Berufung: Realschullehrer soll doch in Haft

Die Staatsanwaltschaft legte Berufung gegen das Aichacher Urteil ein, das dem 44-jährigen Lehrer eine Gefängnisstrafe knapp ersparte. Ein Termin für den neuen Prozess am Landgericht steht noch nicht fest. (Foto: phartisan / 123rf.com)

Die Geschichte des inzwischen weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten Realschullehrers geht juristisch in die nächste Runde. Der 44-jährige Konrektor einer Schule hat vorab Prüfungen aus dem Tresor der Schule geholt, diese abfotografiert und dem Sohn seiner Freundin zur Verfügung gestellt. Außerdem hat er als Kassier über zehn Jahre lang 260 000 Euro vom Lehrerverband auf sein eigenes Konto überwiesen. Dafür wurde er vom Amtsgericht Aichach zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hat nun Berufung eingelegt.

Beate Schauer hatte als Vertreterin der Anklage drei Jahre und drei Monate ohne Bewährung gefordert und sprach bei der Verhandlung von hoher krimineller Energie des Angeklagten.

Dieser hatte darum gebeten, von einer Gefängnisstrafe abzusehen, da er Vater dreier Kinder sei und sich gern um diese kümmern wolle. Der Aichacher Amtsgerichtsdirektor Walter Hell hielt ihm zugute, den kompletten Schaden wiedergutgemacht zuhaben.

Der Lehrer zahlte alles zurück, samt verjährtem Betrag und Zinsen. Verteidiger Michael Bauer sagte, der Verband stehe aufgrund der Zinszahlungen besser da als zuvor und bezeichnete seinen Mandanten als gebrochenen Mann, der bereits genug gestraft sei mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes als Lehrer und des Beamtenstatus. 

Die Veruntreuung der Verbandsgelder war zufällig und erst im Zuge der gestohlenen Prüfungen aufgekommen. Rechnungsprüfern war vorher nichts aufgefallen. 

Nun wird das Augsburger Landgericht den Fall wieder aufrollen. Ein Termin steht noch nicht fest. Dass der Realschullehrer um eine Gefängnisstrafe herumkommt, ist eher unwahrscheinlich. (tama)
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