Freispruch für Gerd Koller: Betrugsvorwürfe gegen ehemaligen Friedhofsverwalter nicht haltbar

Gerd Koller kann aufatmen: Nach drei Jahren belastender Ermittlungen und Verfahren wurde der ehemalige Verwalter des Nordfriedhofs und Vorsitzende der Augsburger Innenstadt-CSU gestern freigesprochen. Foto: Monika Grunert Glas

Dieses Urteil kann die CSU-Parteifreunde von Gerd Koller nur freuen, kommt es doch gerade noch rechtzeitig vor der Wahl: Der Chef des Innenstadt-Ortsverbands, der frühere Verwalter des Nordfriedhofs, Gerd Koller, wurde gestern freigesprochen. Die gegen den 66-Jährigen erhobenen Vorwürfe der gemeinschaftlichen Unterschlagung und des gewerbsmäßigen Betrugs erwiesen sich als nicht haltbar.

Sie beschrieben ihn als überaus korrekten Mann, als einen, der akribisch darauf achtete, dass Vorschriften eingehalten wurden und alles seine Richtigkeit hatte. Die drei Männer, die teils seit vielen Jahren auf dem Nordfriedhof arbeiteten und im Juni in erster Instanz verurteilt worden waren, gaben unumwunden zu, sich - in ihrer Freizeit - ein paar Euro nebenbei verdient zu haben, doch ihr Chef, Verwalter Gerd Koller, habe davon nichts gewusst, sagten sie unisono. Wenn, dann hätte dieser sicherlich Bedenken angemeldet, meinten sie.

Angesetzt waren für die Verhandlung mehrere Tage, gestern Vormittag aber ging der Prozess gegen Koller schon zu Ende. Mehrere Zeugen wurden abgeladen. Man benötigte ihre Aussagen nicht mehr. Nicht nur die Verteidigung plädierte auf Freispruch, auch die Staatsanwaltschaft war zu der Erkenntnis gelangt, dass man dem mittlerweile pensionierten Mann nichts Ungesetzliches nachweisen könne.

Seit rund drei Jahren beschäftigt die sogenannte "Friedhofsaffäre" die Stadt. 2015 kam auf, dass auf dem Nordfriedhof eventuell nicht alles korrekt laufen könnte. Ein unzufriedener Mitarbeiter beklagte sich über permanentes Mobbing und behauptete, mehrere Friedhofsarbeiter würden in die eigene Tasche wirtschaften. Sie würden - während ihrer Arbeitszeit - auf eigene Rechnung Gräber auflösen und gebrauchte Grabsteine unter der Hand weiterverkaufen. Der 40-Jährige hatte gewissermaßen auf eigene Faust "ermittelt". Seine Kollegen fühlten sich schließlich schier verfolgt von ihm, wenn er sie beispielsweise beim Arbeiten fotografierte. Er wurde dann wegen psychischer Probleme mehrere Monate lang krank geschrieben und versetzt.

Was ging nun auf dem Nordfriedhof vor sich? Etwa 14 000 Gräber gibt es dort. Ab und zu - angeklagt waren 13 Fälle binnen eines Jahres - kamen Grabbesitzer auf Friedhofsmitarbeiter zu und fragten diese hinsichtlich bevorstehender Grabauflösungen um Rat. Manchen wurde dann angeboten, sie bräuchten keinen Steinmetz zu beauftragen, die Abräumung könnten sie selbst erledigen - oder ein von ihnen Beauftragter. Die Friedhofsangestellten erboten sich, für kaum mehr als ein Trinkgeld (laut Anklage flossen je nach Aufwand zwischen 80 und maximal 350 Euro, ein Zubrot, das sie sich teilten), das Nötige zu erledigen. Eigentlich dürfen die städtischen Angestellten seit 2011 nur dann Gräber auflösen, wenn sich kein Angehöriger mehr dafür findet. Ob sie in ihrer Freizeit tätig werden dürfen, ist sicherlich fraglich. Auch darum, wann sie tätig wurden, dürfte es in der Berufung vor dem Landgericht gehen. Denn alle drei verurteilten Friedhofsarbeiter haben gegen die Bewährungsstrafen mit Geldauflagen in vierstelliger Höhe, zu denen sie im Juni verurteilt wurden, Widerspruch eingelegt. Noch gibt es keinen Termin für den Prozess.

Auch Angehörigen von Verstorbenen, die angesichts dessen, was ein neuer Grabstein kostet, ratlos waren, wurde geholfen. Man bot günstige gebrauchte Grabsteine, die von Auflösungen übrig waren, an. Das war auch legitim, allerdings hätte man die dafür eingenommenen Gelder sauber verbuchen müssen. Dass die Mitarbeiter hier möglicherweise schluderten, davon habe Gerd Koller keine Kenntnis gehabt, urteilte gestern das Gericht unter Vorsitz von Ulrike Ebel-Scheufele. Er hatte zwar selbst Aufträge angenommen, diese dann aber delegiert und nicht mehr kontrolliert. Das wirft eventuell die Frage auf, ob ein Vorgesetzter dazu in jedem Fall verpflichtet wäre, ist aber strafrechtlich ohne Belang.

Ein besonderes "G'schmäckle" bekam die Friedhofsaffäre dadurch, dass Gerd Koller und die mitangeklagten Angestellten nicht nur Kollegen, sondern auch Parteifreunde sind, die zusammen im CSU-Ortsverband Innenstadt aktiv waren. Koller wurde im Sommer 2017 zum Vorsitzenden gewählt, ließ aber nach Anklageerhebung, wie die anderen, das Amt ruhen.
(Von Monika Grunert Glas)
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