Caritas blickt in die Zukunft: Wie es im abgebrannten Gebäude aussieht und wie es nun weiter gehen soll

Am vergangenen Sonntag brannte das Sozialzentrum der Caritas Augsburg ab. Das Gebäude soll kommende Woche abgerissen werden. (Foto: Laura Türk)
 
Hier wurde bis vor einigen Tagen hilfsbedürftigen Augsburgern geholfen. Der gesamte Innenbereich ist komplett verkohlt. (Foto: Laura Türk)

Um einen Blick in das Innere des Sozialzentrums der Caritas Augsburg zu werfen, muss man momentan über winzige Scherben laufen. Wo sich vor einigen Tagen noch große Fenster befanden, sind nun nur noch metallene Rahmen zu sehen. Und durch diese glaslosen Fenster blickt man auf einen schwarzen Raum. Alles ist verkohlt – der Boden, die Möbel, die Treppe, die ins erste Stockwerk führt. Durch rechteckige Löcher in der Decke fallen Lichtkegel in den Raum, etwas weiter hinten ist das Dach komplett eingestürzt.

Nach dem verheerenden Brand hat die Caritas gestern zu einer Pressekonferenz eingeladen, um über die Zukunft der gemeinnützigen Einrichtung zu informieren. Geschäftsführer Walter Semsch bittet ausdrücklich auch die Bevölkerung um Unterstützung, um möglichst bald wieder den Bedürftigen in Augsburg helfen zu können.

In der Nacht auf Montag hatte ein Feuer das Gebäude zerstört. „Das Haus ist komplett kontaminiert“, erklärte Semsch am Freitag. „Wir werden nun dafür sorgen, dass es so schnell wie möglich abgerissen wird.“ Die Versicherung werde das notwendigste tragen, doch reichen würden diese finanziellen Mittel wohl nicht, um das Sozialzentrum wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. „Es ist aber eine große Solidarität aus vielen Bereichen zu spüren“, sagte Semsch über die vergangenen Tage. „Das ist wirklich toll.“

Gespendete Kleider und Möbel wurden im Feuer zerstört

Sowohl der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa als auch Generalvikar Harald Heinrich hätten bereits finanzielle Unterstützung zugesagt, ebenso wie politische Verantwortliche der Stadt, des Landkreises Augsburg und des Jobcenters. Auch aus der Bevölkerung sei große Hilfsbereitschaft zu spüren. Beispielsweise wollten die Kinder eines Kindergartens etwas für die Menschen basteln, die die Hilfe der Caritas in Anspruch nahmen, und am Donnerstag sei eine Gruppe von 20 Flüchtlingen vorbei gekommen, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Auch Mitarbeiter der Caritas seien jeden Tag vor Ort, um die Arbeiten zu unterstützen.

Gleichzeitig bittet Semsch die Bevölkerung, wieder Kleidung, Geschirr, Kleinteile und Möbel zu spenden, da diese Lager bei dem Brand zerstört wurden: „Die Leute brauchen diese Dinge. Wir sind für jede Spende dankbar“, appellierte er. Bereits ab kommendem Montag können Sachspenden wieder am ursprünglichen Ort in der Depotstraße 5 sowie in der Unterkirche von St. Canisius im Hochfeld abgegeben werden. Abgeholt werden könnten Möbel vorerst leider nicht.

In der kommenden Woche zieht das Sozialzentrum der Caritas dann auch in zwei neue Übergangsdomizile ein: Im Gögginger Pfarrhaus der Kirchenstiftung St. Georg und Michael, Von-Cobres-Straße 8, werden die Beratungsdienste weitergeführt werden. Im Pfarrhaus und der Unterkirche von St. Canisius, Hochfeldstraße 63, sollen eine Kleider- und Kleinteilkammer sowie eine kleine Küche eingerichtet werden.

"Es ist tragisch, dass man den Verdacht der Brandstiftung haben muss"

In der Küche des Sozialzentrums wurden vor dem Brand 300 bis 400 Essen am Tag zubereitet, rund 300 Hilfsbedürftige kamen täglich vorbei. „Dies wird vorerst nicht mehr möglich sein“, sagte Semsch. Es seien auch so viele Menschen jeden Tag gekommen, da sich eine Straßenbahnhaltestelle in der Nähe befand – viele der Hilfesuchenden könnten nicht mehr gut laufen. „Die Depotstraße ist der optimale Platz für uns“, betonte Semsch, „Wir wollen darum auch unbedingt nächstes Jahr wieder in dieses Haus zurück“. Das Haus soll nach dem baldigen Abriss wieder so aufgebaut werden, wie es vor dem Brand war.

Noch liege die Genehmigung nicht vor, doch er gehe davon aus, bereits in der kommenden Woche mit dem Abriss des verbrannte Gebäudes und des noch stehenden, aber kontaminierten, Verwaltungsgebäude beginnen zu können. Da nicht nur Architekt Stefan Schraml und die Stadt Unterstützung versprochen haben, sondern auch einige Baufirmen für die Caritas prüfen wollten, wie sie trotz voller Auftragsbücher helfen können, erlaubte sich Semsch eine – wie er selbst sagte – „utopisch klingende Zusage“: Im Herbst könnten die Bauarbeiten beginnen, kommendes Jahr werde das Haus wieder stehen.

Die Ermittlungen der Polizei hinsichtlich einer möglichen Brandstiftung dauern weiter an, Semsch wolle deshalb keine voreiligen Schlüsse ziehen. „Es ist tragisch, dass man den Verdacht der Brandstiftung haben muss“, sagte er.
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