Alltag in einer Anker-Dependance

Gemeinsam Backen und Kochen ist bei den Bewohnern der Unterkunft sehr beliebt. (Foto: Privat)
 
Herr Hilgers (Vertreter der Regierung von Schwaben) und Silvia Norzinski (Malteser) kümmern sich um die Belange der Flüchtlinge, die in der Anker-Dependance in Kriegshaber untergebracht sind.
 
Mit fünf bis sechs Personen sind die Zimmer in der Flüchtlingseinrichtung im Kobelweg in der Regel belegt. (Foto: Regierung von Schwaben)

Im Auftrag der Regierung von Schwaben koordinieren Silvia Norzinski und Pervin Öz von den Malteser Werken die Arbeit der Ehrenamtlichen und erleichtern so den Menschen in der Anker-Dependance das Warten auf den Asylbescheid oder die Rückführung.

In der Anker-Dependance in Kriegshaber leben bis zu 140 Menschen aus Gambia, Nigeria und der Türkei auf engstem Raum zusammen. Sie wurden nach ihrer Registrierung im Ankerzentrum in Donauwörth nach Augsburg überwiesen. Alleinreisende junge Männer, Frauen und Familien mit Kindern, die den gemeinsamen Wunsch haben in Deutschland zu bleiben, warten auf ihren Asylbescheid oder die Rückführung. Damit sich Frust, Langeweile und Perspektivlosigkeit kein gewaltsames Ventil suchen, haben die Malteser Werke im Januar 2019 im Auftrag der Regierung von Schwaben die Ehrenamtskoordination vor Ort übernommen.

Silvia Norzinski und Pervin Öz koordinieren in den Dependancen in Kriegshaber und Inningen die Zusammenarbeit zwischen den Behörden, freiwillig ehrenamtlichen Helfern und verschiedenen Hilfsorganisationen mit dem Ziel den Alltag für die Bewohner in den Dependancen zu erleichtern. Seitdem wurden die täglichen Angebote für die Asylsuchenden beständig ausgeweitet.

Zuerst einmal muss festgestellt werden, dass die Ankerzentren und die Dependancen keine Gefängnisse sind. Für die Bewohner gibt es zwar eine Residenzpflicht und sie brauchen eine Erlaubnis wenn sie den Landkreis verlassen wollen, aber es besteht keine Aufenthaltspflicht in der Unterkunft. Es gibt innerhalb der Einrichtung natürlich verschiedene Regeln die eingehalten werden müssen, so sind beispielsweise Alkohol, Waffen (auch Messer) und Drogen verboten. Der Sicherheitsdienst vor Ort kontrolliert die Einhaltung der Regeln und setzt in vielen Fällen Mitarbeiter ein, die demselben Kulturkreis wie die Bewohner entstammen und deren Sprache sprechen. Auch bei Personen deren Asylantrag abgelehnt wurde und die auf ihre Abschiebung warten gibt es keine Ausgangssperre. Sollten diese untertauchen, werden sie zur Fahndung ausgeschrieben.

Die Unterbringung

Je nach Belegungsquote sind die Zimmer in der Anker-Dependance mit fünf bis sechs Personen belegt. Dabei kommt es im Alltag freilich immer wieder zu Schwierigkeiten, wenn beispielsweise Familien mit Kindern im gleichen Zimmer wohnen wie jemand, der gerade für den Deutschkurs lernt. Oder ein junger Mann nachts Musik hört und das Licht anlässt, während derjenige, der am nächsten Tag zum Kurs muss, schlafen möchte.

Um Probleme dieser Art so gut es geht zu vermeiden, wird bei der Verteilung der Asylsuchenden auf die verschiedenen Einrichtungen auf religiöse, kulturelle oder altersbedingte Unterschiede Rücksicht genommen. Die Zimmer selbst sind mit drei Stockbetten, einem Spind für jeden sowie einem kleinen Tisch mit einem Stuhl ausgestattet. Es gibt auf den Zimmern weder Sanitäranlagen noch Kochnischen und keinen Raum für Privatsphäre.

Der Alltag

Ein geregelter und fester Tagesablauf wird von Seiten des Staates nicht vorgeschrieben. Die Regierung von Schwaben stellt Unterkunft und Mahlzeiten zur Verfügung. Die Bewohner erhalten monatlich ein Taschengeld von 90 Euro, ansonsten gibt es nur Sachleistungen. Dazu zählt beispielsweise ein Hygiene-Paket mit Duschgel, Rasierschaum, Deo sowie Zahnpasta und –bürste. Damit sind die Bewohner, die keiner Arbeit nachgehen dürfen, abgesehen von Behördenterminen, sich selbst überlassen. Die Teilnahme an Orientierungs- oder Deutschkursen, Weiterbildungsmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten ist freiwillig.

