Wilderei in 50 Fällen: 54-Jähriger aus dem Landkreis Augsburg stellt sich selbst Jagdschein aus

Ein 54-Jähriger hat sich selbst einen Jagdschein ausgestellt. Wegen Wilderei in 50 Fällen musste er sich nun vor Gericht verantworten. (Symbolbild) (Foto: olegdudko/123rf.com)

Man möchte sagen, hier hat einer einen kapitalen Bock geschossen. Im wahrsten Sinne des Wortes. In der vergangenen Woche musste sich ein 54-Jähriger vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten. Ihm wurde Jagdwilderei in 50 Fällen zur Last gelegt. Außerem hatte er sich selbst einen Jagdschein ausgestellt - und war zu allem Übel noch ohne Fahrerlaubnis mit seinem Landrover unterwegs.

Verteidigt von Rechtsanwalt Walter Rubach, räumte der Angeklagte alle Vorwürfe bis auf einen ein: Gestohlen, berichtete er, habe er die Jagdschein-Formulare - in seinem Tresor fanden sich gleich mehrere - nicht. Rubach erklärte, sein Mandant habe diese im Internet direkt bei der Druckerei, die derartige Scheine eigentlich nur an Kommunen und Behörden verkaufe, bestellt. "Da ist dort vielleicht ein Fehler passiert", begründete er den Umstand, dass der 54-jährige an die Papiere kommen konnte. Dieser drückte sodann einen Datumsstempel sowie ein Siegel des Landratsamts drauf, nahm seine Mauser-Repetierbüchse K 98 und ging auf die Pirsch.

Zwischen Mai 2015 und November 2017 sind 50 Fälle belegt, in denen der gelernte Karosserie- und Fahrzeugbaumeister in einem Revier in den Stauden Rehböcke, -geißen, -kitze und ein Wildschwein erlegte. Das wisse man so genau, berichtete ein Polizeibeamter, weil der Angeklagte einen festen Begehungsbezirk hatte und Abschusslisten führen musste. Wild gehört dem Forstamt, der Jäger muss es entweder dort abgeben oder es kaufen.

Der 54-Jährige, für den die Jagd "Passion" ist, wie Rubach erläuterte, besaß einst einen regulären Jagdschein. Dieser war bis März 2015 gültig. Allerdings wurde der Angeklagte im Oktober 2013 zum wiederholten Mal wegen Trunkenheit im Straßenverkehr verurteilt. Man nahm ihm zudem den Führerschein. Zwei Monate später wurde ihm die waffenrechtliche Erlaubnis entzogen. Seine Jagdberechtigung hätte er wohl ebenso verloren. Bevor die Behörden tätig werden konnten, gab er sie im Januar 2014 freiwillig zurück.

Doch Nimrods Trieb war stärker. Zweieinhalb Jahre lang stellte er unbehelligt dem Wild nach.

Mitten im Wald klickten die Handschellen

Wie sagt man so schön? Die Welt ist ein Dorf, geredet wird überall, und so kam 2017 schließlich dem Leiter des zuständigen Forstamts ein Gerücht zu Ohren: Der 54-Jährige habe eigentlich gar keinen Jagdschein. Er informierte die Polizei und teilte den Beamten mit, wo sie den Verdächtigen finden könnten: Dieser nahm an einem Sammelansitz teil. Mitten im Wald klickten die Handschellen.

Staatsanwalt Benjamin Junghans meinte, der Angeklagte habe die Behörden gezielt "an der Nase herum geführt". Er plädierte auf ein Jahr und acht Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, sowie eine Geldauflage von 2000 Euro und 56 Stunden soziale Hilfsdienste.

Verteidiger Walter Rubach wollte nicht "um ein paar Monate herum rechnen", bat um eine Bewährungsstrafe und sagte, sein Mandant, der wegen eines orthopädischen Leidens 1300 Euro Erwerbsminderungsrente beziehe, könne leider nicht arbeiten.

Richter Dominik Wagner folgte weitgehend dem Vorschlag des Staatsanwalts und verurteilte den 54-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Arbeitsdienste muss der Rentner, dem sein vollumfängliches Geständnis zugute kam, nicht ableisten, jedoch in Raten 2500 Euro an den Bunten Kreis zahlen.

Hinsichtlich des zunächst vermuteten Diebstahls der Jagdscheinformulare wurde das Verfahren eingestellt. Die Strafe dafür wäre gegenüber der für Wilderei, Urkundenfälschung, Verstoß gegen das Waffengesetz und Fahren ohne Fahrerlaubnis nicht ins Gewicht gefallen. (mg)
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