AEV-Ultras prallen auf ESV-Ultras: Nun stand ein Panther-Fan vor Gericht

Liebevoll ging es nicht zu, als 2016 Ultras des AEV und des ESV Kaufbeuren aufeinander trafen. Nun hatte die Auseinandersetzung ein Nachspiel vor Gericht.

Eigentlich ist er ein anständiger junger Mann. Er hat eine Lehre als Fachkraft für Lagerlogistik absolviert und sein Arbeitgeber ist so zufrieden mit ihm, dass er ihm derzeit die Meisterausbildung zahlt. Doch der 22-Jährige ist auch seit Jahren begeisterter AEV-Fan. Als solcher geriet er in die Kreise der sogenannten Ultras. Und es kam zu einer unheilvollen Begegnung mit den eingefleischten Fans des Kaufbeurer ESV. Wegen Körperverletzung wurde er deshalb jetzt zu 800 Euro Geldauflage verurteilt.

Das Gerichtsverfahren, das aus verschiedenen Gründen lange auf sich warten ließ, bedrücke den jungen Mann sehr. Das betonte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Moritz Bode. Denn zur Last gelegt wird dem Lagerexperten ein Zusammenstoß zwischen den Eishockeyfans, der sich bereits im August 2016 ereignete. Damals verabredeten sich 22 junge Leute, die entweder zu den extremen Fans der Augsburger Panther oder den Kaufbeurer Ultras gehörten, zu einer Schlägerei.

Bei einem Spiel in Kaufbeuren sollte es soweit sein. Die Augsburger platzierten sich unter den Stufen der Zuschauertribüne. "Jetzt oder nie!", soll der 22-Jährige dann gerufen haben, ein anderer zählte an: "Drei, zwei, eins. Los!" Und schon rannte der Augsburger Pulk Richtung Fanblock der Kaufbeurer. Unter der Anzeigetafel trafen die gegnerischen Lager aufeinander. Der Angeklagte sprang einen ESV-Fan an und trat ihn mit solcher Gewalt, dass dieser stürzte und sich am Ellbogen verletzte. Er renkte sich das Gelenk aus und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Da der Angeklagte zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender war, wurde nun vor dem Jugendrichter verhandelt. Zudem wurde Jugendstrafrecht angewandt. Es habe sich um jugendtypisches Verhalten gehandelt, so der Tenor. Zudem sei eine fatale Gruppendynamik entstanden. Der 22-Jährige ist seit seiner Kindheit Eishockeyfan. Viele Jahre lang hatte er eine Dauerkarte für den AEV. Nach der Schlägerei in Kaufbeuren erlegte sich der Lagerarbeiter selbst ein Stadionverbot auf.

"Komplett überfordert"

Er war seitdem bei keinem Spiel mehr. "Damit ist er genug gestraft", so Verteidiger Bode. Die Situation damals habe ihn "komplett überfordert", ergänzte die Jugendgerichtshelferin, die lange mit dem jungen Mann gesprochen hatte und ihn als "gewissenhaft, vorsichtig und bedacht" charakterisierte.

Die anderen 21 jungen Männer, die an der Auseinandersetzung beteiligt waren, waren älter. Die Staatsanwaltschaft Kempten beantragte für jeden von ihnen einen Strafbefehl über 30 Tagessätze. Das Verfahren gegen den 22-Jährigen wurde an Augsburg abgegeben, denn gegen Jugendliche wird nicht am Tatort, sondern in der Heimat verhandelt. Das ist mit ein Grund, warum so viel Zeit zwischen Tat und Prozess verging. Staatsanwalt Christian Peikert beantragte, den Angeklagten zu verwarnen und ihm 1000 Euro Geldbuße aufzuerlegen.

Verteidiger Moritz Bode meinte, während die anderen Extremfans lediglich "irgendwann den Briefkasten aufgemacht haben und einen Strafbefehl fanden", sei sein Mandant der einzige, der die belastende Verhandlung durchstehen müsse. "Er ist jemand, der sauberst sein Leben gestaltet - und dann dieser Cut." Bode fand, es sei keine Geldauflage mehr nötig.

Wegen gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung verurteilte Richter Günther Baumann den 22-Jährigen schließlich zu 800 Euro Geldauflage. Schwer wog, dass der junge Mann eine nicht unerhebliche Verletzung verursacht hatte: "Für das, was er getan hat, muss er geradestehen." Dennoch sei er überzeugt, so der Richter, dass derartiges bei dem Lagerlogistiker nicht mehr vorkommen werde: "Auf Nimmerwiedersehen", verabschiedete er ihn. 
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.