Freie Fahrt nach Westen: Neue Ackermannbrücken werden heute für den Verkehr freigegeben

Die neuen Ackermannbrücken: Auch wenn die Autos das Bauwerk schon seit einigen Wochen nutzen, die offizielle Freigabe erfolgt heute. Foto: Laura Türk

Sie ist das Einfallstor für den westlichen Landkreis, über sie rollt in naher Zukunft die neue Straßenbahnlinie 5 Richtung Uniklinik: die Bürgermeister-Ackermann-Straße. Heute werden deren neue Brücken über Wertach und Hessenbachstraße nach zweieinhalb Jahren Bauzeit offiziell für den Verkehr freigegeben.

39 000 Fahrzeuge brausen täglich über diesen Teilabschnitt der B 300, künftig sogar die Wagen der Tramlinie 5. "Die Brücken über die Wertach und Hessenbachstraße in der Ackermannstraße sind ein wichtiger Bestandteil der westlichen Ausfallstraßen in Augsburg", bewertet die Stadt Augsburg die Bedeutung der Verkehrsader. Und somit scheinen auch die 16,9 Millionen Euro, die investiert wurden, um die beiden 60 Jahre alten Brücken wieder tragfähig zu machen, durchaus gerechtfertigt. Immerhin: Rund 10,9 Millionen Euro der Kosten übernimmt der Freistaat.

Doch nicht allein die Tragfähigkeit wurde wieder hergestellt. "Erreicht wurden wesentliche Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer durch einen gemeinsamen Geh- und Radweg mit einer Breite von 5,35 Meter", erklärt die Stadt Augsburg.

2010 hatte die Stadt den Zustand der Brücken überprüfen lassen. Das erschreckende Ergebnis: Die Tragsicherheit war nicht mehr gegeben und eine Sanierung nicht möglich. "Als Sofortmaßnahme wurde eine Hilfsunterstützung eingebaut", berichtet die Stadt Augsburg. Das über 60 Jahre alte Bauwerk musste so schnell wie möglich durch neue Brücken ersetzt werden. Damit aber der Verkehr an dieser so stark frequentierten Stelle weiter fließen konnte, wurde von Januar bis Juni 2016 südlich der bestehenden Brücken eine Behelfsbrücke gebaut - mit zwei Fahrspuren pro Richtung. Fußgänger und Radfahrer standen beidseitig eigene Behelfsbrücken zur Verfügung.

Doch die zweieinhalb Jahre währende Bauzeit lief nicht ohne Zwischenfälle ab. Schon beim Abbruch der alten Brücke über die Wertach spielte sich ein Drama ab: Das Bauwerk brach im Juli 2016 unvermittelt in der Mitte ein. Zwei Menschen wurden dabei schwer verletzt. In der Folge wurden der Geschäftsführer der Abbruchfirma per Strafbefehl zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, sein Bauleiter zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt. Wie sich herausstellte, handelten die Arbeiter nicht nach den Anweisungen eines Baustatikbüros. Sie begannen, die Brücke von der falschen Seite abzubrechen. Warum sie das taten, blieb offen. Bauleiter und Geschäftsführer hatten ihre Strafbefehle akzeptiert, weshalb es nicht zu einer öffentlichen Verhandlung kam.

Doch der Einsturz blieb nicht der einzige Zwischenfall. Als ebenso spektakulär erwies sich die Anlieferung von neuen Brückenpfeilern im Mai 2017 - oder besser: die versuchte Anlieferung. Denn für den Konvoi aus drei Schwerlasttransportern auf der B 300 war an der Ecknachbrücke Schluss. Der Nachläufer des mittleren der drei Schwertransporter kam dort nach rechts von der Fahrbahn ab. Dieser kollidierte mit dem Brückenpfeiler der Ecknachbrücke. Dadurch wiederum rutschte die geladene Fracht - der Brückenpfeiler für die Baustelle in Augsburg wog rund 70 Tonnen - von dem Schwertransport herunter und kam teils auf und teils neben der Fahrbahn zum Liegen. Der Schaden belief sich auf 200 000 Euro und der Bauablauf in Augsburg verzögerte sich um mehrere Wochen, da das verunglückte Brückenteil verschrottet und neu angefertigt werden musste. Trotzdem wurde der Zeitplan weitestgehend eingehalten.

Die große Prüfung für alle Benutzer der Bürgermeister-Ackermann-Straße, die benannt ist nach dem SPD-Politiker Friedrich Ackermann, der von 1919 bis 1933 zweiter Bürgermeister in Augsburg war, steht allerdings noch bevor. Denn in der Mitte der vier Autospuren soll die Straßenbahntrasse für die Linie 5 verlaufen. Doch bis dafür die Arbeiten beginnen, kann es noch etwas dauern. Stadtwerkechef Walter Casazza rechnet frühestens 2024 damit, dass die erste Straßenbahn vom Hauptbahnhof zum Campus der Universitätsklinik fährt - über die Ackermannstraße.
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