Kein Gewerbe in der Halle 116

Die Halle 116 auf dem Gelände der ehemaligen Sheridan-Kaserne: Noch immer ist nicht klar, was mit ihr geschehen soll. Die Stadt wird das Gebäude kaufen, in dem während der NS-Diktatur eine KZ-Außenlager des Konzentrationslagers Dachau untergebracht war. Foto: Stadt Augsburg

Augsburg - Die Bürger haben sich durchgesetzt: In der Halle 116 auf dem Gelände der ehemaligen Sheridan-Kaserne wird vorerst kein Gewerbe möglich sein. Aus dem entsprechenden Bebauungsplan fällt das Gebäude komplett raus.

Im Bauausschuss sollten die Stadträte eigentlich den Anträgen der Grünen-Fraktion, der Ausschussgemeinschaft der Freien Wähler, Linke, ÖDP und Polit-WG sowie den Empfehlungen des Kulturbeirats eine Absage erteilen - zumindest gemäß des Beschlussvorschlags der Verwaltung. In den Anträgen wurde gefordert, dass die Halle 116, in der sich während der NS-Diktatur eine Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau befand und Zwangsarbeiter untergebracht waren, als Gemeinbedarfsfläche für soziale und kulturelle Zwecke ausgewiesen wird. Mit dem Bebauungsplan Nummer 288 B wäre auch eine gewerbliche Nutzung möglich gewesen.

Doch bis zu einer Abstimmung kam es im Bauausschuss gar nicht erst. Unter dem Eindruck des vehementen Widerspruchs während einer Podiumsdiskussion zur Halle 116 rückte die Verwaltung von ihrer bisherigen Linie ab. "Ich beantrage, dass dieser Punkt von der Tagesordnung genommen wird", kam Baureferent Gerd Merkle einer Entscheidung zuvor. Vielmehr setzte er die Stadträte in Kenntnis, dass der Bebauungsplan noch einmal überarbeitet wird - und die Halle 116 raus fällt. Tatsächlich drängt die Zeit, um den Plan endlich zu beschließen. Nördlich der Halle 116 stehen laut Merkle Grundstücke bereit für Wohnbebauung, doch dazu fehle eben der Bebauungsplan. Und daher sah man sich in der Verwaltung wohl zu diesem Schritt gezwungen.

Das Ausklammern der Halle 116 kostet allerdings trotzdem noch Zeit. Die Mitarbeiter in der Verwaltung müssen nun jeglichen Bezug zur Halle in den Unterlagen tilgen und den Plan überarbeiten. Merkle schätzt, dass er vielleicht Ende des ersten Quartals 2019 fertig sein wird.

Immerhin: Über die weitere Zukunft der Halle 116 kann nun in aller Ruhe diskutiert werden, auch darüber, ob 100 Prozent Gemeinbedarf sinnvoll ist. Denn ursprünglich war im Bebauungsplan genau das vorgesehen. Allerdings hatte man dies aufgrund einer Stellungnahme des Leiters Ausstellungskoordination und Baureferenten des Landesmuseums Württemberg Jan-Christian Warnecke sowie der Diskussionen im Bauausschuss und im Stadtrat wieder geändert.

Die Frage nach dem Sinn des alleinigen Gemeinbedarfs ist aber nur einer der umstrittenen Aspekte. Denn für die künftige Nutzung der Halle 116 liegen einige unterschiedliche Ideen vor, die von einem Museum für die Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts über verschiedene Abstufungen hin zu einem reinen Gedenkort reichen.

Einig ist man sich nur, dass dieses Gebäude um jeden Preis erhalten werden muss. Folgerichtig sind im Doppelhaushalt 2019/20 der Stadt Augsburg Mittel vorgesehen, um die Halle 116 in städtisches Eigentum zu bringen, aktuell befindet sich das Gebäude als Treuhandvermögen im Besitz der Wohnbaugruppe Entwickeln. "Sobald der Haushalt rechtskräftig ist, kauft die Stadt das Gebäude und das Grundstück", versprach Merkle im Bauausschuss. (
Von Markus Höck)
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