Positive Bilanz: Seit einem Dreivierteljahr leben Flüchtlinge am Kobelweg

In das Gebäude im Kobelweg zogen im November 2018 wieder Flüchtlinge ein. (Foto: Laura Türk)

Im Augsburger Stadtteil Kriegshaber eröffnete erst im vergangenen November eine neue Zweigstelle des Ankerzentrums Donauwörth. Nun soll das Ankerzentrum in Donauwörth bis Ende 2019 aufgelöst werden und in Augsburg weitere Kapazitäten aufgebaut werden. 

Das Bundesland Bayern eröffnete im August 2018 die ersten Ankerzentren – so auch in Donauwörth. Bis zu 1000 Asylbewerber können dort untergebracht werden. Um die Einrichtung in Donauwörth zu entlasten, eröffnete im vergangenen November in Augsburg eine Zweigstelle des dortigen Ankerzentrums, eine sogenannte „Dependance“. 

Aktuell ist die Unterkunft am Kobelweg 82a mit 91 Männern, 20 Frauen belegt. 83 der Bewohner kommen aus der Türkei, zehn aus Nigeria und 18 aus Gambia. Darunter befinden sich acht Familien mit neun Kindern im Alter bis vier Jahre, acht Paare ohne Kinder und 69 allein reisende Männer.

Das Zusammenleben in der Unterkunft am Kobelweg läuft bislang ohne besondere Probleme, „die internen Abläufe haben sich“, laut Karl-Heinz Meyer, Pressesprecher der Regierung von Schwaben, „weitgehend eingespielt“.

Mitte November erfolgte ein Polizeieinsatz wegen Selbstgefährdung eines Bewohners. Abgesehen davon sind bislang keine besonderen Vorfälle zu verzeichnen.

Bei der Zusammensetzung der Bewohner wurde, nach Angaben Meyers, unter Berücksichtigung der verschiedenen Herkunftsländer auf eine sozialverträgliche Belegung geachtet, damit nach Möglichkeit erst gar keine Konflikte entstehen. Um Konflikten auch im Umgriff der Einrichtung vorzubeugen, überwacht der beauftragte Sicherheitsdienst regelmäßig auch den Bereich des benachbarten Gewerbegebiets.

Rückblick: Gebäude diente schon einmal als Unterkunft

In der ersten Jahreshälfte 2016 diente das Gebäude in Kriegshaber schon einmal als Flüchtlingsunterkunft. Die Regierung hatte das Haus angemietet, nachdem im Jahr 2015 eine große Zahl von Flüchtlingen in Deutschland angekommen war. Als die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge zurückging, wurde der Standort Ende August 2016 wieder geschlossen.

Nach seiner Reaktivierung soll das Gebäude nun zur Unterbringung von Asylbewerbern genutzt werden, die im Ankerzentrum Donauwörth das Asylverfahren im Wesentlichen durchlaufen haben und nur noch auf die Entscheidung über den Asylantrag oder ihre Rückführung warten.

Seit Januar dieses Jahres kümmert sich eine Ehrenamtskoordinatorin um die Anker-Dependance am Kobelweg. Sie pflegt Kontakte zu ehrenamtlichen Helfern in Augsburg und entwickelt mit diesen Hilfsangebote für die Bewohner. Daneben organisiert die Flüchtlings- und Integrationsberatung der Caritas Augsburg regelmäßig Sprechstunden in der Einrichtung. Im März hat das Bayerische Rote Kreuz die Beratungsdienste übernommen.

An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung)

Die Einführung der Ankerzentren ist deutschlandweit nicht unumstritten. Nachdem Bundesinnenminister Horst Seehofer diese im Juli in seinem Masterplan Migration vorgestellt hatte, gingen im August 2018 die ersten sieben Zentren in Bayern an den Start. Nur Sachsen und das Saarland folgten mit Zentren in Dresden und Lebach bisher der Idee des Innenministers. In Deutschland sollen vorerst keine weiteren der umstrittenen Ankerzentren für Flüchtlinge entstehen.

Das Wort Anker steht für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Alle wichtigen Behörden sollen dort vertreten sein; kurze Wege sollen die Asylverfahren beschleunigen. Ziel der Ankerzentren ist es, Asylbewerber, die kein Bleiberecht haben, schneller abzuschieben. Doch auch Bewohner mit Bleibeperspektive werden dort untergebracht. Viele Organisationen kritisieren die Bedingungen in den Unterkünften sowie die fehlenden Bemühungen, die Asylbewerber in Deutschland zu integrieren.

Der Augsburger Flüchtlingsrat etwa bezeichnete die Einrichtungen als „Massenlager“. Die Situationen in den Zentren seien inhuman: Durch die hohe Präsenz von Sicherheitskräften, die Eingangskontrollen beim Verlassen und Betreten der Einrichtungen, sowie regelmäßige Zimmerdurchsuchungen sei keine Privatsphäre möglich.

