Nach Denkmalschutz-Entscheidung: Wie geht es jetzt mit der Halle 116 weiter

Gedenkort für Opfer des Nationalsozialismus: Die Halle 116 wird nicht unter Denkmalschutz gestellt. Ein Erinnerungsort ist in dem Gebäude dennoch weiterhin geplant. (Foto: Hans Blöchl)

Wehrmachtskaserne, KZ-Außenlager, Fahrzeuglager der US Army - die Halle 116 auf dem Areal der Sheridan Kaserne blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Wie das Landesamt für Denkmalpflege kürzlich mitteilte, soll sie zwar nicht in die bayerische Denkmalliste eingetragen werden. Die Stadt Augsburg möchte aber einen Erinnerungsort in dem Gebäude schaffen.

Das Hallengebäude wurde 1936 als Teil einer Kaserne errichtet, um für den Nachrichtendienst der Luftwaffe und der Wehrmacht genutzt zu werden. Nach der Bombardierung der Rüstungsbetriebe und der Messerschmitt-Werke am 25. Februar 1944 wurde die Halle 116 zur Unterbringung von männlichen Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen mit Stacheldraht vom restlichen Kasernengelände abgetrennt. Der riesige Innenraum der Halle wurde mit Drahtzäunen in acht Blöcke unterteilt, in denen jeweils etwa 200 Gefangene schlafen mussten, wenn sie nicht in den Betrieben im Augsburger Stadtgebiet zur Zwangsarbeit eingesetzt waren. Laut Berichten von Zeitzeugen gab es auch einen "Babyblock" für kleine Buben, einen Block für Funktionshäftlinge und ein "Krankenrevier", das auch von anderen Zwangsarbeiterlagern in der Region genutzt wurde. Das Augsburger Lager galt im schwäbisch-bayerischen Raum und Allgäu als Hauptlager.

Die Gefangenen arbeiteten in zwei Zwölf-Stunden-Schichten, das heißt die Strohsäcke in der Halle waren Tag und Nacht belegt. Die Frühschicht bei Messerschmitt begann um 6 Uhr. Abends nach der Rückkehr mussten die geschundenen Arbeiter stundenlang auf dem Appellplatz stehen, wo Strafen und vermutlich auch Hinrichtungen vollzogen wurden. Die Firmen mieteten die Häftlinge für vier bis acht Reichsmark pro Tag von der SS.

Dass die Zwangsarbeiter der Halle 116 fast ausschließlich in Rüstungsbetrieben arbeiten mussten, war beispielsweise für sowjetische Häftlinge besonders tragisch: Nach der Rückkehr in ihre Heimat wurden sie häufig als Landesverräter beschimpft und diskriminiert.

Während jüdische Zwangsarbeiter vorwiegend in die Lager nach Kaufering im Süden Augsburgs gebracht wurden und dort einer besonders menschenverachtenden Behandlung mit einer Todesrate von mehr als 30 Prozent unterzogen wurden, können über die Todesfälle in den Augsburger Lagern nur wenige Angaben gemacht werden. Denn bis zum Herbst 1944 wurden die Toten in das Stammlager in Dachau geschafft.

Die Todesursachen in Augsburg waren Misshandlungen, Seuchen und Luftangriffe. Wegen der Überlastung des Krematoriums in Dachau wurden die Leichen dann im Krematorium auf dem Augsburger Westfriedhof verbrannt, später nur noch in Massengräbern beigesetzt. Vor der Befreiung Augsburgs am 24. April 1945 wurden rund 2000 Häftlinge auf einen "Evakuierungsmarsch" gezwungen, die Kranken wurden nach Dachau gebracht. Die Todesopfer des Marsches sind in Schwabstadel, Klimmach, Bergheim und Schwabmünchen beerdigt.

Ab 1946 wurde das Gebäude von der US Army als Teil einer Kaserne belegt und erhielt die Nummer 116. Die Halle wurde vor allem für die Unterbringung von Fahrzeugen genutzt. Im ersten Stock befand sich eine Bibliothek mit Lesesälen.

Bis 1998 wurde das Gebäude in hervorragendem Zustand gehalten. Bereits seit 1985 gibt es Diskussionen darüber, wie man in der Halle einen würdigen Gedenkort schaffen könnte. In den vergangenen Wochen hat das Landesamt für Denkmalpflege geprüft, ob das Gebäude in die bayerische Denkmalliste aufgenommen werden soll. Laut Denkmalschutzgesetz handelt es sich bei einem Denkmal um "eine vom Menschen geschaffene Sache aus vergangener Zeit, deren Erhaltung aufgrund ihrer besonderen geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt".

Dem Landesamt zufolge liege diese besondere Bedeutung im Fall der Halle 116 nicht vor. Sie steche bayernweit hinsichtlich Gestaltung und Konstruktion nicht heraus, so die Begründung des Amtes. Zudem sei sie an vielen Stellen durch Umbauten verändert worden. Aus der Zeit, als die Halle zur Unterbringung von Häftlingen genutzt wurde, seien keine baulich fassbaren Spuren zu finden.

Die Pläne, die Halle in einen Gedenkort zu verwandeln, sind aus Sicht des Landesamts dennoch sinnvoll. Verzögerungen durch Vorschriften, die der Denkmalschutz mit sich gebracht hätte, seien nun nicht zu befürchten. Die Stadt möchte sich aktuell zu den weiteren noch nicht äußern. Das Thema soll "nach der Entscheidung des Landesamtes für Denkmalpflege nun erst einmal verwaltungsintern und referatsübergreifend abgestimmt werden", heißt es von der Stadt. (Von Florian Handl und Kristin Deibl)
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