Nach verheerendem Brand: Wie die Caritas nun trotzdem weitermachen will

Brand Caritas, Augsburg-Göggingen; von geparktem Fahrzeug aus griff nach ersten Erkenntnissen der Brand auf das Caritasgebäude in Holzbauweise über. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach erschwerte die Löscharbeiten. Übersicht, Übersichtsaufnahme, Übersichtsfoto (Foto: Caritas Augsburg/ Annette Zoepf)
 
(Foto: Caritas Augsburg/ Bernhard Gattner)

Jahre hat man daraufhin gearbeitet, in zwei Stunden hatte das Feuer in der Nacht auf Montag das Caritas-Sozialzentrum in der Depotstraße 5 in Göggingen zerstört. Noch am Mittag stieg wieder Rauch auf, so dass die Feuerwehr wieder in Aktion treten musste. Diözesan-Caritasdirektor Domkapitular  Andreas Magg traf sich mit dem Führungsteam des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Augsburg vor Ort, um sich selbst einen Eindruck von der Brandkatastrophe und deren Folgen zu verschaffen.


„Ich bin entsetzt und traurig“, sagte er. Er selbst habe jahrelang das Bauprojekt begleitet und unterstützt. Traurig sei er vor allem wegen der vielen Menschen, die dort täglich Hilfe erfuhren, aber auch wegen der Mitarbeiter, die dort ihren Arbeitsplatz hatten. „Aber ich habe bereits erste Gespräche mit Herrn Generalvikar Harald Heinrich geführt“, ergänzte  Magg. Er habe Hilfe und Unterstützung zugesagt. Und selbstverständlich stehe der Caritasverband für die Diözese Augsburg an der Seite des Stadtverbandes.“ Diözesan-Caritasdirektor Magg rief auch zur Spendenaktion für den Augsburger Caritas-Ortsverband auf. Unter www.caritas-augsburg.de/brandkatastrophe-augsburg stehen alle Infos bereit. Dort kann man auch online spenden.

120 Frauen und Männer arbeiteten dort bis zum vergangenen Freitag. 50 im pädagogischen Bereich, 50 im Arbeitslosenförderprojekt (Alf) und 20 in der Küche des Café Werthmann. „Es war der Hund unseres Hausmeisters, der um 21.05 Uhr auf einmal losbellte und damit die Alarmierung auslöste. Wäre er nicht gewesen, wäre die Feuerwehr nicht so schnell hier gewesen“, erzählte Walter Semsch, der Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Augsburg. Er wollte sich nicht ausmalen, was dann hätte passieren können. Er war gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Gabriela Hoffmann am Abend der Katastrophe vor Ort. Er habe selbst viele ehrenamtliche Stunden in den Bau eingebracht. War er am Abend noch zu keiner Stellungnahme in der Lage, schöpfte er am Montag bereits wieder Mut und hat gemeinsam mit Hoffmann und dem Vorstand des Caritasrates erste Entscheidungen getroffen.

Ein „Notbüro“ wurde im Abbé-Pierre-Zentrum in der Hofrat-Röhrer-Straße 10 ½ eingerichtet und dorthin wurde auch die Telefonzentrale unter der Rufnummer 0821 – 57048-0 umgeleitet. Den Mitarbeitern hat er für eine Woche freigegeben. Diözesan-Caritasdirektor hat bereits erste Gespräche geführt, um freistehende Büros zu finden. Ein leerstehendes Pfarrhaus in Augsburg wurde inzwischen zugesagt. Augsburger Caritas-Sozialstationen signalisierten ebenso Unterstützung wie der SKM – Verband katholischer Dienste, ebenfalls Mitglied im Caritasverband. Da die Küche vom Café Werthmann zerstört ist, kann die Küche nicht mehr die insgesamt 350 Essen – darunter 250 für Kindergärten in Augsburg – herstellen. Da stimmte ein Signal aus der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH – Ressort Altenhilfe zuversichtlich, dass eine gesamte Küchenausstattung abgegeben werden könnte. „Wenn das klappt, wäre das super“, sagte Gabriela Hoffmann. Café Werthmann bietet nämlich nur Speisen mit Bio-Ware an. Auch die 20 Beschäftigten der Küche könnten so bald wieder damit anfangen, Geld zu erwirtschaften, das der Caritasverband benötigt, um deren Gehälter zu finanzieren. Das gilt auch das Alf-Projekt. Die 50 Mitarbeiter erwirtschafteten sich durch Wohnungsauflösungen, Möbel-, Kleider- und Bücherverkauf ihr Gehalt selber.

Ein weiteres großes Problem stellen die bis zu 300 Menschen für den Caritasverband dar, die täglich ins Caritas-Sozialzentrum kamen, weil sie Hilfe brauchten. „Es tut mir wahnsinnig leid, dass wir jetzt ihnen nicht mehr helfen können“, sagte Semsch. Täglich kämen dorthin Menschen mit Betreuungen, denen Geld ausgezahlt wurde, was derzeit nicht möglich ist. Akten seien zum Teil zerstört oder noch nicht wieder greifbar für die vielen persönlichen Überschuldungs- und Insolvenzfälle. Die Kleiderkammer sei völlig abgebrannt, auch das Möbellager – Quellen, die den Menschen in ihrer schwierigen sozialen Lage das Leben erleichterten.


So tragisch die Brandkatastrophe ist, so groß sei auch die Solidarität. Geistliche hätten auf Facebook, dass sie für alle Betroffenen in ihren Gottesdiensten beteten, der katholische Pfarrer Nikolaus Wurzer der Pfarreiengemeinschaft Göggingen habe sich sofort dahinter geklemmt und ein Gebäude für die Beratungsstellen des Caritasverbandes gesucht. Eine Firma habe angerufen und nachgefragt, wie sie unterstützen könne. Der Architekt des Gebäudes, Stefan Schraml aus Augsburg,  habe die alten Baupläne hervor und wolle sie so schnell wie möglich aktualisieren und dann einreichen. Der Sozialreferent der Stadt Augsburg,  Stefan Kiefer habe seinerseits Unterstützung zugesichert, damit die aktualisierten Baupläne schnell genehmigt würden. Altbürgermeister Theo Gandenheimer schrieb auf Facebook: „Ich bin mit meinen Gedanken und meinem Gebet bei euch.“ Günter Gsottberger  vom Malteser Hilfsdienst schrieb ebenfalls auf Facebook: „Der schreckliche Brand ist wirklich für unsere Freunde und Kollegen der Caritas verheerend. Allen dort viel Kraft und Gottes Hilfe bei allem, was kommt! Die Arbeitsgemeinschaft der Augsburger Hilfsorganisationen und ich sind in Gedanken bei Euch!“

Auch wenn hierbei wirklich alles schnell genehmigt werde, so  Semsch, „müssen wir davon ausgehen, dass erst in eineinhalb Jahren das neue Sozialzentrum wieder steht.“ Ein Problem wird die Schwierigkeit sein, Baufirmen und Handwerker zu finden, die alle stark ausgebucht sind. „Und wir brauchen unbedingt eine größere Bleibe für das Alf-Projekt.“
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