USk - Urban Sketching ... Was ist das denn bitte?

Blick vom Lueginsland (Susanne Gorcks)
 
Landratsamt Augsburg (Susanne Gorcks)
Urban Sketchers (USk) sind eine weltweite Gemeinschaft von Künstlern, die vor Ort die Städte, Orte und Dörfer zeichnen, in denen sie leben oder zu denen sie reisen. Ihre Zeichnungen stellen eine Art visuellen Journalismus dar, der das Leben so zeigt, wie die Künstler es vor ihren Augen geschehen sehen. (wikipedia) – Aber ich bin doch gar kein professioneller Künstler? Darf ich trotzdem mitzeichnen?
Die klare Antwort lautet: Natürlich! Zeichnen darf und kann jeder! Das gehört zum Grundansatz des Urban Sketching, dass alle immer und überall das urbane Leben zeichnen und sich über ihre Arbeit und die Materialien austauschen. Diese Grundsätze hat der Erfinder Gabriel Campanario im sogenannten Manifest festgehalten und an diese Regeln halten sich auch alle, die sich der USk-Bewegung zugehörig fühlen.

Manifest
1. Wir zeichnen vor Ort, drinnen oder draußen, nach direkter Beobachtung
2. Unsere Zeichnungen erzählen die Geschichte unserer Umgebung, der Orte, an denen wir leben oder zu denen wir reisen.
3. Unsere Zeichnungen sind eine Aufzeichnung der Zeit und des Ortes.
4. Wir bezeugen unsere Umgebung wahrhaftig.
5. Wir benutzen alle Arten von Material und pflegen unseren individuellen Stil.
6. Wir unterstützen einander und zeichnen zusammen.
7. Wir veröffentlichen unsere Zeichnungen online.
8. Wir zeigen die Welt, Zeichnung für Zeichnung.

Als ich das vor einigen Jahren als blutige Zeichenanfängerin zum ersten Mal las, war das eine große Ermunterung für mich: Ja, auch du gehörst dazu, wenn du magst! Schnell fand ich heraus, dass es auch in Augsburg bereits USkler gibt und seit diesem Zeitpunkt ist das Urban Sketching ein fester Bestandteil meines Daseins. In nahezu jedem Ort in Deutschland und weltweit gibt es mittlerweile Menschen, die alleine oder gemeinsam überall, wo sie gerade sind, das zeichnerisch festhalten, was sie sehen und empfinden. Denn jede Zeichnung bildet natürlich nicht nur das ab, was zu sehen ist, sondern auch das, was der zeichnende Mensch vor Ort erlebt, fließt mit auf das Blatt, es wird also die Geschichte des Ortes durch die Augen und den Stift des Zeichners erzählt. Das ist der Aspekt, der diese Art der Weltwahrnehmung besonders macht.
An Material braucht man eigentlich nicht viel, ein Stift und etwas Papier reichen prinzipiell vollkommen aus. Es ist natürlich reizvoll, auch etwas Farbe auf dem Blatt zu haben, was sich über simple Buntstifte, Aquarellstifte oder Aquarellfarben relativ problemlos bewerkstelligen lässt. Und die Frage nach dem Wasser für die Aquarellfarben ist entweder mit Hilfe eines Wasserpinsels (Pinsel mit auffüllbarem Wassertank) lösbar oder man nimmt sich ein kleineres, gut verschließbares Gefäß mit Wasser mit. An Stiften ist quasi alles geeignet: Die einen bevorzugen Bleistifte, die anderen Fineliner, wieder andere Füller – die Liste ist nahezu endlos und auch über bevorzugte Papiersorten lässt sich trefflich philosophieren. Schlussendlich wird jeder das für sich beste Material herausfinden und mitnehmen. Aber keine Bange, all das kann gut auch im Alltag immer dabei sein. Im Internet finden sich auf den diversen Austauschseiten der USk-Gemeinde viele Tipps und Vorschläge für praktikable „Immer-dabei-Materialien“ und meist sind die Gegenstände gleich noch gezeichnet dabei.
Aber auch, wenn man sich (noch) nicht als zeichnenden Menschen sieht, macht es doch viel Freude, sich durch die Augen und die Zeichnungen anderen Menschen auf Weltreise zu begeben. Und zu sehen gibt es sowohl auf den Seiten der deutschen Zeichner als auch weltweit viel! Nahezu jede regionale Gruppe hat einen eigenen Blog, auf Flickr, in Facebook und in Instagram wird viel gezeigt und wem das noch nicht reicht, der kann sich auch auf die Reise machen und die Ersteller der Bilder live treffen. Das ist nahezu immer möglich, muss man doch nur bevor man losfährt mit den Zeichnern des Zielortes Kontakt aufnehmen, was über die Bildaustauschseiten leicht möglich ist. Meist wird es klappen und man hat vor Ort Gelegenheit, die Bilder live zu sehen und eventuell gemeinsam zu zeichnen.
Eine andere Gelegenheit, andere Zeichner zu treffen, stellen die regelmäßig abgehaltenen lokalen, regionalen und nationalen Treffen dar und auch ein weltweites Symposium gibt es. Das Welt-Treffen mit ca. 500 Teilnehmern findet dieses Jahr Ende Juli in Amsterdam statt, das deutschlandweite Urban Sketcher Treffen vom 30.8. bis 1.9. in Augsburg. Auf diesen Treffen wird gezeichnet, was das Zeug hält und der Schwerpunkt liegt auf dem Austausch und dem Dazulernen. Workshops werden von erfahrenen USklern durchgeführt und am Ende gibt es eine Ausstellung mit einer Auswahl der vor Ort entstandenen Skizzen. Es ist eine wunderbare Erfahrung, mit Gleichgesinnten einige Tage lang sich live austauschen und lernen zu können und all die netten Menschen hinter den Skizzen, die man im Netz schon bewundert hat, kennenzulernen. Für alle, die entweder keinen Platz ergattern konnten oder schlicht neugierig geworden sind, gibt es die Möglichkeit, am letzten Tag des Treffens zum öffentlichen Zeichnen dazuzustoßen und im Anschluss die Ausstellung anzusehen.
Und wenn sich jetzt jemand immer noch die Frage stellt „Was bringt mir das?“ dann lässt sich einfach antworten: Freude, Orte entdecken und Sehen lernen, Gespräche mit netten Menschen, Zeichentechnik entwickeln, keine nutzlosen Wartezeiten mehr (Kasse, Arzt, öffentliche Verkehrsmittel), (die eigenen) Grenzen überschreiten und in den Skizzen und Bildern die Stimmung des Ortes und des Zeichnens als eine Art Tagebuch sammeln.


Wer jetzt neugierig geworden ist findet hier weitere Informationen:

https://urbansketchersaugsburg.blogspot.com/
http://germany.urbansketchers.org/
https://www.flickr.com/groups/uskgermany/
https://www.instagram.com/urbansketchers/
https://de-de.facebook.com/groups/Deutschsprachige...
https://www.flickr.com/groups/urbansketches/
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