Hier setzt die Arbeit der Malteser Werke an. Bei Dipl. Betriebswirtin Silvia Norzinski als Projektleitung der Ehrenamtskoordination und Förderintegrationsmaßnahmen der Anker-Dependancen in Augsburg und ihrer Kollegin Pervin Öz (Ehrenamtskoordination Ankerzentrum Donauwörth und Dependancen) laufen die Fäden der verschiedenen Förder-, Beratungs- und Freizeitangebote zusammen.

Vielfältige Angebote

Als Norzinski und Öz Anfang Februar die Arbeit aufgenommen haben, standen der Aufbau und die Entwicklung eines ehrenamtlichen Helferteams vor Ort im Vordergrund. Dazu wurden Kooperationen mit örtlichen Verbänden, Institutionen und Helferkreisen errichtet. Damit sollten lokale Kräfte vor Ort eingebunden und die Akzeptanz erhöht werden. So sollte eine nachhaltige und weitgehend selbstständige und zielgruppenorientierte Betreuung der Geflüchteten durch Ehrenamtliche erreicht werden.

Die Ehrenamtskoordinatoren setzen durch das Anbieten von sozialen Aktivitäten, Weiterbildungen und gemeinnützigen Arbeitsgelegenheiten Impulse zur Schaffung einer geregelten Tagesstruktur. Die Malteser Werke fungieren vor allem als Schnittstelle zwischen der Regierung von Schwaben als Hausherr, den Bewohnern und den Ehrenamtlichen, beziehungsweise anderen Institutionen.

Seit Anfang Februar wurde so ein umfangreiches Angebot für eine strukturierte Woche geschaffen: Von Montag bis Freitag wird durch den Kooperationspartner BFZ von 8.45 bis 12.45 Uhr ein sogenannter Reintegrationskurs angeboten. in den Modulen wie beispielsweise Erste Hilfe, Sprachen speziell für den Tourismus, Solartechnik, EDV und Marketing lernen die Geflüchteten Fähigkeiten, die ihnen in der Heimat weiterhelfen sollen. Dienstag bis Donnerstag gibt es von 10 bis 12 Uhr eine Betreuung und Spielmöglichkeiten für Kinder. Dazu kommen immer wiederkehrende Aktivitäten, wie beispielsweise das Kochen mit Freunden (Dienstag, 14 bis 16.30 Uhr), Kaffee für die Seele (Mittwoch und Freitag, 16 bis 18 Uhr) und das Café International (Donnerstag, 14 bis 16.30 Uhr) sowie der jeden Donnerstag zwischen 14 und 16 Uhr im eigens im Ankerzentrum eingerichteten Begegnunsraum stattfindende Frauentreff. Jurastudenten bieten ehrenamtlich eine Rechtsberatung (Law Clinic) an. 

Zu den regelmäßig stattfindenden Terminen kommen weitere Projekte, Ausflüge und Feste. Dazu zählen beispielsweise auch Deutschkurse, die von ehrenamtlichen durchgeführt werden, in denen es im Gegensatz zu staatlichen Kursen lockerer zugeht. Besonders beliebt bei den Bewohnern sind die Fußballturniere wie „Kicken gegen rechts“ die von den Maltesern und anderen Aktionsgruppen durchgeführt werden.

Gemeinnützige Arbeiten

Im Rahmen des Asylbewerberleistungsgesetzes versuchen die Ehrenamtskoordinatorinnen den Bewohnern auch gemeinnützige Arbeiten zu vermitteln. So halfen die Bewohner bei der Gestaltung und Einrichtung der Kinderstube, Streicharbeiten an der Hausfassade sowie der Reinigung des Geländes und der Gebäude kräftig mit. Dafür erhielten sie mit 80 Cent pro Stunde eine geringfügige Entlohnung. Dennoch sind diese Arbeiten sehr begehrt bei den Bewohnern und Norzinski ist immer auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten für gemeinnützige Arbeitseinsätze.

Ehrenamtliche Helfer gesucht

Wer ehrenamtlich mithelfen möchte, kann sich bei den Ehrenamtskoordinatorinnen unter Telefon 0151/50141174 und per Mail an silvia.norzinski@ malteser.org oder pervin.oez@ malteser.org, melden.
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