Pfarrer betrogen: 44-Jähriger muss ein Jahr und neun Monate in Haft

Zu einem Jahr und neun Monaten Haft hat das Amtsgericht einen 44-Jährigen verurteilt, der einen Pfarrer betrogen hat. (Foto: Skycinema, 123rf.com)

Augsburg (mg) Ein Jahr und neun Monate Haft: So lautet das Urteil, das Richter Alexander Müller gestern am Amtsgericht Augsburg wegen Betrugs in vier Fällen und versuchten Betrugs gegen einen 44-Jährigen verhängte.

Der Richter ist überzeugt, dass der Mann einen emeritierten Geistlichen um 15 500 Euro betrogen hat - und beinahe um weitere 36 000 Euro erleichtert hätte, wenn das nicht aufmerksame Bankmitarbeiter verhindert hätten (wir berichteten).

Ein Angeklagter, der sich vor Gericht derart respektlos verhalte, sei ihm noch nie begegnet, meinte Alexander Müller. Mehrfach wies er den 44-Jährigen zurecht, sei es wegen Kaugummikauens oder unangebrachten Grinsens. "Belehren Sie Ihre Kinder, aber nicht mich", erwiderte der Angeklagte.

Der 44-Jährige behauptete, er könne gar nicht der Täter sein, schon weil er an dem Tag, als der tatsächliche Betrüger den Pfarrer abholte und ihn nach München fuhr, um dort Geld von der Bank Geld abzuheben, in Berlin gewesen sei. Und zwar bei einem Anwalt. Dieser konnte gestern nicht mit völliger Sicherheit sagen, dass der Angeklagte an dem fraglichen Tag in seiner Kanzlei war.

Der 83-jährige Geistliche hatte den Angeklagten, der 14 meist einschlägige Vorstrafen hat, vor Gericht eindeutig als denjenigen identifiziert, der ihm von traumatischen Erlebnissen im Afghanistan-Krieg berichtet und für eine angebliche Therapie 15 500 Euro abgeschwatzt hatte. "Einen so glaubwürdigen Zeugen wie den Pfarrer hat man ganz selten", sagte Staatsanwältin Marlies Dorn und forderte ein Jahr und zehn Monate Haft. Verteidiger Franz Wittl aus München sah es anders. Er kritisierte die Polizeiarbeit, zweifelte die Zeugenaussage des Pfarrers an und plädierte auf einen Freispruch.

Richter Alexander Müller betonte, der Angeklagte habe gezielt die Gutmütigkeit und Großzügigkeit des Pfarrers ausgenützt. Es gebe viel zu viele, die Senioren nach ähnlichen Mustern "ausnähmen".

Von dem Angeklagten werden zudem 15 500 Euro Wertersatz eingezogen.
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