Auflösung des Ankerzentrums Donauwörth bis Ende 2019

Da Donauwörth mit seinen mehreren hundert Flüchtlingen als Ankerzentrum zum Jahresende aufgegeben wird, wird Augsburg künftig derjenige Ort sein, an dem in Schwaben ankommende Flüchtlinge registriert werden. Die Registrierung erfolgt dann in einem Behördenzentrum in einem ehemaligen Gebäude der Weltbild Verlagsgruppe in der Aindlinger Straße 16 in Lechhausen.

In Donauwörth kommen momentan fünf bis zehn Personen täglich zur Registrierung an. Die Regierung von Schwaben erwartet vergleichbare Zahlen für Lechhausen. Die Flüchtlinge sollen dann höchstens bis zu drei Nächte in der Aindlinger Straße bleiben. Nach der Registrierung sollen sie schnell auf die schwäbischen Asyl-Zweigstellen verteilt werden. Die Regierung von Schwaben geht davon aus, dass im Höchstfall bis zu 50 Flüchtlinge gleichzeitig in der Unterkunft untergebracht sind. Theoretisch ist Platz für 200 Personen.

Neben den Standorten in Inningen und Kriegshaber kommt in der Stadt eine weitere Zweigstelle hinzu. Diese ist an der Berliner Allee angesiedelt. Das Areal wird bereits für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Die bestehende Gemeinschaftsunterkunft wird aufgegeben. Flüchtlinge, die bislang hier leben, müssen an andere Standorte umziehen.

Mit der Anker-Zweigstelle beginnt ein Neuanfang. Der Start ist für Januar 2020 geplant. Anfangs sollen hier 100 Flüchtlinge untergebracht werden. Später könnten auf dem Areal bis zu 200 Asylbewerber untergebracht werden. Es handelt sich um Familien mit schulpflichtigen Kindern. Diese sollen vor Ort in Containern unterrichtet werden.
Losgelöst vom Ankerzentrum nebst Zweigstellen gibt es Gemeinschaftsunterkünfte der Regierung von Schwaben und dezentrale Einrichtungen, in denen Flüchtlinge im Stadtgebiet leben. Dezentrale Einrichtungen sind Wohnhäuser und Pensionen, die von der Stadt für die Unterbringung von Asylbewerbern angemietet sind.

In den beiden bestehenden Zweigstellen des Ankerzentrums in Kriegshaber und Inningen sind in der Summe knapp 190 Personen untergebracht. In Inningen, wo die Einrichtung Mitte August 2018 bezogen wurde, leben 50 Menschen. In Gemeinschaftsunterkünften und dezentralen Einrichtungen leben zudem mehr als 2000 Flüchtlinge. Für die städtischen Unterkünfte lässt sich auch sagen, woher die meisten der dort lebenden 1100 Menschen stammen: zu 45 Prozent aus Syrien.

Zuständig für die Flüchtlinge ist die Regierung von Schwaben. Sie hat auch das Ankerzentrum in Donauwörth geleitet. Da es künftig in Schwaben keinen Standort gibt, der mehrere Hundert Flüchtlinge an einem Ort – wie jetzt in Donauwörth – aufnimmt, werden zusätzliche kleinere Zweigstellen geschaffen. Die Regierung von Schwaben mietet dazu an verschiedenen Stellen die Räume. In den aktuellen Planungen sind sieben Zweigstellen vorgesehen. Ab dem Jahreswechsel werden in Augsburg drei Filialen in Inningen, Kriegshaber und Herrenbach aktiv sein. Dazu kommen zwei in Kempten, eine in Neu-Ulm sowie die vor kurzem eröffnete Zweigstelle in Mering (Kreis Aichach-Friedberg).

Eingezäunt, aber "keine Gefängnisse"

Alle Ankerzentrum-Dependancen sind eingezäunt. Vor Ort sorgt ein privater Sicherheitsdienst für Ordnung und führt Zugangskontrollen aus. Als Sicherheitskräfte werden oftmals Personen ausgewählt die die Landessprache der Bewohner sprechen.

Flüchtlinge die in den Ankerzentren untergebracht sind, dürfen die Areale aber verlassen. Es handelt sich, wie die Regierung betont, „schließlich nicht um Gefängnisse“. Die Polizei geht davon aus, dass die Lage auch in Zukunft ruhig bleibt. Die Einrichtungen in Inningen und Kriegshaber hätten bislang keine größeren Polizeieinsätze ausgelöst, sagt Polizeipräsident Michael Schwald. Unter dem Sicherheitsaspekt sind kleinere und dezentralere Unterkünfte positiv, da sie weniger Konfliktpotential besitzen.
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