Indizien sind nicht ausreichend: Fall Ursula Herrmann wird nicht neu aufgerollt

Michael Herrmann lässt der Fall seiner getöteten Schwester keine Ruhe. Nun hat er über seinen Anwalt Joachim Feller bei der Staatsanwaltschaft Augsburg Unterlagen eingereicht. (Foto: Alfred Haas)

Der Fall Ursula Herrmann wird nicht neu aufgerollt. Das hat die Augsburger Staatsanwaltschaft nun mitgeteilt. Der Bruder des 1981 am Ammersee entführten und getöteten Mädchens hatte Zweifel an der Schuld des verurteilten Täters Werner M. und hat deshalb bei der Staatsanwaltschaft Unterlagen zur Überprüfung eingereicht. Michael Herrmann war überzeugt, neue Indizien gefunden zu haben.

Die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee befand sich im September 1981 mit dem Fahrrad auf dem Heimweg von der Turnstunde, als sie entführt wurde. Wenig später ging eine Lösegeldforderung über zwei Millionen D-Mark ein. Im Oktober wurde das Mädchen tot aufgefunden. Sie erstickte in einer im Wald vergrabenen Holzkiste, weil das Luftloch mit Laub verstopft war.

2008 wird Werner M. verhaftet. Der Fernsehtechniker war bei der Polizei bereits bekannt. Er wohnte nur rund 300 Meter von Ursula Herrmanns Elternhaus entfernt. Die Tat bestritt der heute 69-Jährige vehement. Das Gericht verurteilte ihn 2010 nach einem Indizienprozess wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge zu einer lebenslangen Haftstrafe. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil 2011.

Doch Ursula Herrmanns Bruder ist nicht überzeugt, dass M. tatsächlich der Täter ist. Er hält es für unwahrscheinlich, dass ein einzelner Mann die Tat ausgeführt haben kann. Der Bruder des Opfers hoffte, dass durch ein Zivilverfahren der gesamte Fall noch einmal aufgerollt werden würde. So verklagte Herrmann M. auf 20 000 Euro Schmerzensgeld, denn durch den Strafprozess leide er an Tinnitus. Der Plan, die Tat in einem Zivilprozess neu zu durchleuchten, misslang jedoch.

So reichte Herrmann im März 2019 neue Hinweise bei der Staatsanwaltschaft ein. Er hatte 25 000 Seiten Aktenmaterial durchsucht und sei auf Ungereimtheiten gestoßen. Herrmann glaubte, Spuren gefunden zu haben, die zu einem Elite-Internat in Schondorf führen und die die Polizei nicht weiter verfolgt hatte. So ließ er etwa die Erpresserbriefe untersuchen. Dabei wurde der Durchdruck einer Skizze aus der Stochastik entdeckt, die in der Oberstufe unterrichtet wird. Zudem wurde am Tatort grüner Draht gefunden, der zwei Jahre nach der Tat bei Schülern des Internats wieder auftauchte.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft sind die Indizien jedoch nicht ausreichend, um den Fall noch einmal neu aufzurollen. Aus den Hinweisen „ergeben sich keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für verfolgbare Straftaten anderer Personen“, heißt es in der Begründung. Die Hinweise seien bereits nicht geeignet, um das Verbrechen als Mord statt als erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge einzustufen. Erpresserischer Menschenraub verjährt jedoch nach 30 Jahren. „Die Hinweise bieten zudem keine ausreichende Grundlage dafür, das Gesamtgefüge der Indizien, auf dem das rechtskräftige Urteil des Landgerichts Augsburg vom 25. März 2010 basiert, zu erschüttern. Die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme des Verfahrens von Amts wegen liegen damit nicht vor“, so die abschließende Bewertung der Staatsanwaltschaft.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.