Großer Coup vor Gericht: Fünf Männer stehlen Glühbirnen für über 100.000 Euro

Fünf Männer stahlen Glühbirnen im Wert von mehr als 100.000 Euro. Nun mussten sie sich vor dem Amtsgericht verantworten. (Foto: skycinema/ 123rf.com)

Augsburg - Wegen schweren Bandendiebstahls mussten sich jetzt fünf Männer vor dem Schöffengericht in Augsburg verantworten. Ihnen wurde zur Last gelegt, zwischen April 2015 und Oktober 2016 hochwertige Lampen bei einem großen Augsburger Hersteller gestohlen zu haben. Darunter waren auch teure Xenon-Lichter für Autos. Die Beute hatte einen Großmarktwert von 105 000 Euro, "im Einzelhandel noch um ein Vielfaches mehr", wie ein Firmenvertreter erklärte. Unter Vorsitz von Baptist Michale verurteilte das Gericht vier Diebe zu Freiheitsstrafen, einer kam mit einer Geldstrafe davon.

Staatsanwalt Andreas Kraus sprach von einem "besonders dreisten" Vorgehen und von einer "Einnahmequelle von nicht unerheblichem Umfang". Alle fünf Angeklagten, zwischen 30 und 56 Jahre alt, waren als Lageristen bei einer Gersthofener Spedition beschäftigt, die die Lampen in einer Halle an der Bozener Straße in Lechhausen lagerte. Insgesamt wurde der Lampenhersteller um 15 000 Leuchtmittel erleichtert. Im April 2016 war ein letzter Coup geplant. Der Arbeitgeber hatte angeblich den einen 30-Jährigen "auf dem Kieker", und deshalb sollte ihm "noch eins reingewürgt" werden. So fuhren die fünf Männer gleich mit einem Laster vor, um ihre Beute abzutransportieren. Das werteten Gericht und Staatsanwalt als besonders schwer. Zwei Jahre und vier Monate muss der 30-Jährige ins Gefängnis, obwohl sein Verteidiger Michael Tusch auf dessen "psychische Störungen" hinwies.

Der 56-jährige Lagerleiter, ein Komplize, den Rechtsanwalt Ralf Schönauer vertrat, wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verurteilt. Er hatte dafür gesorgt, dass an dem Abend, als der Coup startete, keine Arbeiter mehr da waren: "Ich habe alle nach Hause geschickt", gab er zu. Innerhalb von zehn Minuten war der Beutezug erledigt. Die knapp 2600 Lampen wurden in der Garage eines Hehlers in einem Hinterhof im Kreis Aichach-Friedberg zwischengelagert. Der Lagerleiter - "Ich habe mich zu schnell breitschlagen lassen" - bekam für seinen Einsatz einen Alfa Romeo im Wert von 4000 Euro.

Am härtesten traf das Gesetz den ebenfalls 30 Jahre alten Rädelsführer, den Kopf der Bande. Er organisierte die Diebstähle und arrangierte den Weiterverkauf, während die anderen vier die Lampen stahlen und bei ihm ablieferten. "Warum haben Sie nicht selber geklaut?", wollte Richter Michale wissen. "Ich habe mich nicht getraut", war die Antwort. Er kaufte den Zehnerpack Lampen für 40 Euro an und verkaufte ihn für 80 Euro weiter. Dabei habe er nicht gewusst, welchen Wert die einzelne Leuchte tatsächlich hatte. Der 30-Jährige hatte zwei Rechtsanwälte mitgebracht: Thilo Robeller und Dominik Hofmeister. Er kam trotzdem nicht um eine Haftstrafe herum. Drei Jahre muss er hinter Gitter. Der 39-jährige Mitangeklagte, vertreten durch Felix Dimpfl, bekam zehn Monate auf Bewährung. Ein 33-Jähriger, der nur zweimal zugelangt hatte, kam mit einer Geldstrafe von 4050 Euro davon. Er wurde von Klaus Rödl verteidigt. Keiner der fünf war bislang vorbestraft, das wirkte sich positiv auf das Strafmaß aus. Sie entschuldigten sich und wollen den Schaden wiedergutmachen.

Während ein Angeklagter arbeitslos ist und einer die Firma verließ, arbeiten drei Männer noch immer in der Spedition. Sie bedankten sich nach sechsstündiger Verhandlung bei ihren Chefs "für das Vertrauen, das sie uns entgegen bringen".

Wie ein Mitarbeiter des Lampenherstellers sagte, kam man Anfang 2016 dahinter, dass Ware im großen Umfang fehlte. Die Täter habe man zunächst allerdings nicht ausfindig machen können. Erst durch einen "glücklichen Umstand" sei man ihnen auf die Spur gekommen. Im Internet wurden Leuchtmittel angeboten, die eigentlich im Lager des Lampenherstellers hätten sein müssen. Über den Internet-Account des Betreibers kam die Kripo schließlich auf den 30-Jährigen Kopf der Bande. "Er nannte uns dann die anderen vier Namen", erläuterte ein Ermittler. 2000 Glühbirnen konnten schließlich noch sichergestellt werden. (
Von Alfred Haas)
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