Wenn eine überdimensionale Karotte zum Lehrer wird

Ernährungs-Maskottchen wie Hotte Karotte, Heidi Himbeere, Elsa Eiweiß und Kalle Kartoffel erklären, was in den Lebensmitteln steckt und welche Nährstoffe der Körper braucht, um gesund zu bleiben. (Foto: BayWa Stiftung)
 
Gesunde Ernährung mit Hotte Karotte: Die Kinder der Löweneck Schule bereiteten ein Buffet mit viel Obst und Gemüse zu. Foto: BayWa Stiftung

Vier Grundschüler sitzen an einem Tisch in der Augsburger Löweneck Schule und füllen eifrig Arbeitsblätter aus – neben ihnen eine überdimensionale Plüsch-Karotte. Ein eher ungewöhnliches Szenario an einem Montagmorgen. Doch es ist kein normaler Unterricht und die riesige Möhre ist kein Produkt einer missglückten Genmanipulation. Das Maskottchen unterstützt die BayWa-Stiftung, die den Schülern nun ihren Ernährungskompass vorgestellt hat.



„Unser Ziel ist es, den Kindern spielerisch eine gesündere Ernährung beizubringen“, erklärt Maria Thon, Geschäftsführerin der BayWa Stiftung. Schon seit 2013 will die BayWa mit dem Projekt „Gemüse pflanzen – Gesundheit ernten“ Schulen dabei unterstützen, ihren Schülern eine gewissenhafte Ernährung nahezubringen. So stiftete sie bereits 120 Schulgärten, in denen die Kinder Gemüse selber anbauen, nach der Ernte damit kochen und das Endprodukt gemeinsam essen.

Im Jahr 2017 gab die Stiftung eine Wirkungsmessung an der Technischen Universität München in Auftrag. Dieser zufolge essen 22 Prozent der Schüler, die am Projekt teilgenommen haben, Gemüsesorten, die sie vorher nicht kannten oder mochten, 27 Prozent haben während des Projekts neue Sorten probiert.

Nun ist als letztes Glied der Kette der sogenannte Ernährungskompass entstanden, der kindgerecht die Inhaltstoffe der Lebensmittel erklärt. „Ernährungshelden“ wie Hotte Karotte, Kalle Kartoffel oder Heidi Himbeere sollen helfen, den Zusammenhang zwischen Essen und Gesundheit zu verstehen.

Ausschlaggebend für die Entstehung des Ernährungskompasses war, laut Maria Thon, der beunruhigend große Anstieg an übergewichtigen Kindern. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts habe sich die Zahl der übergewichtigen Kinder in den vergangenen 30 Jahren um 50 Prozent erhöht, die Zahl der Kinder mit Adipositas sogar verdoppelt. Zudem würden nur zwölf Prozent der Mädchen und neun Prozent der Jungen die empfohlene Menge an Obst und Gemüse essen. Nur ein Drittel der Sechs- bis 14-Jährigen frühstückten vor Schulbeginn. Ein Pausenbrot habe nur gut die Hälfte der Schüler dabei.

Auf die Frage nach dem Erfolg des Projekts antwortet Thon: „Wir sind sehr zufrieden, doch gibt es für uns noch sehr viel zu tun.“ Sie erhofft sich auch für den Ernährungskompass einen ähnlichen Erfolg: „Wir haben den Kompass aus der Sicht der Kinder entworfen“, erklärt sie die Begeisterung der Kinder der Löweneck-Schule. Die Geschäftsführerin der BayWa Stiftung sieht außerdem die Schulen in der Pflicht, da es kaum gesunde Pausenangebote gäbe, und daher immer mehr Schüler auf billiges Fast Food und Süßigkeiten zurückgreifen würden.

Als Ziel hat sie sich gesetzt, Kindern und Jugendlichen mit Spiel und Spaß eine gesündere Ernährung nahezulegen, aber auch die Eltern zu Hause mit einzubinden. Hierfür habe die BayWa Stiftung eine App entwickelt, in der Eltern beispielsweise Rezepte und Bewegungsspiele finden können, um ihrerseits ihren Teil zu der Ernährungsumstellung beizutragen. Doch reagierten nicht alle Eltern so kooperativ. „Wir bekommen viele positive Rückmeldungen, aber in manchen Familien ist es eher schwierig“, sagt Thon. Denn manche Eltern seien skeptisch – oft glaubten sie entweder nicht an den Erfolg des Projekts, oder sähen sich in ihren Privatangelegenheiten gestört. Die Mehrheit der Eltern zeige sich aber wertschätzend.

Der Ernährungskompass besteht aus einem kindgerechten Buch, einem Spiel und mehreren Aufgabenblättern, um das Gelernte zu vertiefen. Der Kompass kann von den Klassenleitern bestellt werden. Er wird in die Klasse geliefert und darf an der Schule bleiben.

Hotte Karotte wurde übrigens am Ende doch noch enttarnt – die Kinder erkannten den jungen Mann im Maskottchen-Kostüm – was für zusätzlichen Spaß im Klassenzimmer sorgte.
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.