mit ihrem Leben gespielt zu haben. Das Klinikum weist die Vorwürfe der jungen Mutter vehement zurück. Es gebe keinen Anhaltspunkt für Versäumnisse.

Die 27-Jährige litt, einem Bericht der Augsburger Allgemeinen zufolge, eines Morgens an starken Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Als die Beschwerden schlimmer wurden, sie kaum noch laufen konnte und sich übergeben musste, sei sie zunächst in die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, schließlich in die Notaufnahme des Klinikums gekommen. Dort habe man sie zwei Stunden lang warten lassen, bis sie von einer Neurologin untersucht wurde. Diese diagnostizierte eine Migräne. Bis 23 Uhr sei sie im Krankenhaus gelegen. Dann habe man sie gefragt, ob es ihr besser gehe. Als sie gesagt habe, die Beschwerden seien etwas besser, habe man sie nach Hause geschickt.

Zwei Tage später kommt die 27-jährige Altenpflegerin erneut ins Klinikum. Ihr Zustand sei nicht besser geworden, sie habe ihren zehn Monate alten Sohn nicht mehr versorgen können, schließlich habe sie ihren Arm nicht mehr richtig bewegen können. Im Krankenhaus habe sie, nach eigenen Angaben, erneut vier Stunden warten müssen, bis eine Magnetresonanztomographie (MRT) gemacht wurde. Es ergab, dass die junge Frau einen Schlaganfall im Kleinhirn erlitten hatte. Daraufhin sei sie für zwei Wochen im Klinikum beobachtet und untersucht worden. Schließlich hätten die Ärzte noch ein angeborenes Loch in ihrem Herzen entdeckt.

Ein Neurologe, den sie nach ihrem Krankenhausaufenthalt aufgesucht habe, maß ihre Hirnströme und stellte fest, dass sie mehrere Hirninfarkte erlitten und Glück im Unglück gehabt habe. Die 27-Jährige sei entsetzt über ihre Behandlung im Klinikum und will nun einen Anwalt einschalten.

Das Klinikum selbst sieht die Geschichte anders: "Die Patientin wurde in der Notaufnahme entsprechend ihrer Beschwerden Übelkeit und Erbrechen zeitnah untersucht und fachgerecht behandelt", so das Krankenhaus auf Nachfrage. "Anhaltspunkte für ein Versäumnis liegen nicht vor." Die neurologischen Untersuchungen hätten keine Auffälligkeiten ergeben. Die Patientin sei zur Überwachung auf die Aufnahmestation verlegt worden. Die durchgeführten Laborkontrollen und weiteren neurologischen Untersuchungen seien unauffällig geblieben. Die Patientin habe gegen 23.40 Uhr berichtet, sie sei beschwerdefrei und habe Fragen nach Kopfschmerz und Schwindel verneint. Das Angebot, auf der Station zu verbleiben, habe sie abgelehnt und sei auf eigenen Wunsch entlassen worden.

"Die Ausführungen zeigen, dass die Versorgung sehr engmaschig über einen längeren Zeitraum erfolgte und die Patientin bis zur Entlassung kontinuierlich auf der Aufnahmestation überwacht wurde. Die Diagnostik war völlig regelhaft und nicht atypisch. Die Behandlung erfolgte ganz nach den Leitlinien", so das Krankenhaus weiter.

Die junge Frau habe vor allem mit der Feinmotorik immer noch Probleme. Zur Zeit sei sie in ambulanter Reha.
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