Kegeln, Motorradfahren, Ping-Pong spielen: Hessing-Klinik testet Spielekonsole für Senioren

Nur durch seinen Körper steuert ein Patient der Hessing-Kliniken den Motorradfahrer durch die Straßen.

Auf dem Bildschirm fährt ein Fahrrad in Windeseile durch ein Wohngebiet, der Postbote wirft links und rechts Briefe ein. Ein Timer läuft, denn die Briefe müssen möglichst schnell ausgetragen werden. Gesteuert wird der Postbote von einem Patienten der Hessing Klinik für Geriatrische Rehabilition. Er hebt die Knie nach oben und unten, um das Fahrrad zu bewegen. Er lehnt sich nach links und rechts, und das Fahrrad legt sich in die Kurve. Und dann muss er auch noch rechtzeitig die Briefe einwerfen. Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt.

„Konzentration Herr Schmidt* (Name geändert). Nicht vergessen die Beine zu bewegen", wird er angefeuert. "Sehr gut!" lobt Chefärztin Ruth Herkommer, als ein Brief im Briefkasten landet.
 
Die Hessing-Klinik testet seit dem 15. Januar die „MemoreBox“ des Hamburger Start-Up-Unternehmens „RetroBrain R&D“. Diese Spielekonsole wird komplett mit dem Körper gesteuert und wurde eigens für Senioren entwickelt. „Dieses Pilotprojekt bietet uns neue Möglichkeiten, unsere Patienten zurück in die Selbstständigkeit zu führen“, sagt Herkommer. „Ganz im Sinne unseres Leitgedankens, mehr Lebensqualität im Alter zu stiften, ermöglicht die Konsole eine neue Dimension der Mobilisierung von älteren Patienten und trägt zur Prävention bei.“

Kegeln, Motorrad fahren, Briefe austragen, Ping-Pong spielen

Bisher gibt es vier Spiele, die den Gleichgewichtssinn, das Reaktionsvermögen und die Koordinationsfähigkeiten der Patienten trainieren sollen: Sie können kegeln, Motorrad fahren, Briefe austragen und Ping-Pong spielen. Durch die Übungen soll die Sturzgefahr reduziert und dem Auftreten von Demenzerkrankungen vorgebeugt werden können.
Bislang wurde die Spielekonsole vor allem in Pflegeheimen verwendet, die Hessing-Klinik testet nun zum ersten Mal, ob sie auch in der geriatrischen Rehabilitation eingesetzt werden könnte. Die Geriatrische Klinik nutzte die „MemoreBox“ zunächst eine Woche lang auf einer der stationären Stationen, aktuell wird sie noch von den Patienten der Tagesklinik getestet. „Wenn ein Bewegungsablauf oft wiederholt werden muss, kann das für die Patienten schnell langweilig werden“, erklärt Herkommer, „wenn sie das aber im Rahmen eines Spieles tun, sind sie von der Übung selbst abgelenkt und haben sogar noch Spaß dabei. So können auch Bewegungen trainiert werden, die sonst gerne vermieden werden“.
Die Spiele sollen motivieren, nicht frustrieren. So steigert sich die Geschwindigkeit und der Schwierigkeitsgrad, wenn die Patienten sehr gut mit den Spielen klar kommen, und verringert sich, wenn sie Fehler machen. Am Ende steht eine Bestenliste mit einem Foto. Höchstens fünf Minuten dauert eine Übung, damit die Patienten die Konzentration nicht verlieren. Die Konsole sei auf die ältere Generation der Patienten ausgerichtet, erzählt Herkommer, die Spiele verwenden sogar „Musik von damals“, die entspannt und motiviert.

Ein zusätzliches Unterhaltungsangebot

Auch den Gemeinschaftssinn fördere die Konsole. Besonders beliebt sei bei den Patienten das Kegeln, denn das könnten sie auch in der Gruppe spielen. Beim Briefträgerspiel würden auch immer alle mitmachen und die Beine bewegen, obwohl das gar keinen Einfluss auf das Spiel habe.
Therapeutisch gesehen sei die Konsole noch in der Entwicklungsphase, erklärt Herkommer. Für Patienten, die sich zum Beispiel von einer schweren Verletzung erholen müssen, seien die Spiele noch etwas zu anspruchsvoll. Doch schließlich sei die Technik ja noch in der Entwicklung, und in der Zukunft kann sie sich gut vorstellen, weiter mit der Konsole zu arbeiten. Im Moment sei die „MemoreBox“ auch einfach ein zusätzliches Unterhaltungsangebot für die Patienten.
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