Mann filmt heimlich Nachbarinnen in Unterwäsche

Ein 35-jähriger Diplommathematiker aus Augsburg stand nun vor Gericht, weil er seine Nachbarinnen filmte, wenn sie zum Beispiel nur mit Unterwäsche bekleidet Hausarbeit erledigten. Symbolbild: wawritto, 123rf.com

Es ist ein Albtraum für eine Frau: Heimlich wird sie von einem Fremden in ihrer Wohnung gefilmt. In den eigenen vier Wänden, in denen man sich sicher und geborgen fühlen möchte und so frei, auch einmal leichter bekleidet im Wohnzimmer zu sitzen. Vier Frauen aus dem Hochfeld müssen nun sehen, wie sie mit dieser Verletzung ihres höchst persönlichen Lebensbereichs klar kommen. Denn sie ahnten nicht, welch perversen Neigungen ihr ansonsten unauffälliger Nachbar von Gegenüber frönte: Der 35-jährige Diplommathematiker beobachtete sie und filmte sie, wenn sie zum Beispiel nur mit Unterwäsche bekleidet Hausarbeit erledigten.

Die vier Frauen fielen aus allen Wolken, als eines Tages Mitte vergangenen Jahres die Polizei klingelte und ihnen mitteilte, sie seien von einem Nachbarn gefilmt worden. Es gebe Material, auf dem sie zu sehen seien, wie sie in der Wohnung umhergingen. Eine schminkte sich am Fenster und trug dabei nur BH und Slip, eine andere erledigte Hausarbeit in Unterwäsche. Die anderen beiden waren angezogen. Auf den Filmen ist zu hören, wie der Mathematiker stöhnt und Kommentare abgibt: "Scheiße, ist die scharf!" Die Frauen, berichtete der ermittelnde Polizeibeamte, seien "ziemlich erschüttert" gewesen, "verängstigt und verunsichert". Zwei erstatteten Anzeige. Die Frauen fragten auch, ob sie nun Angst haben müssten, dass der seltsame Nachbar eines Tages vor ihrer Tür stehen würde: "Leider habe ich ihnen da nicht helfen können", bedauerte der Polizeibeamte. Denn der 35-Jährige blieb ja auf freiem Fuß.

Bereits achtmonatige Freiheitsstrafe verbüßt

"Warum machen Sie so etwas?", wollte Richter Ralf Hirmer wissen. "Das ist bei mir ne Störung, das blitzt immer wieder mal auf", antwortete der Akademiker. Dass er ein Problem hat, hat der Mathematiker also inzwischen selbst eingesehen. Er wurde bereits 2012 wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verurteilt. Er hatte sich als Exhibitionist gezeigt und bekam eine achtmonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. 2014 stand er wegen Beleidigung vor dem Richter, er musste eine Geldstrafe zahlen. "Ich habe mit einer Verhaltenstherapie begonnen, bin aber noch ganz am Anfang", sagte er Richter Ralf Hirmer. Weil er von Anfang an geständig war - was hätte er auch leugnen können, es gab ja die Filmaufnahmen - wurden die Frauen nicht als Zeugen zur Verhandlung geladen.

Auf die Spur kam man dem Spanner nur durch Zufall. Bei einer Kontrolle in einer Bar in der Innenstadt Ende April 2017 fand man Marihuana bei ihm. Es folgte eine routinemäßige Durchsuchung seiner Wohnung. Dort stieß man außer auf gut sechs Gramm Stoff noch auf diverse Speichermedien. "Es hätte ja auch sein können, dass er mit Drogen handelt", erklärte der Polizeibeamte. Deshalb kontrollierte man auch Handy und Laptop - und eine Digitalkamera. Auf dieser fanden sich die heimlich gemachten Filme der Nachbarinnen.

Geldstrafe wegen Marihuanabesitzes

Verteidiger Walter Rubach wies darauf hin, dass die Frauen erst durch die Ermittlungen traumatisiert worden seien: "Zuvor hatten sie ja gar nichts gemerkt." Das sei oft das Störende an derartigen Verfahren. Ansonsten fand der Verteidiger, die Forderung von Staatsanwalt Stephen Soßna sei "sehr vernünftig und angemessen". Dieser hatte für eine achtmonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, plädiert, sowie 1000 Euro Geldauflage und die Fortsetzung der Therapie für noch mindestens ein Jahr.

Richter Ralf Hirmer folgte in seinem Urteil dem Staatsanwalt, setzte aber noch eins drauf; der Mathematiker, der nach eigener Aussage 2014 seinen Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität aufgab und sich als Nachhilfelehrer für Studenten selbstständig machte, womit er 900 Euro verdient, muss 3000 Euro an den Bunten Kreis zahlen. Wegen des Marihuanabesitzes war der 35-Jährige bereits im September zu einer Geldstrafe in Höhe eines Monatsgehalts verurteilt worden. 
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