Neue Wohnungen in Augsburg - aber für wen?

Aus der Industriebrache an der Äußeren Uferstraße, direkt an der Wertach und Nahe der B17, soll in einigen Jahren ein modernes Wohnviertel für circa 1500 Menschen werden. Foto: Janina Funk

Auf dem ehemaligen Firmengelände von Zeuna-Stärker sollen um die 700 neue Wohnungen für circa 1500 Menschen entstehen. Der Bauausschuss des Stadtrates verabschiedete kürzlich die zwischen dem Investor und der Bauverwaltung ausgehandelte Vorplanung - einstimmig, denn dass neue Wohnungen geschaffen werden müssen, darüber herrscht quer durch alle Fraktionen Einigkeit. Uneins sind sich die Stadträte in der Frage, wie hoch der Anteil an gefördertem Wohnungsbau sein soll.

Die Immobilien-Firma Solidas will auf der Industriebrache in Augsburg-Oberhausen ein Quartier mit Wohnungen, Lofts und Ateliers errichten. Vorgesehen sind vier- bis fünfgeschossige Gebäude. Einen besonderen Akzent soll ein zwölf Stockwerke hohes Hochhaus setzen. Geplant sind auch zwei Kindertagesstätten.

Doch wer wird sich die neuen Wohnungen leisten können? Linken-Stadtrat Otto Hutter befürchtet: "Kein Oberhausener". Der Bauausschuss sprach sich für 20 bis 30 Prozent an geförderten Wohnungen nach der "Einkommenorientierten Förderung" (EoF) aus. Für Hutter der falsche Weg, denn bei dieser Art des geförderten Wohnens kann bereits nach drei Jahren die Miete erhöht werden. Die Linke hätte sich "echten sozialen Wohnungsbau mit langfristig gesicherten niedrigen Mieten" gewünscht.

Nach dem EoF-Modell wird je nach Einkommensklasse ein Teil der Miete vom Staat als Zuschuss bezahlt. Die Grundförderung erhält der Investor im Gegenzug für die Verpflichtung, mindestens 15 Jahre Sozialmieter aufzunehmen und eine ortsabhängige Höchstmiete nicht zu überschreiten.

Droht die Gentrifizierung Oberhausens?

Auf den EoF-Anteil zwischen 20 und 30 Prozent, zu dem Solidas auf dem Zeuna-Stärker-Areal verpflichtet werden soll, verständigte sich der Bauausschuss nach einem Vorschlag von Stadtrat Volker Schafitel (Freie Wähler). Die von der Verwaltung gewählte Formulierung von "bis zu 30 Prozent" war einigen Stadträten zu unkonkret gewesen.

Baureferent Gerd Merkle (CSU) verwies darauf, dass man dem Investor ja auch den Bau der beiden Kitas und den Bau von Generationenwohnungen zur Vorschrift machen wolle. Diese Verpflichtungen in Kombination mit einer 30-Prozent-Quote für geförderte Wohnungen, das sei nicht machbar.

Für so manchen Augsburger Politiker sind 20 Prozent allerdings deutlich zu wenig. "Die SPD und die Grünen haben in ihrem Wahlkampf 2014 von 30 Prozent gesprochen. Allerdings: Diese sind bisher in noch keinem Augsburger Bebauungsplan nach 2014 tatsächlich festgeschrieben worden", kritisiert Tobias Bevc, Geschäftsführer der Ausschussgemeinschaft aus Freie Wähler, Linke, ÖDP und Polit-WG. Da seien wohl die Interessen der Investoren zu stark, und die Stimmen der SPD und der Grünen zu schwach, urteilt er.

Bevc befürchtet die Gentrifizierung des Stadtteils Oberhausen; also die Entwicklung eines Viertels, das jahrelang vernachlässigt wurde und in dem Menschen leben, die wenig Geld für die Miete zur Verfügung haben, hin zu einem Szeneviertel - mit Wohnungen, die sich keiner aus diesem Stadtteil leisten kann.

Stadtrat Hutter kritisiert bezüglich der Zeuna-Stärker-Bebauung zudem, dass die EoF-Förderung sich nur auf die Grundmiete bezieht. "In der geplanten Bebauung mit mehrgeschossigen Tiefgaragen und Aufzügen ist davon auszugehen, dass alleine die Nebenkostenabrechnung ein teurer Spaß wird", sagt Hutter.

Wie teuer die Wohnungen tatsächlich werden, wird erst in einigen Jahren klar sein. Die vom Bauausschuss beschlossene Vorplanung muss nun im Zuge des Bebauungsplan-Verfahrens erst einmal konkretisiert werden. In frühestens eineinhalb Jahren könnten dann auf dem elf Hektar großen Areal die Erschließungsarbeiten beginnen.
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