"Komm runter, du faule Kuh": Augsburger Paketbote wegen Beleidigung einer Kundin vor Gericht

Weil er eine Kundin als "faule Kuh" bezeichnet hatte, stand nun ein Paketbote in Augsburg vor Gericht. (Foto: Symbolbild https://de.123rf.com/profile_bialasiewicz)

Wegen Beleidigung muss ein Paketbote nun 1250 Euro Strafe zahlen. Dazu verurteilte ihn Richterin Ulrike Ebel-Scheufele am Augsburger Amtsgericht. Sie ist überzeugt, dass der Rumäne eine Kundin, eine Landsmännin von ihm, unflätig beschimpft hat.

Der 32-jährige Angeklagte arbeitet seit einem Jahr für den Paketzusteller, obwohl er so gut wie gar keine Deutschkenntnisse hat. Er und seine 28 Jahre alte Kundin, die in einem Studentenwohnheim in Augsburg lebt, obwohl sie nach eigenen Angaben keine Studentin ist, stellen das, was sich im vergangenen November ereignet hat, völlig unterschiedlich dar.
Der Zusteller sagte, er habe der Frau ein Paket bringen wollen und deshalb unten am Wohnheim geklingelt. Über die Sprechanlage habe er nicht verstanden, was diese zu ihm sagte – nämlich, wie sie ausführte, dass er zu ihr in den ersten Stock kommen solle. Zumal er in der Vorweihnachtszeit noch mehr im Stress war als ohnehin schon – er hatte pro Tag 200 Sendungen auszuliefern – wartete der Paketbote nicht mehr allzu lange und fuhr unverrichteter Dinge weiter. Die junge Frau aber kam doch noch herunter und rannte ihm in Hausschuhen, auf dem Arm einen Welpen, hinterher: „Es war ein wichtiges Paket, ich hatte sogar eine Extragebühr für Expresslieferung bezahlt.“

Bei der nächsten Adresse, an der der 32-Jährige etwas abzugeben hatte, holte sie ihn ein. Sie habe den Zusteller vermutlich „angezickt“, meinte Staatsanwalt Martin Neumann, sei aber im Recht: Ihm würden seine Pakete auch immer an der Wohnungstür übergeben, er müsse nicht extra runterlaufen zur Pforte der Wohnanlage. „Ja genau, in der Werbung ist das auch so“, sagte die 28-Jährige. „Der freundliche Bote kommt an die Wohnung!“ Das Verhalten des Zustellers regte sie derartig auf, dass sie fand, dessen Arbeitgeber müsse davon erfahren und ihm kündigen. Sie rief die Polizei. Diese sollte die Beschwerde ihrer Meinung nach in die Wege leiten.

Weil sie ihn, bis die Beamten eintrafen, am Fortsetzen seiner Tour hinderte, und „weil ich das schon kenne, die haben keinerlei Respekt vor Frauen“, habe ihr Landsmann sie dann in der gemeinsamen Muttersprache unter anderem als „ungewaschene Nutte“ beleidigt. Sie „faule Kuh“ solle gefälligst ihren Hintern herunter bewegen, wenn er klingle, wegen ihr werde er nicht in den ersten Stock laufen, habe er geschimpft.

Der Zusteller bestritt das. Er sei völlig ruhig geblieben, behauptete er. Das glaubten ihm Richterin und Staatsanwalt nicht. Es sei ja auch nachvollziehbar, dass der eilige Bote sauer gewesen sei über den Zwischenfall. Da half ihm auch ein Arbeitszeugnis nichts, in dem sein freundliches, kundenorientiertes Wesen über den grünen Klee gelobt wird.

Dass er sein Monatseinkommen mit 1600 Euro bezifferte und nicht geständig war, beeinflusste schließlich die Höhe der Strafe zweifach negativ. Der ursprüngliche Strafbefehl gegen ihn war auf 800 Euro dotiert gewesen, 40 Euro als Tagessatz. Nun werden 25 Tagessätze zu je 50 Euro fällig.

Die Kundin berichtete überdies, seit dem Vorfall im November erhalte sie von diesem Paketdienstleister gar keine Sendungen mehr. Stets werde behauptet, sie sei bei der Zustellung nicht zuhause gewesen, so dass sie die Lauferei habe, um ihre Ware Tage später irgendwo abzuholen.
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