Fall Ursula Herrmann: Urteil im Schmerzensgeldprozess verzögert sich bis Juni

Im Fall Ursula Herrmann ist nach wie vor kein Urteil gefallen. Nun will das Gericht eine Tonbandgutachterin erneut anhören. (Foto: 50028697_sebra-123rf.de)

Augsburg - Mit der Verurteilung des Mörders von Ursula Herrmann ist das letzte Wort offensichtlich noch nicht gesprochen. Gestern ordnete das Landgericht Augsburg, unter Vorsitz von Harald Meyer, die erneute Anhörung der Tonband-Gutachterin an. Die Einschätzung der Spezialistin des Bayerischen Landeskriminalamts war letztendlich ursächlich für die Überführung von Werner Mazurek, der in einem Indizienprozess 2010 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Mit dem Beweisbeschluss zeigten sich gestern beide Parteien zufrieden. Denn weder Walter Rubach, Verteidiger von Mazurek noch Joachim Feller, Rechtsanwalt von Michael Herrmann, sind überzeugt, dass mit Mazurek der wahre Täter überführt wurde. Rubach geht es in erster Linie um die Wiederaufnahme des Verfahrens. Dafür seien die Chancen zumindest nicht geringer geworden. "Die Gelegenheit, das Gutachten nochmals zu hinterfragen, lassen wir uns nicht entgehen", diktierte er kurz nach dem Beschluss den zahlreichen Journalisten in die Blöcke und Mikrofone. Rubach ärgerte sich nur darüber, dass der Prozess erst wieder im Juni weitergeht.

Eine Wiederaufnahme des Verfahrens auf Biegen und Brechen wollen Feller und Herrmann nicht erreichen. "Unser Ziel ist die Suche nach der Wahrheit." Die erneute Anhörung der Gutachterin sei "der Weg in die richtige Richtung". Michael Herrmann, der Bruder der getöteten Ursula, ist überzeugt, dass man nun der Aufklärung einen Schritt näherkommt.

Seit Jahren führt Herrmann einen Prozess gegen Werner Mazurek. Weil er während des Mordverfahrens einen Tinnitus erlitten hat, verklagte er Mazurek auf 20 000 Euro Schmerzensgeld. Dabei geht es ihm nicht wirklich ums Geld. Vielmehr möchte er wissen, wer tatsächlich Schuld am Tod seiner Schwester hat.

Er habe viel Zeit gehabt, um sich mit dem Fall zu befassen. "Und je länger ich darüber nachdenke, um so mehr Zweifel habe ich, dass der Richtige verurteilt wurde." Herrmann glaubt nicht, dass das Gutachten über das Tonbandgerät, ein Grundig, stimmt. Beim Prozess spielte es die Hauptrolle. Es wurde bei Mazurek sichergestellt. Laut Gericht hat er damit die Erpresseranrufe abgespielt.

Im Rahmen des Schmerzensgeld-Prozesses wurden zahlreiche Zeugen gehört. Zuletzt zwei Kripobeamte, die im Mordfall Ursula Herrmann ermittelten. "Die haben zur Aufklärung nichts beigetragen", meinte Herrmann. Bei ihrer Vernehmung ließ Walter Rubach nicht locker. Ein ums andere Mal deckte er auf, dass die Ermittler es bei ihrer Arbeit nicht selten an Sorgfalt fehlen ließen. Protokolle wurden nur im Gedächtnis angefertigt und es verschwanden ganze Akten spurlos. Auch einer der Polizeibeamten war überzeugt, dass man "von der Täterüberführung meilenweit" entfernt war.

Jetzt haben die Rechtsanwälte Zeit bis Anfang März. Bis dahin müssen sie ihre Fragen an die Gutachterin schriftlich bei Gericht eingereicht haben. Und Rubach und Feller dürften viele Fragen haben.

Am 15. September 1981 war die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee mit dem Fahrrad auf dem Nachhauseweg. Dort kam sie aber nie an. Der Entführer steckte das Kind in eine Kiste, die in der Erde vergraben war. Weil sich das Luftloch mit Laub verstopfte, erstickte das Mädchen schon in den ersten Stunden. Der Täter forderte trotzdem noch zwei Millionen Mark Lösegeld. Wegen räuberischer Erpressung mit Todesfolge wurde Werner Mazurek zu lebenslanger Haft verurteilt. Er sitzt in einem Lübecker Gefängnis.

Am 21. Juni geht der Prozess weiter. (
Von Alfred Haas)
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