Der neue Augsburger Notfallplan für schwerstkranke Kinder und Jugendliche - Vortrag und Diskussion im Bunten Kreis

Achim Saar (links vorne) und Barbara Paul-Klein (rechts vorne) informierten die Besucher über den neuen Augsburger Notfallplan für schwerstkranke Kinder und Jugendliche. Foto: Bunter Kreis
Augsburg, 21. Oktober 2019. Rund 50 interessierte Besucher folgten am Mittwoch, 9. Oktober der Einladung des Bunten Kreises, um sich über den neuen Augsburger Notfallplan für schwerstkranke Kinder und Jugendliche zu informieren. Dr. Barbara Paul-Klein, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Palliativmedizin, sowie Achim Saar, Leiter des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes des Bunten Kreises, stellten diesen vor und berichteten über erste praktische Erfahrungen.

„Die Vorausplanung von schwierigen gesundheitlichen Entscheidungen wird immer mehr als Prozess im Sinne des ‚Advance Care Planning‘(ACP) verstanden“, erklärte Achim Saar in seinem Vortrag. ACP ist der internationale Begriff für eine gesundheitliche Versorgungsplanung am Lebensende. „Der Patient spricht mit Medizinern über zukünftige Situationen, es werden Behandlungsoptionen erörtert, Wünsche ermittelt und Festlegungen getroffen“, so der Sozialpädagoge weiter. Ein erwachsener Mensch könne das für sich selbst festlegen, zum Beispiel mit Hilfe einer Patientenverfügung. Bei einem Kind aber müssen die Eltern entscheiden.

„Mutter und Vater fällt es meist schwer, überhaupt daran zu denken, was ist, wenn das eigene Kind stirbt. Noch schwieriger ist es, Maßnahmen für diesen Fall festzulegen.“ Der neue Augsburger Notfallplan für schwerstkranke Kinder und Jugendliche ist ein Weg, um derartige Entscheidungsprozesse zu erleichtern und schriftlich zu fixieren. Das neue Dokument basiert auf der Vorlage des „Augsburger Notfallplans für Erwachsene“, welche der Verein Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung entwickelt hat. Eine Arbeitsgruppe des „Kinderpalliativnetzwerks Schwaben/ Oberbayern Region 10“ passte die Verfügung an die Besonderheiten bei Kindern an.

„Bei einem Kind mit fortgeschrittener lebensverkürzender Erkrankung stellt sich häufig die Frage, wie im Notfall / in einer Krisensituation gehandelt werden soll“, berichtete Dr. Barbara Paul-Klein von ihren Erfahrungen als Kinderpalliativmedizinerin. „Soll der Notarzt den Patienten noch intubieren, beatmen und auf die Intensivstation einweisen, wenn das nur den Sterbeprozess hinauszögern würde? Oder besteht eventuell der Wunsch, dass das Kind zuhause in gewohnter Umgebung versterben kann, wenn der Tod ohnehin unausweichlich ist?“ Es gehe immer um ein Abwägen, welche Lebensqualität ein lebensverkürzend erkranktes Kind hat bzw. haben wird. „Hier gibt es keine einfachen Lösungen, sondern nur ein individuelles Vorgehen, das zwischen allen Beteiligten bestmöglich besprochen und vorausgeplant werden sollte“, betonte Dr. Paul-Klein. Die Ergebnisse solcher Gespräche zwischen Eltern und Ärzten können nun im Vordruck des Augsburger Notfallplans für Kinder und Jugendliche dokumentiert werden. Tritt eine Krisensituation ein, kann der behandelnde Notarzt oder die Klinik gemäß der medizinischen Empfehlung handeln.

Nach den Vorträgen der beiden Referenten tauschten sich die Zuhörer intensiv aus und berichteten von ihren eigenen Erfahrungen, sei es als betroffener Angehöriger oder als Fachkraft. Hierbei wurde deutlich, dass der Einsatz des Notfallplans auf positive Resonanz stößt.
Barbara Paul-Klein verabschiedete die Besucher am Ende der Veranstaltung mit den Worten „Hope for the best and prepare for the worst – das ist es, was Palliativversorgung bedeutet.“
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