Kulturausschuss beschließt Umbenennung der Dr.-Mack- und der Langemarckstraße wegen Bezug zur NS-Zeit

Die Langemarckstraße ist nach dem belgischen Ort Langemark benannt, der im Ersten Weltkrieg heftig umkämpft war. Die Nationalsozialisten griffen den "Langemarck-Mythos" auf und nutzten ihn für ihre Propaganda. 1939 wurde die damalige Habsburgerstraße auf Initiative der NSDAP in Langemarckstraße umbenannt. Foto: Nana Asante

Neue Namen wegen NS-Bezug: Die Langemarck- und die Dr.-Mack-Straße - die eine im Augsburger Stadtteil Kriegshaber, die andere direkt an der Uniklinik - sollen künftig anders heißen. Das beschloss am Montag einstimmig der städtische Kulturausschuss.

Die von der Stadt eingesetzte Kommission für Erinnerungskultur, bestehend aus Stadträten, Verwaltungsmitarbeitern, Wissenschaftlern und zivilgesellschaftlichen Akteuren, hatte mehrere Straßennamen mit Bezug zur NS-Zeit untersucht. Sie kam zu dem Ergebnis, dass die Bezeichnung zweier Straßen geändert werden sollte. Zum einen die Dr.-Mack-Straße, da diese nach einem Augsburger Chirurgen benannt ist, der während des Dritten Reichs wohl Zwangssterilisationen durchgeführt hat. Die Erinnerungskommission geht nach der Sichtung von Akten davon aus, dass Mack an Sterilisationen von Menschen beteiligt war, die von den Nazis als "erbkrank" eingestuft wurden. Die Umbenennung dieser Straße war unter den Mitgliedern des Kulturausschusses unstrittig. Benedikt Lika (CSU), der im Rollstuhl sitzt, regte an, dass der neue Namensgeber ein Aktivist der sogenannten Krüppelbewegung aus den 70er-Jahren sein könnte.

Zum anderen sprach sich die Kommission dafür aus, den Namen der Langemarckstraße zu ändern. Sie ist aktuell nach dem belgischen Ort Langemark benannt, der im Ersten Weltkrieg heftig umkämpft war. Die Nationalsozialisten griffen den "Langemarck-Mythos" auf und nutzten ihn für ihre Propaganda. 1939 wurde die damalige Habsburgerstraße auf Initiative der NSDAP in Langemarckstraße umbenannt.

Auch in diesem Fall votierten alle Stadträte des Kulturausschusses für einen neuen Namen. Allerdings wurde die Frage gestellt, ob statt einer Umbenennung nicht auch ein Erläuterungsschild ausgereicht hätte.

Zusatzschilder für vier weitere Straßen

Ein solches Schild sollen vier andere Straßen bekommen: Die Bürgermeister-Widmeier-Straße, die Hans-Watzlik-Straße, die Karl-Haberstock-Straße und die Professor-Messerschmitt-Straße. Die Zusatzschilder werden über die Hintergründe der Namensgeber informieren. Dass die Messerschmitt-Straße ihren Namen behalten soll, war in der Kommission nicht unumstritten. Schlussendlich einigte man sich aber darauf, die Bezeichnung wegen der Bedeutung für die Nachkriegs-Stadtgeschichte zu belassen.

Das städtische Geodatenamt soll nun Vorschläge erarbeiten, wie die beiden umzubenennenden Straßen künftig heißen könnten. Die Bevölkerung soll bei der Suche nach den neuen Namen einbezogen werden. (jaf)
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