"Und schon spritzte das Blut": Opfer sagen im Prozess um versuchten Mord in Gersthofer Diskothek aus

Die Opfer eines Messerstechers in einer Gersthofer Diskothek haben nun vor dem Augsburger Landgericht ausgesagt. (Foto: 15092745_©Robert Wilson-123rf.de)

Augsburg - Tragische und bleibende Folgen schilderten die Opfer einer Messerattacke nun vor der Jugendkammer am Augsburger Landgericht unter Vorsitz von Lenart Hoesch. Wie berichtet, hat sich derzeit ein 18-Jähriger wegen versuchten Mordes zu verantworten. Er hat in einer Gersthofener Discothek drei Männer schwer verletzt.

Das erste Opfer, ein 29 Jahre alter Maurer aus Krumbach, schilderte dem Gericht, was sich in einer Nacht im Juni vergangenen Jahres in dem Tanzlokal abspielte. Demnach kam es zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung mit dem Angeklagten. Grund dafür sei angeblich gewesen, dass er eine junge Frau aus dem Bekanntenkreis des 18-Jährigen begrüßte.

Der Angeklagte, ein abgelehnter Asylbewerber aus Albanien, wurde zunächst von Türstehern festgehalten. "Dann konnte er sich losreißen und fuchtelte plötzlich mit einem Messer herum." Ob der Angeklagte gezielt nach ihm gestochen habe, wollte der Richter wissen. "Das könnte schon sein", meint der 29-Jährige. Der Maurer besuchte damals mit seinem Cousin die Disco, dieser bekam einen Stich in den Rücken. Er selbst wurde an der rechten Wange verletzt. Vor dem Vorfall, der sich gegen 3 Uhr morgens ereignete, kannte er den Angreifer nicht: "Er ist er auf einmal auf mich losgesprungen, und schon spritzte das Blut." Im weiteren Verlauf seiner Befragung wies er Erinnerungslücken auf. Diese begründete er damit, dass er am Tatabend betrunken gewesen sei - obwohl er lediglich zwei Whiskey-Cola konsumiert hatte. Schließlich stellte sich heraus, dass er dem Angeklagten "einen Fußtritt mitgegeben" hatte, als dieser schon am Boden lag. "Ich habe zwei Liter Blut verloren und um mein Leben gekämpft", rechtfertigte er widersprüchliche Aussagen. "Da müssen Sie schon entschuldigen, dass ich mich nicht mehr genau erinnern kann, wie sich alles abspielte", beschied er das Gericht. Nach dem Messerstich in die Wange lag er neun Tage im Krankenhaus. Immer noch könne er den Mund nicht mehr richtig öffnen und habe Probleme beim Kauen, berichtete er. Der Angeklagte entschuldigte sich "für das, was passiert ist".

Das zweite Opfer, ein 30-Jähriger Fensterbauer aus Bayreuth, hatte beobachtet, wie der Angeklagte dem dritten Opfer das Messer in den Rücken stach. Er selbst erlitt einen Stich in den Hals. In die Streitigkeiten sei er nur verwickelt worden, weil er schlichten wollte: "Ich hatte große Angst. Ich dachte, ich sterbe, weil ich keine Luft mehr bekam", sagte er. Seit der Attacke leide er unter Schlafstörungen und träume von seinem Tod. "Ich bin sehr oft traurig und weine viel", sagte der kräftige Mann. Richter Hoesch fragte, ob er eine Therapie in Erwägung ziehe. "Vielleicht", war die Antwort. Auf Anraten seines Bayreuther Rechtsanwalts Wolfgang Schwemmer wollte er nicht mehr dazu sagen. Er muss sich wegen der Vorfälle in der Disco wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

"Der Herr hat meine Familie beleidigt", erinnerte sich das dritte Opfer, ein 27-jähriger Gerüstbauer aus Krumbach, noch genau daran, warum er sich eingemischt hatte. Er ist der Cousin des ersten Zeugen und das erste Opfer des Angeklagten, der ihm das Messer in den Rücken rammte. Allerdings verwickelte sich auch dieser Zeuge in Widersprüche, die er damit zu rechtfertigen suchte, dass er "traumatisiert" sei. Auch, ob er wegen des Messerstichs nun drei Tage oder eine Woche im Krankenhaus war, wusste der Zeuge nicht mehr. Allerdings musste er seinen Job als Gerüstbauer aufgeben: "Ich kann meinen Arm nicht mehr schmerzfrei heben."

Der Angeklagte sitzt seit der Tatnacht in Untersuchungshaft. Das Jagdmesser, mit dem er die drei Männer schwer verletzte, wollte er angeblich seinem Vater schenken und hatte es nur zufällig in der Discothek dabei: "Ich hatte vergessen, es aus der Hosentasche zu nehmen", sagte der 18-Jährige. Es ist übrigens spurlos verschwunden.

Mit Zeugen, die nun behauptete, nichts gesehen zu haben, obwohl sie dabei waren, ging der Vorsitzende Richter Lenart Hoesch nicht zimperlich um. "Wenn Sie meinen, Sie können uns hier irgendwas erzählen, dann müssen Sie damit rechnen, dass Sie den Raum nicht als freier Mann verlassen. Wir machen hier keine Witzveranstaltung", wies er beispielsweise einen 21-Jährigen zurecht. Auch die Staatsanwältin drohte dem jungen Mann, der den Angeklagten offenbar in Schutz nehmen wollte, mit der Arrestzelle im Keller: Ihrer Ansicht nach log er, "dass sich die Balken biegen". Hoesch meinte: "Wir haben klare Vorstellungen, in welchem Milieu wir uns bewegen." Der Prozess wird am 27. April fortgesetzt. (
Von Alfred Haas)
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