"Perfide und verachtenswert": Falsche Polizisten machen der Polizei zu schaffen

Marco Böck, Leiter des Bereichs Verbrechensbekämpfung (rechts), stellte zusammen mit Polizeipräsident Michael Schwald die Kriminalstatistik für Nordschwaben vor. Foto: Janina Funk

Die Opfer heißen Ingrid, Irmgard und Theresia. Wegen ihrer Vornamen wählten die Täter sie aus. Der Leiter des Bereichs Kriminalitätsbekämpfung im Polizeipräsidium Schwaben-Nord, Marco Böck, wird wütend, als er im Zuge der Pressekonferenz zur Kriminalstatistik die Masche der Verbrecher erläutert. "Gezielt werden Telefonbücher nach alten Namen durchforstet", sagt er. Dann erfolge der Anruf.

Das Telefon klingelt, der Anrufer gibt vor, von der Polizei zu sein. Er berichtet, dass angeblich eine Bande von Einbrechern unterwegs sei oder Ermittlungen zu Falschgeld geführt würden. Der Anrufer fragt, ob Wertsachen im Haus sind oder Geld auf der Bank ist. Dann erklärt der angebliche Polizist, dass die Wertsachen zu Hause nicht mehr sicher seien. Er bietet an, dass die Polizei die Gegenstände oder das Geld verwahren werde, bis die Ermittlungen abgeschlossen seien. Schließlich schicken die Täter einen falschen Polizisten für die Übergabe der Wertsachen oder des Geldes zur Wohnung ihres Opfers.

In anderen Fällen treten falsche Polizeibeamte in Uniform oder auch in Zivil in der Öffentlichkeit auf und bereichern sich bei vermeintlichen Kontrollen. Etwa mit einer "Überprüfung" oder "Sicherstellung" von Geld und Wertsachen oder durch ein "Erheben eines Verwarnungsgeldes".

Es sei "perfide und verachtenswert", dass Menschen auf diese Weise betrogen würden, ärgert sich Böck. Im vergangenen Jahr habe es in Nordschwaben wiederholt solche Fällen gegeben. Die Anrufer befinden sich überwiegend im Ausland und arbeiten eng mit Geldabholern vor Ort zusammen, erklärt der echte Polizist.

Falsche Polizisten: Zugriff in Stadtbergen

Wie sich Angerufene verhalten sollen, zeigte im November 2017 ein Rentner aus Stadtbergen. Der 80-Jährige wurde von falschen Polizisten in mehreren Telefonanrufen aufgefordert, eine größere Geldsumme im fünfstelligen Eurobereich an einen angeblichen Kollegen zu übergeben. Er durchschaute die Masche jedoch und informierte die Polizei. Bei der vereinbarten Geldübergabe schlugen die echten Beamten dann zu: Sie nahmen zwei 24 und 25 Jahre alte Männer aus Nordrhein-Westfalen fest, die für die Übergabe mehrere hundert Kilometer nach Stadtbergen gereist waren.

Auch Ingrid, Irmgard und Theresia sollten unbedingt die echte Polizei rufen, wenn sie ähnliche Anrufe bekommen, betont Böck - und ergänzt: "So heißt auch meine Mutter, ich muss unbedingt nochmal mit ihr darüber sprechen." (jaf)
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