Ein Stoß mit tödlichen Folgen: Streit zwischen Rentner und Porsche-Fahrer eskaliert

Ein 51-Jähriger muss sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor dem Augsburger Landgericht verantworten. (Foto: 50028697_sebra-123rf.de)

Augsburg - Ein 51-Jähriger soll einen 88-Jährigen im August 2016 auf dem Parkplatz der Hessing Kliniken so stark geschubst haben, dass der Senior stürzte und dadurch eine schwere Kopfverletzung erlitt, an deren Folgen er schließlich verstarb. Vorausgegangen war dem Stoß ein eigentlich harmloser Konflikt. Seit gestern steht der Angeklagte Markus K. (Name geändert) wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge vor dem Augsburger Landgericht.

Der Angeklagte simuliert zu Beginn des Prozesses mit einer schnellen Handbewegung, mit welcher Wucht er den alten Mann zu Boden gestoßen hat. Er habe beide Hände verwendet, um sich - wie er es beschreibt - gegen den Mann, der ihm viel zu nahe gekommen war, zu wehren. Markus K. habe an jenem Tag im August seine Mutter in der Klinik besuchen wollen, schildert er dem Gericht. Er habe sich auf dem Parkplatz nach einem Stellplatz für seinen Porsche umgeschaut. Der 88-Jährige, welcher sich ebenfalls auf dem Parkplatz befand, habe völlig vertieft in seinem Geldbeutel gekramt. Mit einem kurzen Aufheulen des Motors habe der Beschuldigte den Herren darauf aufmerksam machen wollen, den Platz zu verlassen.
Dieser habe sich jedoch dadurch angegriffen gefühlt und ihn infolgedessen als einen "Vollidioten" betitelt, so der Angeklagte. Der Porschefahrer sei daraufhin aus seinem Cabrio gestiegen. "Ich wollte ihn zur Rede stellen, aus welchem Grund er mich beleidigt hat", äußert Markus K. gegenüber der Staatsanwältin. Als der 88-Jährige auf ihn zukam, habe er diesen aus "Angst" zu Boden geschubst, so dass er mit dem Kopf auf den Asphalt aufschlug und benommen am Boden liegen blieb.
Die Verletzungen hatten zur Folge, dass der Geschädigte auch nach mehreren operativen Eingriffen in einem sehr reduzierten Allgemeinzustand verblieben war. Nach dem Verlust der Sehfähigkeit und mehreren Lungenentzündungen starb der 88-Jährige schließlich am 7. Februar 2017.
"Ich wollte niemals, dass es so ausgeht", sagt der Mann auf der Anklagebank. Er macht einen bedrückten und durchaus reumütigen Eindruck, als er erklärt, dass er nicht mehr schlafe und ihm das Geschehen sehr nah gehe. Immer wieder fährt er sich durch den Bart und spielt nervös mit seinen Händen.
Seine Frau, die ebenfalls bei dem Vorfall auf dem Parkplatz anwesend war, bestätigt seine Aussage. "Ich stand in dem Moment völlig unter Schock. Das war alles nicht absehbar", schildert sie mit Tränen in den Augen. Ihr Mann habe sofort Erste Hilfe geleistet, beteuert die Zeugin. "Mein Mann hat seitdem nächtliche Alpträume, ist depressiv und geht kaum noch aus dem Haus", berichtet die Frau mit zitternder Stimme, unter welchen psychischen Folgen ihr Mann bis heute leide.
Die Tochter des Verstorbenen, die als Nebenklägerin anwesend ist und ebenfalls bei dem Vorfall vor Ort war, bestätigt zwar, dass der Angeklagte Erste Hilfe geleistet habe. Sonst zeigt sie sich vor allem fassungslos. Als sie ihren Vater zu Boden fallen sah und sich im Anschluss über ihn beugte, sei ihr erster Gedanke gewesen: "So muss es aussehen, wenn er tot ist", erzählt sie. Die Angehörige zittert und stottert, während sie vor Gericht aussagt. Sie wolle Gerechtigkeit für ihren Vater. Das habe er selbst auch bis kurz vor seinem Tod gewollt. Ihrer Aussage nach sei der Stoß gewollt und mehr als rücksichtslos gewesen. Wie man einen alten Mann mit aller Kraft zu Boden stoßen könne, fragt sie. Das sei einfach unmenschlich.
Bis das Landgericht ein Urteil fällen will, sind noch mehrere Verhandlungstage angesetzt. (
Von Katharina Schwarzott)
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