Fahrlehrer muss hinter Gitter: Haft für Vergewaltigung einer Fahrschülerin

Ein Fahrlehrer wurde zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt, weil er eine Fahrschülerin vergewaltigt hatte. (Foto: Symbolbild/ Christoph Maschke)

Augsburg - Bis zum Schluss beteuerte der Angeklagte seine Unschuld. Doch das Schöffengericht am Amtsgericht Augsburg glaubte der Zeugin mehr. Weil der Fahrlehrer im Februar 2005 eine Fahrschülerin vergewaltigte, muss er für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Den Vorwurf der "schweren Vergewaltigung", so wie es in der Anklageschrift heißt, ließ das Gericht allerdings fallen. "Es kann nicht mit absoluter Sicherheit nachgewiesen werden, dass er ihr K.O-Tropen in den Wein schüttete", begründete Vorsitzender Richter Dr. Thomas Müller-Froelich.

Dabei hatte der letzte Prozesstag für den 47-jährigen aus dem Landkreis Aichach-Friedberg nicht schlecht begonnen. Eine Belastungszeugin, die erst im dritten Anlauf ihre Aussage machen konnte, weil sie vorher krank war, erinnerte sich an Vieles nicht mehr. Nur dass er sie nach bestandener Fahrprüfung zu sich nach Hause zum Essen eingeladen hat. Dabei habe er ihr "völlig unerwartet" einen Kuss auf die Lippen gegeben.

"Mir war nicht wohl dabei und ich ging dann relativ schnell nach Hause", schilderte die 31-Jährige dem Gericht. Er habe zwar versucht, sie zum Bleiben zu überreden, "aber er hat mich nicht aufgehalten", sagte die Informatikerin. "Ich weiß von dem Abend wirklich nicht mehr extrem viel - ganz ehrlich."

Staatsanwältin Katharina Horn hielt dem Angeklagten zugute, dass die Tat bereits 13 Jahre zurückliegt. Sie entdeckte allerdings zahlreiche Widersprüche in seinen Aussagen. Einerseits sei es für ihn tabu gewesen, mit einer Fahrschülerin etwas anzufangen, andererseits habe er Geschenke mit einem Herzchen drauf angenommen. Das passe nicht zusammen.

Ihrer Ansicht nach habe der Fahrlehrer der 31-jährigen Heilpraktikerin "höchstwahrscheinlich" K.O-Tropfen in den Weißwein geschüttet, um sie gefügig zu machen. Die junge Frau habe den 47-Jährigen erst im Oktober 2016 angezeigt, "weil sie ihren inneren Frieden suchte". Außerdem habe sie überhaupt keinen Belastungseifer gezeigt. Die Aussagen der heute 31-Jährigen würden "ein stimmiges Bild" ergeben. Als ehemaliger Rettungssanitäter habe der Angeklagte, der sich die Vorwürfe ruhig anhörte, Zugang zu den K.O-Tropfen gehabt. Die Staatsanwältin sah "keine Gründe und kein Motiv für eine Falschbezichtigung". Katharina Horn bezeichnete die Tat als "verwerflich" und "hinterhältig". Da der Fahrlehrer gute Kontakte in die USA habe, bestehe Fluchtgefahr. Sie forderte daher, einen Haftbefehl zu erlassen.

Für Nebenklägerin Marion Zech waren die Aussagen ihrer Mandantin "absolut glaubwürdig. Niemand macht so eine Aussage aus Jux und Tollerei." Ihre Mandantin habe durchwegs die Details glaubhaft geschildert. "Das kann man nicht einfach erfinden."

Dass der 47-Jährige ins Gefängnis muss, lag nicht an seinem Rechtsanwalt. Werner Weiss listete über eine Stunde Gründe auf, warum sein Mandant unschuldig ist. Die 31-jährige Frau muss diese Stunde schwer gelitten haben, denn der Rechtsanwalt versuchte sie als Lügnerin darzustellen. Zunächst sei er "erschlagen gewesen", von der Polemik, die Horn und Zech in ihren Plädoyers zutage legten. Der Prozess habe ihn auch betroffen gemacht, "weil das jedem von uns passieren kann, falsch beschuldigt zu werden". Es gebe keine realistische Chance, sich gegen diesen Vorwurf zu verteidigen. Weiss versuchte es dennoch. Er kämpfte wie ein Löwe für seinen Mandanten. Statt eines Wasserbettes legte er sich auf zwei Stühle, um zu demonstrieren, dass die Vergewaltigung, wie sie die 31-Jährige schilderte, mit einem durchschnittlichen Penis so nicht stattgefunden haben kann. "Das sind 29 Zentimeter, ich hab's nachgemessen", postulierte er. An die 3000 Fahrschülerinnen habe sein Mandant zwischenzeitlich ausgebildet. "Und es hat nie einen weiteren Vorfall gegeben." Die K.O-Tropfen seien eine reine Erfindung der Zeugin, "um Erinnerungslücken erklären zu können". Er forderte einen glatten Freispruch für seinen Mandanten.

Noch in seinen letzten Worten bestritt der Angeklagte die Vorwürfe vehement. "Ich kann Ihnen schwören", dass ich mit der Tat nichts zu tun habe", beteuerte er. Mittlerweile sei es so, dass sein sechsjähriger Sohn keine Freunde mehr habe, "weil niemand mehr mit ihm spielen darf", klagte der alleinerziehende Vater.

Das Gericht war allerdings überzeugt, dass es damals gegen den Willen der 18-Jährigen zum Geschlechtsverkehr kam. Die Zeugin habe relativ konstant das Kerngeschehen geschildert. "Das kann nicht alles erfunden sein", sagte Richter Thomas Müller-Froelich in der Urteilsbegründung. Sie habe sich die Details nicht ausgedacht. Im Gegensatz zur Staatsanwältin sah der Richter keine Fluchtgefahr. Den beantragten Haftbefehl gab es daher nicht.

Mit dem Urteil ist die Sache noch nicht erledigt. Der Angeklagte und sein Rechtsanwalt wollen "natürlich" Berufung einlegen.
(Von Alfred Haas)
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